Hochwasser-Technik
Wo der Main zum Nil werden darf
Rechts der bestehenden Lagerhalle entsteht derzeit das erste Gewächshaus, das 50000 Quadratmeter groß wird.
Rechts der bestehenden Lagerhalle entsteht derzeit das erste Gewächshaus, das 50000 Quadratmeter groß wird.
Foto: Christian Licha
Zeil am Main – Auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Zeil will ein Gartenbaubetrieb Main-Hochwasser nutzen.

Endlich kann ein Großteil des Areals der ehemaligen Zuckerfabrik wieder sinnvoll genutzt werden. Seit einigen Wochen herrscht auf dem ehemaligen Werksgelände der Südzucker AG eine rege Bautätigkeit. Gärtnermeister Andreas Knaup aus dem Landkreis Schweinfurt hat hier ein großes Grundstück erworben, auf dem es zukünftig blühen und gedeihen soll. Derzeit entsteht ein circa 50000 Quadratmeter großes, hochwasserangepasstes Gewächshaus für Zier- und Topfpflanzen. Daneben sollen auf einer Freifläche von zunächst drei Hektar weitere Pflanzen angebaut werden. Im Rathaus, präsentierte Bürgermeister Thomas Stadelmann zusammen mit Andreas Knaup und dessen Tochter Sina Knaup das Vorhaben.

Der Gartenbaubetrieb Knaup baut Blumen, Gemüse- und Obstpflanzen, wie zum Beispiel Geranien, Tomaten oder Erdbeeren, an und hat seinen Stammsitz in Röthlein. Zu 85 Prozent werden die Erzeugnisse an den Lebensmitteleinzelhandel wie Supermärkte oder Discounter geliefert. Der Verkauf an Kleinhändler oder Gärtnereien mache die restlichen 15 Prozent aus, wie Andreas Knaup erklärte. Ein Privatverkauf, also direkt an den Endkunden, finde nicht statt.

Wie der Wasserbedarf gedeckt wird

Das riesige Gewächshaus, das jetzt entsteht, ist mit einer vollautomatischen Mobiltischanlage ausgestattet. Die Warenwirtschaft kann man sich etwa wie in einem Hochregallager vorstellen. Die Pflanzen werden bis zu 90 Prozent mit Wasser aus einem firmeneigenen Regenauffangbecken gegossen. Der restliche Bedarf wird von einem Brunnen auf dem Gelände gedeckt. In einem zweiten Bauabschnitt soll später noch ein zweites Gewächshaus mit einer Größe von ebenfalls fünf Hektar entstehen. Andreas Knaup beziffert das Investitionsvolumen seiner Firma auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Weil der jetzt entstehende Gartenbaubetrieb unter die Kategorie „Landwirtschaft“ fällt, sei kein Bebauungsplan erforderlich, erklärte Bürgermeister Stad Aber das Gelände liege im Hochwasserbereich – und darauf habe man sich eingestellt. Eine Überschwemmung ist hier sogar gerne gesehen. Denn an den modernen Gewächshäusern kann mit geschickten technischen Lösungen die kontrollierte Überflutung erreicht werden. Die geforderte Ausbreitung des Wassers auf die Flächen der Gewächshäuser ist damit Bauweise gewährleistet. So wird der Main zum Nil, könnte man sagen. Und mit dieser Lösung sind auch die zuständigen Behörden einverstanden.

Kein großer Lkw-Betrieb mehr

Die Zufahrt zu dem Gartenbaubetrieb erfolgt über die breite Straße im Süden des Werksgeländes. Hier warteten früher die Zuckerrübenbauern mit ihren Gespannen oft in langen Schlangen, um ihre Rüben in die Fabrik zu bringen. Vom Stadtrat wurde diese ehemalige Werksstraße kürzlich offiziell gewidmet. Sie erhielt – im Andenken an die jahrzehntelange Tradition der Zuckerfabrik – den Namen „Rübenstraße“. Zum neuen Gartenbaubetrieb werden wohl nicht mehr als zehn Lastwagen täglich fahren.

Die vorhandene große Halle, in der ehemals die Rübenschnitzel gelagert waren, hat Bestandsschutz. Diese Halle nutzt die Gärtnerei Knaup künftig zum Verpacken und zum Versand. Mit einer Kesselheizung mit Hackschnitzeln als Brennstoff sollen die Gewächshäuser weitgehend CO2-neutral beheizt werden. Wenn alle Bauarbeiten planmäßig laufen, rechnet Andreas Knaup mit einem Produktionsbeginn Ende Januar 2022.

Die Knaups schaffen Arbeitsplätze

Bürgermeister Thomas Stadelmann freute sich, dass 30 bis 40 neue Arbeitsplätze entstehen. Die jetzige Alternative sorge auf jeden Fall für eine Belebung des Geländes und es entstehe keine dauerhafte Brache.

Die Südzucker AG wird nach eigenen Angaben noch für viele Jahre die Siloanlage in Zeil nutzen. Der in Ochsenfurt produzierte Zucker wird hierher transportiert und bis zur Verteilung an Großkunden gelagert. Dabei wird auch der bestehende Bahnanschluss genutzt. Es arbeiten derzeit etwa zehn Mitarbeiter dauerhaft in diesem kleinen verbliebenen Betriebsteil in Zeil.