Dialog
Die Bauern fordern mehr Planungssicherheit
Der  20-jährige Landwirt Lukas Höfler absolviert derzeit seine Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister und möchte den elterlichen Betrieb in Stettfeld in eine gute Zukunft führen.  Hier steht der Bauer in dem  modernen Stall mit Computersteuerung.
Der 20-jährige Landwirt Lukas Höfler absolviert derzeit seine Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister und möchte den elterlichen Betrieb in Stettfeld in eine gute Zukunft führen. Hier steht der Bauer in dem modernen Stall mit Computersteuerung.
Foto: Günther Geiling
Stettfeld – Angehende Landwirtschaftsmeister diskutierten mit zwei Politikerinnen über die Probleme und Herausforderungen ihres Berufsstandes.

36 Studierende absolvieren derzeit den dreisemestrigen Studiengang Landwirtschaft mit dem Ziel der Meisterprüfung an der Landwirtschaftsschule in Schweinfurt. Sie alle möchten ihre Betriebe gut aufstellen, nachhaltig produzieren und neue Wege gehen. Unter ihnen herrscht aber eine große Verunsicherung. Deshalb suchten sie in ihrem „Dialog mit der Politik“ Antworten auf ihre Fragen zur Zukunft der Landwirtschaft. Marlene Mortler und Anja Weisgerber standen über ein Online-Portal Rede und Antwort. Beide Politikerinnen gehören der CSU an. Mortler ist Europaabgeordnete und kommt aus Mittelfranken, und die Schweinfurterin Anja Weisgerber gehört dem Bundestag an.

Mehr Wertschätzung gewünscht

Klaudia Schwarz, Leiterin des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt, das auch für den Kreis Haßberge zuständig ist, betonte, dass sich Landwirte mehr Wertschätzung wünschen. Ziel solle sein, miteinander zu reden statt übereinander, sagte sie. Daher auch der Dialog.

Unter den Studierenden zwischen 19 und 36 Jahren waren 15 Milchviehhalter, fünf Schweinemäster und fünf Biobauern. Aus dem Kreis Haßberge kamen Hannes Klement aus Theres, Lukas Höfler aus Stettfeld sowie Benedikt Wolf aus Bundorf, der 600 Kühe in seinem Betrieb hat. Er findet es schwierig, Kleinbetriebe mit großen zu vergleichen oder gar gegeneinander auszuspielen. Das sollte in der Landwirtschaft nicht geschehen; jeder habe seine Berechtigung, sagte der Bundorfer.

Marlene Mortler stimmte zu. „Es ist schon wichtig, dass man auch in den kleinen Betrieben das Gefühl hat, dass wir sie mitnehmen.“ Bei den großen Betrieben müsse oft die ganze Familie davon leben und ihr Auskommen haben. Bei diesen Betrieben kämen erst die Tiere und dann die Familie. „Wenn es meinen Tieren gut geht, geht es auch der Familie gut“, sei eine alte Weisheit, und der Bauer spiele dabei die entscheidende Rolle.

Blick nach Stettfeld

Wie funktioniert Landwirtschaft eigentlich? Zum Beispiel im Milchviehbetrieb Höfler in Stettfeld, wo Sohn Lukas seine Ausbildung zum Landwirt in Fremdbetrieben und zuletzt bei seinem Vater Reinhold genossen hat? Im elterlichen Familienbetrieb stehen 300 Stück Rindvieh, davon rund 130 Milchkühe die dank computergesteuerter Stalltechnik zum Futtertisch oder zum Melkroboter kommen.

Lukas Höfler möchte den Betrieb fortführen. „Uns treiben die ständigen neuen Auflagen im Bereich Tierwohl oder die zahlreichen Düngeberechnungen um, deren Bürokratie ganze Ordner füllt. Dazu zählen auch das Problem der Güllegruben und die vorgeschriebene Lagermenge für ein halbes Jahr. Das Schlimme ist, dass wir nicht wissen, wohin die Reise geht.“ Und Vater Reinhold ergänzt: „Manchmal scheint es so, als wenn man nur auf immer mehr Blühflächen achtet und die Tierhaltung gar nicht mehr erwünscht ist.“

Solche Themen spielen auch bei Lukas Höfler in der Schule derzeit eine Rolle. Im eigenen Betrieb achte man auf genfreie und artgerechte Tierhaltung mit fast ausschließlich heimischen Futtermitteln von eigenen Äckern. „Auf 20 Prozent unserer Fläche haben wir Leguminosen, die Stickstoffsammler sind und wo nicht gedüngt wird. Dazu liegen wir mit rund 20 Prozent in den roten Gebieten und säen dort Luzerne an.“

Der 20 Jahre alte Landwirt aus Stettfeld spricht die finanzielle Seite in der Landwirtschaft an. „Alles, was man braucht, wird teurer; alles, was man verkauft, geht im Preis nicht mit. Energie und Futtermittel sind exorbitant gestiegen. So rechnen wir in diesem Jahr mit Mehrkosten im sechsstelligen Bereich, die erst einmal erarbeitet werden müssen.“

Mit dem Einstieg in die Direktvermarktung im letzten Jahr habe man für die Zukunft zusätzlich ein neues Kapitel aufgeschlagen und komme bei den Kunden damit gut an. „Die Tiere werden bei einem Feinkostmetzger im näheren Umkreis ohne Stress geschlachtet, und das spürt man an einer besseren Fleischqualität.“

Problemstellungen

So wie Lukas Höfler brachten auch die anderen jungen Landwirte ihre Probleme vor die Politiker. Philipp Kindermann aus dem Kreis Rhön-Grabfeld meinte: „Unsere Probleme sind die schlechten Milchpreise, die Futtermittelpreise schnellen in die Höhe ebenso wie die Baukosten von Ställen. Und das alles ist verbunden mit einer Planungsunsicherheit. Warum wird die deutsche Landwirtschaft angegriffen, obwohl wir die höchsten Standards haben, und warum werden kleine Landwirte nicht gefördert?“

Der Betrieb von Daniel Kechel aus dem Würzburger Raum steht neben der Milchviehhaltung auf weiteren Füßen wie Biogasanlage und Photovoltaik. „Unsere Biogasanlage haben wir 2006 gebaut und nach nicht einmal 20 Jahren ist es jetzt so, dass wir schon wieder neue Gruben bauen müssen. Keiner weiß aber, wie es mit den Biogasanlagen weitergehen soll.“

Selbst Biobetriebe mit Schafen auf der Weide und in Naturschutzgebieten haben es schwer. Sie beschweren sich, dass die Politik wegen der Größe wieder hineingrätsche und kleine Betriebe in Schwierigkeiten gerieten.

Ein junges Paar aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld präsentierte ihre wegen der Trockenheit sehr unterschiedlichen Karotten. „Es wird immer schwieriger, den hohen Ansprüchen des Handels und Verbrauchers gerecht zu werden. Kleine, unbedeutende Abweichungen von der Norm bedeuten, das Produkt wird verworfen. Dazu kommt, dass 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittel in Bayern auf dem Weg vom Landwirt zum Verbraucher in den Müll gelangen.“

„Wir brauchen nachhaltige Produkte aus der Region, auch aus klimapolitischen Gründen“, stellte Anja Weisgerber fest. Dabei gehe es nicht nur um Bioprodukte, sondern man brauche das Miteinander zwischen den Landwirten und ihren Produkten sowie der Biodiversität. Auch in der Kennzeichnung müsse sich noch viel verbessern, damit man weiß, was aus der Region kommt.

Nicht auf Augenhöhe

Marlene Mortler verwies auf die Nahrungskette. Sie bedauerte, dass die Landwirte mit dem Lebensmitteleinzelhändlern nicht auf Augenhöhe und das schwächste Glied seien.

Sie sprach sich für die absolute Ernährungsversorgung aus dem eigenen Land aus. Diese Sicht habe man Jahre ausgeblendet – mit Folgen. „Wir müssen in Europa viel mehr Nahrungsmittel importieren und verlagern gleichzeitig die Umweltprobleme in Drittstaaten“, sagte sie.

Mortler bedauerte, dass die Diskussionen in Deutschland vom Zeitgeist geprägt seien. Das geschehe in einer Wohlfühlblase, in der man nicht wisse, was in der Praxis laufe. Hinsichtlich der geforderten Planungssicherheit gab sie den Bauern zu bedenken: „Eine 25-jährige Planungssicherheit wird Ihnen keiner mehr geben, und wir könnten schon über 15 Jahre und einen Bestandschutz froh sein.“ Sie machte den jungen Landwirten Mut und bat sie, nach vorne zu schauen. Dabei sollte man nicht immer nur an Wachsen und an die Größe denken.