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Zu Corona kam jetzt die Flut
Alle packten mit an und verluden die notwendigen Materialien, als während der Zusammenkunft der Einsatzbefehl zur Fahrt in das Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz kam.
Alle packten mit an und verluden die notwendigen Materialien, als während der Zusammenkunft der Einsatzbefehl zur Fahrt in das Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz kam.
Foto: Christian Licha
Haßfurt – THW-Helfer aus dem Landkreis und der Region sind derzeit im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz eingesetzt.

Anders als geplant verlief am Samstagnachmittag die coronabedingt erste Zusammenkunft des Technischen Hilfswerkes (THW) Haßfurt seit eineinhalb Jahren. Ursprünglich stand ein Rückblick unter anderem auf die Hochwassereinsätze am 9. Juli im Landkreis Haßberge auf der Tagesordnung. Die Aktualität mit den Katastrophenereignissen in Westdeutschland forderte aber ein flexibles Handeln der Helfer in Blau, so dass der offizielle Teil kürzer gefasst wurde als geplant.

Einsatzbefehl durch den Landesverband

Seit Donnerstag war bekannt, dass sich eine Mannschaft der THW-Regionalstelle Bamberg, zu der auch der Ortsverband Haßfurt gehört, für einen Einsatz bereit halten soll. Während des Treffens am Samstag in der THW-Unterkunft in der Augsfelder Straße wurde der Einsatzbefehl vom Landesverband Bayern ausgegeben. Die 35 anwesenden Helfer packten alle mit an, um das notwendige Material und Verpflegung zusammenzustellen und zu verladen. „Wir müssen uns auf eine autarke Versorgung einstellen“, sagte der Ortsbeauftragte Christian Günther. Aufgrund der zerstörten Infrastruktur im Katastrophengebiet könne es sein, dass die Helfer dort weder eine Wasser- und Stromversorgung noch andere normalerweise selbstverständliche Einrichtungen vorfinden. Übernachtet werde auf Feldbetten im Zelt, sagte Günther.

Sonntagfrüh um 7 Uhr starteten aus Haßfurt Simon Gräf (Zugtruppführer, Fachberater Bau), Julian Hartmann (Schirrmeister), Frederic Will (Gruppenführer), Matthias Virnekäs (Führungsassistent), Peter Friedrich (Führungsassistent), Sebastian Böhm (Zugführer) ergänzt von Wolfgang Zinser (Kraftfahrer des Mannschaftstransportwagens vom THW Gerolzhofen) als Führung des technischen Zuges. Ihr erster Anlaufpunkt war das Gewerbegebiet Werneck, direkt an der Maintalautobahn A70. Dort sammelten sich die Bergungsgruppe des THW Bad Kissingen, die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung des THW Coburg sowie die Fachgruppe Räumen des THW Bamberg. Weiter ging es im Verband zum Bereitstellungsraum am Nürburgring, an dem die THWler am frühen Nachmittag eintrafen. Dort werden die einzelnen Einsätze koordiniert. Dem Zug der Regionalstelle Bamberg wurde ein eigener Einsatzbereich zugewiesen.

Sie beseitigen Trümmer mit spezifischen Baumaschinen

Die Bergungsgruppe kann vielseitig Hilfe leisten und die Fachgruppen personell und maschinell unterstützen. Die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung verfügt über spezielle Fähigkeiten in ihrem Tätigkeitsbereich. Trümmer und massive Hindernisse kann die Fachgruppe Räumen durch den Einsatz von spezifischen Baumaschinen beseitigen und auch behelfsmäßig Straßen bauen. Dieser Mix aus verschiedenen Ortsverbänden ist deshalb notwendig, um immer wieder frische Einheiten in einem rollierenden System vorhalten zu können und um die Einsatzkraft für etwaige regionale Einsätze daheim aufrechtzuerhalten.

Bis Freitag werden die THW-Einsatzkräfte in Rheinland-Pfalz helfen, wo es geht. Zugführer Sebastian Böhm, der die Gesamtverantwortung für die insgesamt rund 30 Männer und Frauen trägt, betonte, das THW mit seinen Fachgruppen wolle nicht als „Besserwisser“ auftreten.

Das kann für die Helfer sehr belastend sein

Manche Einsätze können psychisch sehr belasten und im schlimmsten Fall zu ernsthaften Erkrankungen führen. Auch im laufenden Einsatz in der Krisenregion ist durch die Eindrücke mit Zerstörung, Hoffnungslosigkeit und im schlimmsten Falle mit Leichenfunden mit einer außergewöhnlichen psychischen Belastung zu rechnen. Hier helfen die Einsatznachsorgeteams des THW der einzelnen Landesverbände, die Katja Müller als Notfallseelsorgerin unterstützen wird.

Im ersten Halbjahr 2021 hat das THW Haßfurt bereits 3800 Einsatzstunden in 83 Einsätzen geleistet, berichtete Ortsbeauftragter Christian Günther. Dazu gehörten die wöchentlichen Transporte von Hilfsmitteln zu den Corona-Impfzentren.

Sechs Tage zuvor Hochwasser im Heimatlandkreis

Gefordert im außerordentlichen Maße war das THW natürlich auch, als es am 9. Juli in weiten Teilen des Landkreises „Land unter“ hieß. Alleine in der Haßfurter Unterkunft befüllten die ehrenamtlichen Helfer weit über 10000 Sandsäcke und lieferten diese in die Brennpunkte aus. „Wir sind ein kleiner, aber feiner Ortsverband mit einem gut eingespielten Team“, sagte Jonas Schierling, stellvertretender Ortsbeauftragter. Auch Andreas Herold, der neue Leiter der Regionalstelle Bamberg, der bei dem Treffen anwesend war, bezeichnete das THW Haßfurt als verlässliche Stütze im Landkreis Haßberge. Das Zusammenspiel mit der Feuerwehr sei hier sehr gut, was im Vergleich zu anderen Regionen keine Selbstverständlichkeit sei. Die Haßfurter Mannschaft sei mit 17 Junghelfer auch in Sachen Nachwuchsgewinnung sehr gut aufgestellt, sagte Herold. Obwohl der Fokus auf das Einsatzgeschehen im Westen Deutschlands lag, kam die Würdigung der Verdienste langjähriger Mitglieder nicht zu kurz.