Oldtimer-Treffen
Haßfurt: Das Mekka der Bogward-Fahrer
47. Internationalen Borgwardtreffen der Carl-Friedrich-Wilhelm- Borgward-Interessengemeinschaft  in Haßfurt: Horst Koch (links) war mit 92 Jahren der älteste Teilnehmer beim Borgwardtreffen. Cousin Robert Zeits (rechts) chauffierte den Senior in der sonnengelben Arabella sicher zum Ziel.
47. Internationalen Borgwardtreffen der Carl-Friedrich-Wilhelm- Borgward-Interessengemeinschaft in Haßfurt: Horst Koch (links) war mit 92 Jahren der älteste Teilnehmer beim Borgwardtreffen. Cousin Robert Zeits (rechts) chauffierte den Senior in der sonnengelben Arabella sicher zum Ziel.
Foto: Christian Licha
Haßfurt – Beim 47. Internationalen Borgwardtreffen präsentierten Teilnehmer ihre Schmuckstücke in Haßfurt. Sie kamen aus ganz Europa nach Unterfranken.

Die Wagen des Bremer Herstellers galten früher als exquisit. Zig Fahrzeuge aus dem letzten Jahrhundert schlängelten sich am Wochenende durch den Landkreis. 125 Besitzer historischer Karossen waren nach Haßfurt gekommen, um von Freitag bis Sonntag am 47. Internationalen Borgwardtreffen der Carl-Friedrich-Wilhelm-Borgward-Interessengemeinschaft teilzunehmen.

Etwa 2000 Fahrzeuge übrig

Der Platz am Gries war das Mekka für Liebhaber der restaurierten Autos und Lastkraftwagen dieser Marke. Auch Ausfahrten durch Haßberge und Steigerwald wurden unternommen.

Unter anderem über die historische Baunachbrücke in Frickendorf führte der Weg der Borgward-Liebhaber.
Unter anderem über die historische Baunachbrücke in Frickendorf führte der Weg der Borgward-Liebhaber.
Foto: Christian Licha

Doch hier in Haßfurt war der Knotenpunkt zum Fachsimpeln und Staunen. Neben den Borgwards, die 1924 bis 1961 in Bremen hergestellt wurden, waren auch viele Autos von Goliath und Hansa-Lloyd zu sehen, die dieser Fahrzeughersteller ebenso lieferte.

Etwa 2000 Oldtimer dieser Fabrikate gibt es noch in Deutschland, schätzt Hartmut Loges, seit 48 Jahren Vorsitzender der Borgward-Interessengemeinschaft. Davon sind rund 700 Mitglieder im Verein organisiert. Als letztes lebendes Familienmitglied der Inhaber ist die 80-jährige Monika Borgward als Tochter des Firmenchefs Ehrenmitglied.

Angereist aus ganz Europa

Ein großes Lob sprach Loges an die Haßfurter Stephan Schnaus und Georg Hofmann aus, die die Zusammenkunft in der Kreisstadt im Vorfeld organisiert hatten. Ursprünglich war in der ganzen Stadt sogar ein Nostalgietag mit dem Kulturamt angedacht, doch das durchkreuzte die Pandemie.

In Haßfurt am Gries stellten die 125 Teilnehmer ihre Fahrzeuge aus dem letzten Jahrhundert aus.
In Haßfurt am Gries stellten die 125 Teilnehmer ihre Fahrzeuge aus dem letzten Jahrhundert aus.
Foto: Christian Licha

Aus ganz Deutschland, aus Österreich, der Schweiz, Belgien, Holland und Frankreich kamen die Fahrer, um auch an der Jahresversammlung in der Stadthalle teilzunehmen. Freilich kann es bei den betagten Autos auch einmal zu Pannen kommen. Vereinsvorsitzender Loges berichtete jedoch über keine nennenswerte Vorfälle.

Einzig bei einer Isabella Limousine streikte die Lichtmaschine. Mit Bordwerkzeug und Ersatzteile von spezialisierten Händlern, die ihre Stände am Main aufgebaut hatten, gelang es dem erfahrenen Fahrzeugbesitzer aber schnell, sein Gefährt wieder zum Laufen zu bringen.

Ersatzteile für die historischen Fahrzeuge boten einige Händler beim Borgwardtreffen an.
Ersatzteile für die historischen Fahrzeuge boten einige Händler beim Borgwardtreffen an.
Foto: Christian Licha

Seit 61 Jahren zugelassen

Mit stolzen 92 Jahren war Horst Koch aus Gießen der älteste Teilnehmer, der mit seiner sonnengelben Borgward Arabella gekommen war. Mit Erstzulassung im Jahr 1960 kaufte der Senior das Fahrzeug 1988 aus erster Hand und restaurierte es aufwendig zwei Jahre lang. „Ich bin zu vielen Treffen in halb Europa gefahren, aber das Fest in Bremen zum 100. Geburtstag von Borgward war das Größte was ich erlebt habe“, beschreibt Horst Koch die damalige Zusammenkunft, bei der über 700 Oldtimer kamen.

Mit 45 PS hat die Arabella zur Zeit einen verhältnismäßig starken Motor unter der Haube. Über die Jahre hat der Borgward-Liebhaber immer mal wieder die Motoren ausgetauscht. Vier Original-Stücke besitzt er und damit sie in Schwung bleiben, wurde alles gefordert. Rund 350 000 Kilometer hat die Karosse seiner Arabella schon zurückgelegt.

Horst Koch besitzt auch noch einen Original-Schlüsselanänger aus dem Jahr 1960.
Horst Koch besitzt auch noch einen Original-Schlüsselanänger aus dem Jahr 1960.
Foto: Christian Licha

Die Liebe zu Borgward entdeckte Horst Koch als er der Leiter des Ersatzteillagers eines Autohauses war, das die Marke vertrieb. „Die Arabella ist durchgehend seit ihrer Erstzulassung vor 61 Jahren zugelassen“, zeigt sich Horst Koch, auch Mitglied bei der Interessengemeinschaft „Arabellafreunde Deutschland“, besonders stolz: „Keinen einzigen Tag war sie abgemeldet.“

Zuhause in Hessen hat der Senior noch einen weiteren Borgward stehen. Einen B1500 Feuerwehrwagen mit Tragkraftspritzenanhänger. Die beiden Schmuckstücke sind auch für die Zukunft in Guten Händen.

Auch besondere Lastkraftwagen waren zu sehen.
Auch besondere Lastkraftwagen waren zu sehen.
Foto: Christian Licha

Cousin Robert Zeits, der Horst Koch nach Haßfurt chauffierte, hat die zwei Borgwards unter seine Fittiche genommen. Mit viel liebevoller Pflege, ganz nach dem Vorbild seines Vetters, werden die Raritäten so auch für die Nachwelt erhalten.