24-Stunden-Laden
Wird Rentweinsdorf zum Einkaufs-Vorbild?
In einem solchen Markt könnte bald der Einkauf „rund um die Uhr“ in Rentweinsdorf stattfinden.
In einem solchen Markt könnte bald der Einkauf „rund um die Uhr“ in Rentweinsdorf stattfinden.
Foto: Günther Geiling
Rentweinsdorf – In dem kleinen Ort soll ein Tag-und-Nacht-Laden entstehen. Nicht nur das: Mit einem E-Auto soll man den Einkauf auch nach Hause transportieren können.

In fast jeder dritten Kommune in Bayern sind die Lebensmittelläden und kleinen Geschäfte von der Bildfläche verschwunden. Vom „Ladensterben“ ist auch die Marktgemeinde Rentweinsdorf betroffen. Bürgermeister Steffen Kropp stand in der Sitzung des Marktgemeinderates diesmal vor gefüllten Reihen, denn das Thema 24-Stunden-Laden zog über 30 Bürger in die öffentliche Sitzung.

„Viele Augen beobachten uns heute. Es ist auch aus unserer Perspektive schön, so viele Zuschauer zu sehen, die durch die Themen des Tag-und-Nacht-Laden und der Standortsuche für das neue Feuerwehrgerätehaus angelockt wurden.“

Geschäftsführer Andreas Gerulli von „Emmas Tag und Nacht-Markt, Bayern GmbH“ stellte das Zukunftsprojekt mit Blick auf den ersten derartigen Markt in Altengottern/Thüringen vor. Dieser laufe seit eineinhalb Jahren störungsfrei. Gerulli stellte heraus, dass das „digitale Dorf von morgen“ die Lebensqualität in den ländlichen Regionen verbessern solle.

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Er könnte sich sein Konzept für 1000 Gemeinden in Bayern vorstellen. Ziel sei die Versorgung der Bürger in ländlichen, infrastrukturschwachen Regionen mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs (in Gemeinden von 500 bis 2500 Einwohnern) und Ortschaften mit Einwohnern mit überwiegend fortgeschrittenem Alter und eingeschränkter Mobilität.

1200 Produkte – Vollsortiment

Der Markt biete auf einer Fläche von 100 Quadratmetern ein Vollsortiment mit gut 1200 Produkten des täglichen Bedarfs (für jedes Produkt stehen zwei Artikel zur Auswahl). Den hohen Anteil von regionalen Anbietern sieht Gerulli als erwünscht, sie seien die „local heros“. Gedacht sind Bäcker, Metzger, Imker oder Gemüselieferanten. Das System wird durch Künstliche Intelligenz unterstützt, und so erkennt der Laden, welche Waren gebraucht werden.

Voraussetzung ist ein eigenes Grundstück; die Finanzierung erfolgt über Eigenanteil der Gemeinde und die Investition der GmbH. Die Gesamtkosten werden auf 450 000 Euro geschätzt. Nach 20 Jahren werde das Gebäude dann Eigentum der Gemeinde, die Gesellschaft übernehme die Betreiberpflicht für weitere 20 Jahre.

Bürgermeister Steffen Kropp berichtete von seinem Besuch in Thüringen, das Projekt überzeugte ihn so, dass er mit Baron von Rotenhan Vorverhandlungen zum Grundstück führte; es liegt gegenüber dem jetzigen Kindergarten.

Von Gemeindeseite befinde man sich also „in sicheren Gewässern“ und wolle möglichst noch im Dezember eine Entscheidung treffen.

Da viele Zuhörer anwesend waren, informierte der Geschäftsführer über den praktischen Teil des Einkaufs, für den eine Zugangskarte Voraussetzung ist. Über ein PIN gelangt der Kunde ins Geschäft. Im Eingang befinden sich eine digitale Infotafel und eine Paketladestation. Diese könnte auch auf ein Medikamentensystem mit Arzneiabholung erweitert werden.

Der Wareneinkauf funktioniert über die eingescannten Waren. Der Kassenautomat kann dem Kunden sogar Preis und Stückzahl nennen. Ferner gibt es eine Sprechanlage, die der Kunde nutzen kann. Mit einer EC-Karte wird bezahlt. Die Lieferung erfolgt über den Großhändler Edeka; die Gemeinde könne angeben, was sie sonst noch gerne im Angebot hätte.

E-Auto für Premium-Mitglieder

Als besondere Services gibt es einen kostenlosen Hotspot und eine E-Tankstelle sowie ein E-Auto vor Ort, das seinen Standort an der Ladestation vor dem Markt hat. Das Fahrzeug kann man nutzen, um seinen Einkauf nach Hause zu transportieren (Premium-Mitgliedschaft per Monatsbeitrag).

Es gab viele Fragen

Kurt Weißheimer (FW-ÜWG) interessierte die Bauweise des Marktes und die Erfahrung mit älteren Nutzern. Ludwig Bock (FW-ÜWG) verwies auf die nahen Supermärkte in Ebern: Sei ein Mindestumsatz nötig? Letzteres wurde verneint, zur Rentabilität sei man angesichts der Einwohnerzahl von Rentweinsdorf mit Ortsteilen man sehr zuversichtlich, hieß es.

Franziska Schmittlutz (SPD) interessierte besonders die Frage, wie man mit diesem Markt rund um die Uhr ohne Personal auskomme und wie er zu einem sozialen Kommunikationspunkt werden soll. Geschäftsführer Gerulli erklärte hierzu, dass vieles über die Gesellschaft geregelt werde, man aber doch auch vor Ort jemand brauche, der nach dem Rechten sehe.

Dies könne über eine Teilzeitbeschäftigte erfolgen, die auch beim Einsortieren und Aussortieren helfe. Nach den bisherigen Erfahrungen werde der Markt zu einem Treffpunkt von Jung und Alt. Am Anfang würden auch die Jungen den Älteren helfen. Ansonsten sei alles für die Sicherheit über ein Kamera- und Notrufsystem überwacht.

Bürgermeister Steffen Kropp zeigte sich am Ende zuversichtlich und kündigte an, dass man möglichst noch im Dezember die Grundstücksfrage klären und bei Erfolg bald den Beschluss fassen wolle.