Kommentar
Weißenbrunn: Vision versus Verlustangst
Eckehard Kiesewetter
Eckehard Kiesewetter
Foto: privat
Weißenbrunn – Auf die Planer des Kulturzentrums und die Bürger des Stadtteils von Ebern kommt eine große Aufgabe zu.

Imposant sind die Pläne genauso wie mutig. Doch sie treffen auf eine Region, die sanft aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst und nicht gewaltsam herausgerissen werden will. Was Pia Praetorius und ihr Mann da in Weißenbrunn planen, sprengt zwangsläufig die Vorstellungskraft einer dörflichen Bevölkerung, die ein Leben in relativer Abgeschiedenheit und entspannter Ruhe kennt, vielleicht gar nicht erpicht darauf ist, von großstädtischen Eindringlingen erobert zu werden. Ist es nicht ein Glücksfall, Neubürger mit Visionen, Expertise und entsprechendem Vermögen zu haben? Gegner prophezeien sogleich die alles umwälzende Heimsuchung.

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Tatsächlich muss Weißenbrunn wohl nicht fürchten, wie das Dorf Wacken regelmäßig von Horden von Hard-rockfans überrollt zu werden oder zum Vorhof eines Dorados für den Jetset zu verkommen. Doch ohne mutige und finanzkräftige, vielleicht ein wenig verrückte Bauherren hätte es weder das Festspielhaus in Bayreuth noch Touristenmagneten wie Neuschwanstein oder die Elfie in Hamburg gegeben. In all diesen Fällen hat großes Denken unterwegs viel Kritik geerntet, nachhaltig aber Recht behalten.

Dem fränkischen Temperament läge Sicherheitsdenken näher, also die schrittweise Planung und Fortschreibung eines Projektes, um zunächst zu sehen, wie es angenommen wird und wie sich die große Idee im wahren Leben bewährt.

So gehen beide Seiten volles Risiko: die Investoren mit Enthusiasmus, die Bevölkerung mit bangem Unbehagen.