Bebauungsplan
Diskussion um Gewerbegebiet in Kirchlauter
Auf dieser Fläche neben der Kreisstraße Kirchlauter-Neubrunn könnte ein Gewerbegebiet entstehen.
Auf dieser Fläche neben der Kreisstraße Kirchlauter-Neubrunn könnte ein Gewerbegebiet entstehen.
Foto: Günther Geiling
Neubrunn – Im Gemeinderat Kirchlauter besteht Uneinigkeit: Ein Teil des Gremiums hält den Zeitpunkt für eine Erschließung für ungünstig und hat gute Gründe.

Nur ein Tagesordnungspunkt stand auf der Tagesordnung der Sitzung des Gemeinderates Kirchlauter in der „Heilig-Länder-Halle“ in Neubrunn. Dabei sollte es um die Änderung des Bebauungsplanes und Gewerbegebietes „Großes Stück“ in Kirchlauter gehen. Der neue Vorentwurf führte jedoch zu einer längeren Diskussion. Es stand die Frage im Raum, ob überhaupt ein Gewerbegebiet gebraucht werde, nachdem es bisher keine Interessenten dafür gebe. Und es ging natürlich auch ums Geld. Die Ratsmitglieder fragten sich, ob sich Gemeinde und Gewerbetreibende die Kosten dafür auch leisten könnten. Hierzu forderte das Gremium einen genauen Kostenüberblick.

Das neue Gewerbegebiet hat schon seit mehreren Jahren den Namen „Großes Stück“

Bürgermeister Karl-Heinz Kandler erinnerte daran, dass die Gemeinde schon vor Jahren das Gewerbegebiet „Großes Stück“ in Kirchlauter geplant habe. Dabei habe es manche Zwänge gegeben mit einer Freileitung und einer Wendeschleife, die viel Fläche benötigt hätten. Ein alter Plan stamme aus dem Jahr 1998 und inzwischen habe sich auch das Baugesetzbuch geändert.

Dipl.-Ing. Jan-Peter Solveen vom Planungsbüro Alka stellte dem Gremium die Änderung des Bebauungsplanes „Großes Stück“ vor. So soll die Erschließung statt über eine Wendeschleife nun mit einem Wendehammer erfolgen. Dies spare erhebliche Flächen ein. Da um das Gebiet eine Verkabelung stattfinde, könne man auch andere Dinge umplanen wie die Trafostation, eine Löschwasserzisterne mit 100 Kubikmetern Fassungsvermögen und ein Regenrückhaltebecken. Die Entwässerungsprobleme im Norden könne man vielleicht auch über den neuen Kanal von Pettstadt nach Kirchlauter entschärfen. Auf jeden Fall sei ein Trennsystem vorgesehen, sagte Solveen.

Die Unsicherheit im Gemeinderat Kirchlauter bei dem Thema „Gewerbegebiet“ ist groß

Ein weiterer Punkt war die eventuelle Einrichtung einer Linksabbiegespur von der Kreisstraße aus. Dies sei noch nicht entschieden, wobei es auf die Stellungnahmen bei der Anhörung der öffentlichen Träger ankomme und die Frage zu klären sei, ob sie gleich vorgesehen wird oder je nach Verkehrssituationen erst später angelegt werden könne. Hinsichtlich der Bereitstellung der Grundstücksflächen müsse man dies auf jeden Fall jetzt schon beachten.

Wie lässt sich geschickt eine Linksabbiegespur in das geplante Gewerbegebiet vermeiden?

Aus dem Gremium kam hierzu gleich der Wunsch, die Ortsdurchfahrtsgrenze zu verschieben, um eine Linksabbiegerspur zu umgehen. Denn die Einrichtung einer solchen Abbiegespur könnte rund 100 000 Euro kosten. Solveen und VG-Geschäftsleiter Matthias Klauda hielten es für aussichtslos, diese Abbiegespur auf diese Weise zu verhindern.

Einige Mitglieder des Gemeinderats fragten ganz konkret, was die Erschließung des Gewerbegebietes „Großes Stück“ die Gemeinde kosten würde. Solveen nannte einen Betrag von 743.000 Euro, der stamme aber aus dem Jahr 2018. „Wir wissen derzeit bei der Preisexplosion nicht, wohin die Reise geht, und müssen schon mit einer Million Euro rechnen“, meinte er. Und dabei wurde auch die Zahl von 100 Euro pro Quadratmeter für die Erschließung genannt.

Warum sollte man ein Gewerbegebiet erschließen, wenn niemand Interesse hat, ein Grundstück zu kaufen?

Steffen Kandler (SPD) und Lilo Stubenrauch (CSU) zeigten sich skeptisch. Stubenrauch sagte: „Solange niemand Interesse daran hat und 100 Euro pro Quadratmeter an Erschließungskosten geschätzt werden, ist es schwierig.“

„Da könnten sie gleich ins Maintal gehen“

Peter Stretz (CSU) sah sich nicht in der Lage abzustimmen, „wenn man nicht weiß, was es kostet. Welcher Gewerbetreibende kauft sich das bei diesen Erschließungskosten? Das ist uninteressant, weil ein solches Gebiet sich keiner leisten kann“. Er rechnete die Kosten für ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück vor und stellte fest: „Da könnte ein Bewerber gleich ins Maintal gehen.“ Hans-Jürgen Derra (IG-HL) gab zu bedenken, dass man doch nicht alle zehn Jahre den Plan ändern könne und dann trotzdem keine Interessenten habe.

Aber es gab auch andere Meinungen. Eva Maria Schmitt (JL) erinnerte daran, dass das Thema das Gremium schon länger beschäftigte. „Wir sollten den Plan fertig machen, damit wir etwas anbieten können.“ Auch Robert Muckelbauer (CSU) schlug vor, das Gewerbegebiet so weit voranzutreiben, dass man Interessenten auch eine Fläche und damit ein Baurecht präsentieren könne. „Ein Interessent hat dann keine Zeit, erst die Planung abzuwarten. Wenn wir Gewerbetreibende wollen, sollten wir es durchführen.“

Der Ingenieur will dem Gemeinderat Kirchlauter bis zur nächsten Sitzung die genauen Kosten vorlegen

Jan-Peter Solveen suchte den Kompromiss und riet dem Gremium, sich zumindest inhaltlich klar zu werden, ob man sich für den geänderten Plan entscheiden und diesen auf den Weg bringen wolle. Die Erschließung sei ja dann der zweite Schritt. Bis zur nächsten Sitzung wolle er dem Ratsgremium alle Kosten vorlegen. Das Gremium sah deswegen von einer Beschlussfassung ab und verschob die Entscheidung.

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