Kontroverse
Schlossprojekt spaltet weiter Weißenbrunn
Über die Hälfte der Bürger von Weißenbrunn besuchte am Montagabend die Bürgerversammlung in der Frauengrundhalle in Ebern. Im Mittelpunkt stand das umstrittene Schlossprojekt.
Über die Hälfte der Bürger von Weißenbrunn besuchte am Montagabend die Bürgerversammlung in der Frauengrundhalle in Ebern. Im Mittelpunkt stand das umstrittene Schlossprojekt.
Foto: Martin Schweiger
Weißenbrunn – Die Bürgerversammlung zum umstrittenen Kulturrefugium im kleinen Eberner Stadtteil brachte keine Annäherung der Standpunkte.

Der Unternehmer Wolfgang Kropp und die Kirchenmusikerin Pia Praetorius haben große Pläne: Sie wollen ein Kulturzentrum mit einem Konzertsaal, zwei Hotels, die durch eine Standseilbahn verbunden sind, eine Tiefgarage, Gästehäuser, eine Musikakademie und eine Orangerie bauen. In München? Frankfurt? Hamburg? Weit gefehlt! Das Projekt soll im Umfeld des Schlosses von Weißenbrunn, einem kleinen Stadtteil von Ebern, entstehen. Der Konzertsaal soll 320 Gästen Platz bieten – rund das Sechsfache der Einwohnerzahl des Dorfes im Naturpark Haßberge.

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Das gefällt einigen Bürgern des Ortes nicht. Sie fürchten, dass es dann mit der Ruhe und Beschaulichkeit vorbei ist. „Das Dorf ist völlig zerstritten“, sagte Stefan Stetter bei der von der Stadt veranstalteten Bürgerversammlung am Montagabend in der Frauengrundhalle in Ebern, wo die Pläne vorgestellt und erläutert wurden. Er warf den Bauherren vor, nicht das Gespräch mit kritischen Bürgern zu suchen. Es sei nicht so, dass man das Projekt komplett ablehne. Aber: „Die Mehrheit will es nicht in dieser Dimension“, sagte Stetter.

Bauherr Wolfgang Kropp, der das Schloss in Weißenbrunn vor vier Jahren zusammen mit Pia Praetorius gekauft hatte, erwiderte, dass das Bauvorhaben bereits abspeckt worden sei. So habe man die Plätze in der Konzerthalle von 400 auf 320 reduziert und auf den Bürgerwunsch hin den Bau einer Tiefgarage geplant. Dennoch müsse man eine gewisse Größe erreichen, um das Projekt wirtschaftlich führen zu können. Die Architekten aus Südtirol versuchen nach seinen Worten, die Gebäude in die Landschaft einzubinden. Die Einschränkungen für den Ort bezeichnete er als „akzeptabel“. „Lasst uns eine Lösung finden“, bat er seine Mitbürger.

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Pia Praetorius fügte hinzu, sie säßen nicht auf einem hohen Ross. Schlossherren seien beide nicht mehr. Das Schloss hätten sie einer gemeinnützigen Stiftung überschrieben und werde einmal dem Bezirk Unterfranken gehören. „Wir sind verliebt in die Gegend und möchten mit unserem Geld etwas für die Allgemeinheit tun“, betonte sie.

Es gab auch positive Wortmeldungen in der Versammlung. Günther Hofmann bedankte sich für das tolle Konzept, das die Mehrheit der Dorfbewohner begrüße. Er widersprach damit seinem Mitbürger Stetter.

Er selbst und der gesamte Stadtrat von Ebern stünden hinter dem Projekt, sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD). Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan habe der Stadtrat den Startschuss gegeben. Es handle sich um Vorplanungen. Deshalb könne man konkrete Fragen, die den Bau betreffen, nicht endgültig beantworten. Es werde keinen „Halli-Galli-Tourismus“ geben, versicherte Hennemann. Natur, Kultur und Tourismus stünden im Mittelpunkt. Das Dorf werde vital erhalten, beispielsweise durch die geplante Ansiedlung von Gastronomie. Das Projekt habe darüber hinaus auch positive Nebeneffekte wie einen besseren öffentlichen Nahverkehr.

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Auch Praetorius versuchte, den Kritikern die Angst zu nehmen, dass das Dorf von Auswärtigen überrannt wird. Der Schwerpunkt liege auf klassischer Musik und Barockmusik, die schon immer in kleineren Räumen stattfanden. Chansonniers, Liedermacher und Kabarettisten könnten auftreten. Ein Akustiker aus Brüssel solle für den optimalen Hörgenuss sorgen. Der Konzertsaal könne beispielsweise auch für Theateraufführungen, Kinofilme oder private Feiern genutzt werden. Ein Barockgarten, ein englischer Garten und ein Naturgarten sollen nach ihren Angaben das Gelände begrünen. In der Musikakademie sollten alte Musiktechniken wieder aufleben. Die Hotels sollen laut Pia Praetorius klein, aber fein und mit eigenem Wellnessbereich ausgestattet sein.

Architekt Gerd Bergmeister aus Südtirol stellte die Pläne detailliert vor. Es gibt ein oberes und ein unteres Hotel. Das untere Hotel soll ein Bauernhotel werden, das auf Stelzen steht. Das Konzerthaus soll komplett aus Holz und Fachwerk entstehen. Die Schlossstraße vor dem Schloss weicht einer Grünfläche. Darunter soll die Tiefgarage liegen. Das obere Hotel soll in die Landschaft integriert werden. Zwischen den beiden Hotels fährt eine Standseilbahn.

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Die aus Unterpreppach stammende Architektin Natalie Eßig wertet das Vorhaben als ein „Pilotprojekt von europäischer Dimension“. Es verbessere die Dorfsituation. Der Wert der Grundstücke werde steigen. „Sehen Sie es als Chance“, riet sie den Bürgern.

Robert Dumberger regte an, die Weißenbrunner sollten in einer geheimen Abstimmung über das Projekt entscheiden. Dies sehe die Gemeindeordnung nicht vor, sagte Josef Müller von der Stadt Ebern. Bürgermeister Hennemann kündigte an, in der nächsten Stadtratssitzung darüber zu reden.

Er informierte außerdem über weitere Themen: Der Handymast in Welkendorf wurde in Betrieb genommen, so dass nun im ganzen Stadtgebiet Handyempfang besteht. Ein Radweg an der Staatsstraße zwischen Jesserndorf und Ebern rückt wohl in weite Ferne. Ein Kilometer Radweg würde mittlerweile 500 000 Euro kosten, sagte der Rathauschef. Daher sei eine Mischlösung über bestehende Flurwege geplant. Die Bürgerversammlung fand unter Corona-Bedingungen statt und wurde live im Internet übertragen.