Landwirtschaft
Die Landfrau muss aufklären
Die Ortsbäuerinnen des Landkreises Haßberge besuchten bei ihrem Treffen den alten Kaufladen in Friesenhausen.
Die Ortsbäuerinnen des Landkreises Haßberge besuchten bei ihrem Treffen den alten Kaufladen in Friesenhausen.
Foto: Martin Schweiger
Friesenhausen – Neu in der Überfluss-Gesellschaft: Das Ortsbäuerinnentreffen in Friesenhausen war vom Thema Ernährungssicherheit geprägt.

Klaus Pieroth, Geschäftsführer des Bauernverbands im Landkreis Haßberge, hatte beim Treffen der Ortsbäuerinnen schlechte und gute Nachrichten. Eine gute Nachricht war, dass bei einer Mitgliederbefragung die meisten Landwirte dem Bauernverband eine gute Arbeit bescheinigt hätten. Der Verband habe festgestellt, dass durch den Ukraine-Krieg die Wertschätzung für die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern gestiegen sei.

Einiges müsse zugekauft werden

Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln rücke mehr in den Mittelpunkt. Deutschland könne sich mit Kartoffeln, Zucker, Fleisch, Milch und Getreide selbst versorgen. Aus dem Ausland zugekauft werden müssten Eier, Hülsenfrüchte, Gemüse, Honig und Obst.

Kein Wunder, dass die „Vier-Prozent-Pflichtbrache“ umstritten sei. Sie schreibe vor, dass auf vier Prozent der Ackerfläche nicht angebaut werden darf. Als teilweise praxisfremd bezeichnete Pieroth Vorgaben zur Fruchtfolge sowie die Einschränkungen für „Rote Gebiete“ in Wasserschutzgebieten, wo Pflanzen nur 20 Prozent unter ihrem Bedarf gedüngt werden dürfen.

Kreisbäuerin Cäcilie Werner (Mitte) überreichte BBV-Geschäftsführer Klaus Pieroth (links) zum Einstand eine Geschenkekiste. Rechts: Stellvertretende Kreisbäuerin Petra Grimmer.
Kreisbäuerin Cäcilie Werner (Mitte) überreichte BBV-Geschäftsführer Klaus Pieroth (links) zum Einstand eine Geschenkekiste. Rechts: Stellvertretende Kreisbäuerin Petra Grimmer.
Foto: Martin Schweiger

Nach über zwei Jahren fand das Treffen der Ortsbäuerinnen des Landkreises in Präsenz im Sportheim des TSV Friesenhausen statt. Gegen die Kopfschmerzen, die ihm seine Arbeit bereite, schenkte Kreisbäuerin Cäcilie Werner dem Geschäftsführer symbolisch eine Kopfschmerztablette. „Davon könnte ich eine ganze Packung gebrauchen“, sagte Pieroth unter dem Gelächter der Anwesenden und erklärte in seinem anschließendem Vortrag auch warum: „Aufgrund der Corona-Pandemie fanden weniger Feste statt. Es wurden weniger Steaks und Bratwürste verkauft. Die Landwirte konnten daher weniger Schweine verkaufen.“ Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse stiegen zwar, die Preise für Betriebsmittel jedoch ebenfalls.

Pieroth ist seit 2008 im Bauernverband tätig. Der Familienvater aus Haßfurt ist seit 1. Januar dieses Jahres kommissarischer Geschäftsführer des Kreisverbands Haßberge/Schweinfurt als Nachfolger von Manfred Kraus in der Geschäftsstelle in Hofheim. Derzeit gibt es im Landkreis Haßberge über 160 Ortsverbände mit jeweils einer Ortsbäuerin. Zirka 33 von ihnen kamen am Dienstag nach Friesenhausen.

Klaudia Schwarz, Vorsitzende des AELF Schweinfurt, bei ihrem Vortrag.
Klaudia Schwarz, Vorsitzende des AELF Schweinfurt, bei ihrem Vortrag.
Foto: Martin Schweiger

Seit fast zwei Jahren leitet Klaudia Schwarz das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Schweinfurt, wo sich auch die einzige Landwirtschaftsschule Unterfrankens befindet. Die Förderungsabteilung sei in die Geschäftsstelle des AELF nach Hofheim ausgelagert worden. „Dort sind wir voll bis unters Dach“, sagte Schwarz.

„Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft rücken“

Die Landwirtschaftsverwaltung habe das Motto „Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft rücken“ ausgegeben. 90 Prozent der Bevölkerung hätten kaum Kontakt zu landwirtschaftlichen Betrieben. Die Themen Landwirtschaft und Ernährung seien den Verbrauchern jedoch nicht egal. Der Ukraine-Krieg habe die Vorzeichen verschoben. Das Thema Ernährungssicherung habe nun für längere Zeit eine größere Bedeutung.

Zirka 33 Ortsbäuerinnen trafen sich am Dienstag in Friesenhausen.
Zirka 33 Ortsbäuerinnen trafen sich am Dienstag in Friesenhausen.
Foto: Martin Schweiger

Schwarz teilte weiter mit, ab Herbst starte ein neuer Meisterkurs für Hauswirtschafterinnen, von denen es zu wenige gebe. Auch Referentinnen für Ernährung und Hauswirtschaft würden gesucht. Interessentinnen könnten in einer sechstägigen Ausbildung dafür geschult werden. Die Arbeit – beispielsweise in Schulen – werde entlohnt. Unter dem Motto „Alles in Ordnung“ gingen Hauswirtschafterinnen auch in Kindertagesstätten, um das Personal und auch Kinder in nachhaltigem und gesundheitsbewussten Handeln zu schulen.

Fachtagung im Kloster Himmelspforten

Am 27. und 28. April beginne im Kloster Himmelspforten in Würzburg eine Fachtagung zum Thema „kundenorientiertes Handeln im Erlebnis- und Genussbereich“. Dabei würden neue Ideen für Gästeführungen auf dem Bauernhof vorgestellt. Am zweiten Tag könnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus fünf Workshop-Angeboten interessante Führungen auswählen. In besonderen Gärten, im Weinberg oder im Labor könnten sie selbst erleben, wie Lust auf Land und Naturerlebnisse geweckt werden können. Wer Schulklassen in seinem Bauernhof empfängt, erhält eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 170 Euro. Die Landwirtschaftsschule kann in diesem Jahr ihr 100. Jubiläum feiern. Im Herbst startet ein neues Semester, das noch nicht voll ist. Kreisbäuerin Cäcilie Werner stellte Themen des BBV-Bildungswerks vor, wie Führungen, Koch- und Backkurse, Gesundheitsangebote, Natur, Handarbeit oder Computerkurse.

Der nächste Landfrauentreff findet am 3. Mai um 13.30 Uhr in der Heilig-Länder-Halle in Neubrunn statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 Plätze begrenzt.