Gewerbeansiedlung
Riesiges Gewächshaus entsteht
Die ersten Arbeiten für ein großes Gewächshaus sind bereits erfolgt, auf dem Südzucker-Gelände in Zeil entstehen 30 bis 40 Arbeitsplätze. Das freut die Stadt.
Die ersten Arbeiten für ein großes Gewächshaus sind bereits erfolgt, auf dem Südzucker-Gelände in Zeil entstehen 30 bis 40 Arbeitsplätze. Das freut die Stadt.
Foto: Thomas Fensel
Zeil am Main – Die Südzucker AG verkaufte einen Teil des Geländes an eine Schweinfurter Großgärtnerei.

Es ist ein gutes Jahr für die Stadt Zeil: Ein Riesen-Gärtnerei-Projekt wird auf dem früheren Südzucker-Gelände verwirklicht. Bürgermeister Thomas Stadelmann kündigte das bei der Pressekonferenz am Mittwoch an: „Ziemlich genau vor fast 20 Jahren im September 2001 hat die Südzucker AG die letzte Rübenkampagne in Zeil gestartet. Die dazwischen liegenden 20 Jahre waren sehr bewegt. Von 2002 bis 2012 hat die Südzucker versucht, das Gelände an verschiedene ernsthafte Interessenten zu veräußern, die hier Gewerbe betreiben wollten. Leider ohne Erfolg.“

So hatte es Pläne für eine Ölmühle (Biotreibstoff) gegeben, Schaeffler hätte hier gerne Lager und Maschinen für Kraftwerksanlagen produziert, ein Gaskraftwerk und ein Sägewerk hätten entstehen können. Nichts von alledem wurde realisiert. Ein Grund dafür war auch die immer strenger werdende Gesetzeslage zum Hochwasserschutz, der in diesem letztlich doch hochwassergefährdenden Bereich südlich bis zur Bahnlinie besteht.

Als 2013 konkret die Aufstellung eines Bebauungsplans eingeleitet wurde, war auch die Stadt hoffnungsvoll. Kraftvolle Gewerbesteuerzahler wie in früheren Jahren waren rar geworden. Zumindest auf einer Teilfläche des Geländes sollte es möglich sein, wünschte man sich, Gewerbeansiedlungen zu realisieren. Aber auch das wurde letztendlich von den Gerichten nicht mehr zugelassen.

Jetzt gelang quasi ein Coup: Die Südzucker AG konnte die Flächen an einen Betrieb verkaufen, der in die Kategorie „Landwirtschaft“ fällt und so privilegiert keinen Bebauungsplan benötigt. Der Gartenbaubetrieb Knaup aus Röthlein bei Schweinfurt produziert im großen Stil Blumenpflanzen wie Geranien und ähnliches für Großabnehmer (kein Werksverkauf) und siedelt sich auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Zeil an. Und zwar ganz handfest: Die Bauarbeiten für das hochwasserangepasste Gewächshaus sind im vollen Gange und oben von der Aussichtsplattform am Zeiler Käppele gut zu erkennen.

Hier entsteht ein 50 000 Quadratmeter großes Gewächshaus. Daneben sollen auf einer Freifläche von gut zehn Hektar jährlich Millionen von Topfpflanzen angebaut werden, die dann an Einzelhandelsketten weiterverkauft werden. Der Gartenbaubetrieb Andreas Knaup aus Röthlein bei Schweinfurt kaufte jetzt einen Großteil des ehemaligen Geländes von der Südzucker AG und vergrößerte damit seinen Betrieb erheblich.

Ein weiterer Hintergrund: Über die weitere Nutzung des Werksgeländes hat es einen jahrelangen Rechtsstreit gegeben. Es ging darum, ob auf diesem Gelände eine weitere Bebauung mit gewerblich genutzten Gebäuden entstehen darf. Im März 2018 hatte schließlich das Verwaltungsgericht Würzburg entschieden, dass in diesem festgesetzten Überschwemmungsgebiet die Ausweisung von neuen Baugebieten untersagt ist.

Die Landwirtschaft ist privilegiert

Der jetzt entstehende Gartenbaubetrieb fällt in die Kategorie „Landwirtschaft“. Deshalb ist ein Bebauungsplan nicht nötig. Und die riesigen Gewächshäuser? Hier können die Belange der Hochwasservorsorge im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden gelöst werden. An den modernen Gewächshäusern kann bei der Ankündigung eines Hochwasserereignisses mit geschickten technischen Lösungen die kontrollierte Überflutung erreicht werden. Die geforderte Ausbreitung des Wassers auf die Flächen der Gewächshäuser ist mit dieser hochwasserangepassten Bauweise gewährleistet.

Seitens der Stadt Zeil wurde das Vorhaben im Bauausschuss bereits am Anfang November 2019 behandelt und befürwortet. Die Voraussetzung für die Zustimmung war, dass die wasserrechtlichen Fachbehörden ihr Einvernehmen signalisierten. Trotzdem muss der Unternehmer Retentionsraum, also zusätzliche Flächen zur Aufnahme von großen Wassermengen des Mains, schaffen. Kein billiges Unterfangen. Aber im Hinblick darauf, dass es dem Gärtnermeister gelungen ist, große zusammenhängende Flächen zu erwerben, trotzdem lohnenswert. Die vorhandene große Halle, in der ehemals die Rübenschnitzel gelagert waren, unterliegt dem Bestandsschutz. Diese Halle nutzt Knaup künftig zum Verpacken und zum Versand.

Die Zufahrt erfolgt über die breite Straße im Süden des Werksgeländes. Hier warteten früher die Zuckerrübenbauern mit ihren Gespannen oft in langen Schlangen, um ihre Rüben in die Fabrik zu bringen. Vom Stadtrat wurde diese ehemalige Werksstraße kürzlich offiziell gewidmet. Sie erhielt – im Andenken an die jahrzehntelange Tradition der Zuckerfabrik nun den offiziellen Namen „Rübenstraße“.

Bürgermeister und Stadtrat sind erfreut, dass 30 bis 40 Arbeitsplätze entstehen. Auch wenn durch das Verbot für ein neues Gewerbegebiet die Steuereinnahmen nicht wie früher sprudeln. Die jetzige Alternative sorgt auf jeden Fall für eine Belebung des Geländes und es entsteht keine dauerhafte Brache.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf des Werksgeländes an die Gärtnerei konnte sich die Stadt Zeil ebenfalls Flächen sichern, die für die weitere Stadtentwicklung wertvoll sind. Im Süden ist die Begradigung der Entlastungsstraße jetzt ohne weiteren Grunderwerb möglich. Und durch den Erwerb der „Zuckerstraße“ kann hier eine mögliche Entlastungsstraße mit einer Bahnbrücke hinüber in das Gewerbegebiet „Gröbera“ geschaffen werden. Damit wäre vor allem die Oskar-Winkler-Straße erheblich von starkem Durchgangsverkehr entlastet.

Die Firma Südzucker wiederum wird nach eigenen Angaben noch für viele Jahre die Siloanlage in Zeil nutzen. Der in Ochsenfurt produzierte Zucker wird hierher transportiert und bis zur Verteilung an Großkunden gelagert. Dabei wird der bestehende Bahnanschluss gerne genutzt. Es arbeiten derzeit etwa zehn Mitarbeiter dauerhaft in diesem kleinen verbliebenen Betriebsteil in Zeil.

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