Nagerplage
„Seit der Biber da ist, ist alles versumpft“
Bis zu den Waden steht Karl-Josef Räder auf seinem Grundstück knapp 500 Meter westlich von Unterpreppach im Wasser.
Bis zu den Waden steht Karl-Josef Räder auf seinem Grundstück knapp 500 Meter westlich von Unterpreppach im Wasser.
Foto: Helmut Will
Unterpreppach – Der Unterpreppacher Rentner Karl-Josef Räder hat ungebetene Gäste auf seiner Wiese. Die Nager machen Ärger. Was tun Stadt und Behörde?

Karl-Josef Räder steht knapp 500 Meter westlich von Unterpreppach an der Brücke des Feldweges, der von der Staatsstraße über das Tal der Preppach bis hin zum Vorbacher Weg führt. Der 74-Jährige trägt Gummistiefel und zeigt auf seine überflutete Wiese und den überfluteten Feldweg.

Grund der Überflutung ist kein Hochwasser im herkömmlichen Sinn, sondern der Biber, der etwa 150 Meter weiter in Richtung Jesserndorf im Bachlauf der Preppach einen Damm gebaut hat.

In den Tunnel eingebrochen

„Ich bin einmal da ein Stück reingelaufen und habe mir bald die Füße gebrochen, weil ich mit einem Schlag in einen unterirdischen Tunnel des Bibers eingebrochen bin. Der Biber hat mehrere tiefe Gräben vom Bach in Richtung meiner Wiese angelegt“, sagt der Rentner sichtlich erbost.

Räder erklärt, dass sein Wiesengrundstück insgesamt 2,2 Hektar groß ist und an den Bachlauf der Preppach angrenzt. Bewirtschaften oder verpachten kann er das Teilgrundstück nahe des Baches schon lange nicht mehr. „Seit der Biber da ist, ist dort alles versumpft“, sagt Räder.

Mit einem Traktor zum Beispiel könne man das Grundstück nicht mehr befahren. „Da kannst du nur mit Stiefeln rein, aus meiner ehemaligen Wiese wurde ein Sumpfloch“, schildert der 74-Jährige

Räder wollte, weil er das Grundstück teilweise nicht mehr nutzen kann, eine Entschädigung. Vom Biberbeauftragten des Landratsamtes habe er die Antwort erhalten, dass das nicht möglich sei, weil er die betreffende Fläche schon lange nicht mehr genutzt habe.

Er bringt einen Vergleich: „Wenn ich ein Haus habe und es jahrelang nicht mehr nutze, kann es ein anderer auch nicht einfach einreißen.“

Es sei unbestritten, dass der Biber für den ihm entstandenen Schaden verantwortlich sei, und dafür muss seiner Meinung nach jemand aufkommen. Räder erzählt, dass es ein Entschädigungsprogramm gebe, aber einer schiebe den anderen vor. „Überall hörst du nur Ausreden, keiner will verantwortlich sein.“

Beim Bürgermeister

Er sei auch bei Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) gewesen, aber bisher, schon wochenlang, habe sich nichts getan, ist Räder erzürnt. Vor kurzem sei jemand vom Bauhof da gewesen, der selbst erstaunt war, dass es so etwas gebe, erzählt Karl-Josef Räder. Wie soll es weitergehen? „Das kann von mir aus so weitergehen, wenn die Stadt mein Grundstück pachtet und eine Entschädigung zahlt, dann soll von mir aus der Biber machen, was er will“, sagt er.

Von der Sache hat Wolfgang Lappe, der Biberberater im Landkreis Haßberge, Kenntnis. „Herr Räder hat mich bereits im Oktober angerufen und seine Probleme geschildert“, sagt Lappe. Auch ein weiterer Anlieger habe sich bei ihm gemeldet. Er habe Räder mitgeteilt, dass die drei Biberdämme, davon einer auf seinem Grundstück in einem Entwässerungsgraben, entnommen werden dürfen. „Zuständig für den Preppach-Bach, ein Gewässer dritter Ordnung, ist die Stadt Ebern, auf seinem eigenen Grund ist Räder selbst zuständig“, so der Biberberater. Er habe ihm geraten, sich mit der Stadt Ebern in Verbindung zu setzen, um hier eine Einigung herbeizuführen.

Eine Entschädigung aus dem Biberfonds – das sei eine freiwillige Leistung des Freistaates – stehe nur der Land- und Forstwirtschaft zu. Der Biberdamm kurz vor der Biberburg dürfe nicht entfernt werden.

Dort wurden im Sommer durch den Bauhof der Stadt Ebern Drainagen eingebaut, um zu verhindern, dass die landwirtschaftlichen Flächen vernässen, erklärt Lappe. Das habe bisher gut geklappt, aber durch Laubfall werde die Drainage immer wieder verstopft und müsse deshalb gesäubert werden. Das werde alle zwei bis vier Tage vorgenommen. „Untätigkeit gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt weise ich zurück“, betont Lappe.

Aufregung muss nicht sein

Bürgermeister Jürgen Hennemann teilte auf Anfrage mit, dass eine Aufregung nicht notwendig sei. „Der Biber baut ständig neue Dämme, unser Bauhof kann es nicht stemmen, hier stets hinterher zu sein, dass das Wasser geordnet abfließt“, sagt er. Hennemann fordert dauerhafte Lösungen, mit Wegräumen der Dämme funktioniere das nicht. Deswegen werde Betroffenen angeboten, die betreffenden Grundstücke an die Stadt zu verkaufen, damit diese dann als Naturfläche dem Biber überlassen werden können.

Auf den konkreten Fall eingehend, erläutert Hennemann, dass schon mehrere Biberdämme entfernt wurden, aber damit bekomme man das Problem nicht in den Griff. Auch er hat sich das Ganze vor Ort angesehen. Ziel sei eine dauerhafte Lösung, und das Bauamt sei beauftragt, entsprechende Gespräche mit den Betroffenen zu führen.

Räder habe er übrigens bei einem Besuch gesagt, dass die Stadt ihm ein Angebot machen werde, das betreffende Grundstück ganz oder teilweise abzukaufen. Das gelte übrigens auch für alle anderen betroffenen Anlieger des Baches. „Wir wollen beim Naturschutz-Fonds dafür Anträge stellen“, erklärte der Bürgermeister. Er stellt fest: „Wer hier nicht mitmacht, muss mit den Problemen, die der Biber mit sich bringt, leben.“

Die Biberproblematik sei dem Landratsamt Haßberge bekannt, teilte Pressesprecherin Monika Göhr auf Anfrage mit. Man sei mit Biberberater Wolfgang Lappe im ständigen Austausch. Der Freistaat Bayern stelle in jedem Jahr freiwillig Gelder zur Verfügung (2021: 550 000 Euro), um vom Biber unmittelbar verursachte Schäden in Bayern durch finanzielle Leistungen auszugleichen.

Entscheidung im Einzelfall

Ob eine Ausgleichszahlung gewährt werden kann, ist im Einzelfall zu prüfen und hängt von verschiedenen Punkten ab. Ausgleichsfähig sind grundsätzlich nur land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Schäden wie etwa Sachschäden an landwirtschaftlichen Maschinen durch Einbrüche in eine Biberröhre, Vernässungsschäden an landwirtschaftlichen Kulturen oder Fraßschäden an Feldfrüchten oder forstwirtschaftlich genutzten Beständen. Privatpersonen sind nicht ausgleichsberechtigt.

Karl-Josef Räder sei, so das Landratsamt, bereits darüber informiert, dass er keine Ausgleichszahlung erhalten kann, da seine Fläche nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Die Untere Naturschutzbehörde sowie der ehrenamtliche Biberberater sind laut Göhr im vorliegenden Fall bereits mehrfach tätig geworden. Es haben mehrere Biberberatungsgespräche stattgefunden und Schadensmeldungen wurden dahingehend überprüft, ob diese ausgleichsfähig sind oder nicht.

Behörde steht bereit

Lappe habe zudem beim Einbau einer Drainage am Biberhauptdamm mitgewirkt. Bei erneuten Problemen stehe die Untere Naturschutzbehörde auch weiterhin zur Verfügung, so das Amt.

Eine Biberentnahme stellt grundsätzlich immer das letzte Mittel der Wahl dar und ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Ein Antrag auf Biberentnahme für den betroffenen Bereich lag der Unteren Naturschutzbehörde bisher nicht vor. Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde gibt es derzeit auch nicht die notwendigen Voraussetzungen, die eine Biberentnahme rechtfertigen würden.

Zudem ist eine Biberentnahme grundsätzlich keine langfristige Lösung, da immer wieder damit gerechnet werden muss, dass andere Biber einwandern und das Revier neu besetzen.