Voll im Trend
Zurück zum Glück im eigenen Garten
Nur ein Hingucker, kein Hinhorcher: Stumm aber dekorativ spitzen Dutzende von Schnattergänsen aus saftigem Grün hervor.
Nur ein Hingucker, kein Hinhorcher: Stumm aber dekorativ spitzen Dutzende von Schnattergänsen aus saftigem Grün hervor.
Foto: Eckehard Kiesewetter
Gereuth – Die Menschen in der Region entdecken in Coronazeiten das eigene grüne Paradies für sich. Zum Gartenmarkt in Schloss Gereuth kommen Tausende Besucher.

Irgendwo zwischen 4000 und 5000 waren es. Genau kann Organisator Heiko Bayerlieb die Besucherzahl auch am Tag danach noch nicht benennen. Für ihn zählt: „Der Gartenmarkt am Samstag und Sonntag auf Schloss Gereuth war ein voller Erfolg“.

Das Gros de Besucher verzichtete auf den Mund-Nasen-Schutz.
Das Gros de Besucher verzichtete auf den Mund-Nasen-Schutz.
Foto: Eckehard Kiesewetter

Zwar wird gerade jetzt zu Beginn der Urlaubszeit viel über Urlaubsparadiese, Wunschdestinationen und Traumstrände philosophiert. Doch viele Menschen haben inzwischen ganz anderes im Sinn. Statt in die Ferne zu schweifen, haben sie den eigenen Garten, das kleine grüne Paradies Zuhause und den Rückzugsort Natur für sich (wieder)entdeckt.

Der Newsletter für alle Gartenfreunde: Jupps Gartentipps

 

Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie, das Bienenvolksbegehren und die Klimakrise wirken nach. Die Gestaltung des eigenen Gartens ist für sie mehr ins Bewusstsein gerückt, ein „Zurück zur Natur“ zu einem Anliegen geworden.

Was wäre ein sommerlicher Gartenmarkt ohne ein reiches Angebot an buntblühenden Pflanzen samt fachkundiger Beratung?
Was wäre ein sommerlicher Gartenmarkt ohne ein reiches Angebot an buntblühenden Pflanzen samt fachkundiger Beratung?
Foto: Eckehard Kiesewetter

Der Erholungsraum vor der eigenen Haustüre liegt voll im Trend. Er lädt zum Entspannen und Werkeln ein. Und er will kreativ und ideenreich ausgestaltet werden – trendig, naturnah, ökologisch, stylish oder aber ganz pragmatisch als Nutzgarten nach alter Väter und Mütter Sitte.

Corona erforderte vier Anläufe

Der Gartenmarkt im Umfeld des 300 Jahre alten Schlosses bot den Besuchern, Impulse optische Anreize und Verkaufsangebote in Hülle und Fülle.

Es war bereits der 17. Gartenmarkt an dieser Stelle; aber mit Abstand derjenige mit den größten Geburtswehen. Vier Anläufe waren seit vergangenem Juni nötig, auch wenn am Ende nur gut drei Wochen für die Vorbereitung blieben. Wegen Corona, natürlich! Am Ende hat alles mit Auflagen gut funktioniert, die Resonanz bei Publikum und Ausstellern war rundweg positiv.

Leider schlucken FFP2-Masken auch den Blütenduft weitgehend.
Leider schlucken FFP2-Masken auch den Blütenduft weitgehend.
Foto: Eckehard Kiesewetter

Am Ende zählt bei solchen Veranstaltungen der Umsatz, klar. Und da hat sich der Aufwand für Schlossbesitzer Hubert Fechner und Veranstalter Bayerlieb offenbar ebenso geloht wie für die laut offiziellen Angaben mehr als 70 Verkäufer – das Catering mitgerechnet. Für etliche von ihnen war’s - so eine Geschäftsfrau „ein familiäres Wiedersehen nach vielen Monaten“.

Die Beratung macht’s

Etwa 60 Prozent der Händler hatte Organisator Bayerlieb direkt in der Region rekrutiert, manche traten aber auch weite Wege bis in den Untermerzbacher Ortsteil an. Und die meisten haben angekündigt, im nächsten Jahr wiederkommen zu wollen, erzählt der 47-Jährige.

Keramik ist  für die Gartendeko besonders beliebt.
Keramik ist für die Gartendeko besonders beliebt.
Foto: Eckehard Kiesewetter

Für ihn ein Beleg dafür, dass alles gepasst hat. „Läuft gut“, bestätigten etliche der Anbieter von Pflanzen und Gartenaccessoires, Haus- und Modeschmuck, Dekoartikeln, Koch- und Arbeitsgeräten, und was es da sonst noch alles zu sehen und zu kaufen gab.

„Selbst wenn es zu keinem Abschluss kommt, dann ist wenigstens der Kundenkontakt wieder da“, befand ein Anbieter von Mobiliar für den Außenbereich. „Ist schon gut mit einem echten Fachmann sprechen zu können, der weiß einfach auf alles eine Antwort“, erklärte eine Kundin aus dem Raum Bamberg am Blumenstand.

Wasser ist zum Planschen da.
Wasser ist zum Planschen da.
Foto: Eckehard Kiesewetter

Während ihr Mann vollbepackt mit großen Töpfen herrlich blühender Sommerstauden zum Aufbruch drängt, ließ sie sich noch ausführlich den fachgerechten Schnitt einer Buchs-Hecke erklären und über die Ursache für die Flecken und vertrockneten Blätter am Kirschbaum aufklären. „Die Beratung ist das eine“, sagte eine Marktbesucherin aus Ebern, die den Ausflug in den Itzgrund mit ihrer Freundin antrat. „Und außerdem ist einfach was anderes, wenn Du all die Sachen direkt vor Ort siehst, anfassen und ausprobieren kannst“.

Vom Internet geprägt

„Ich glaube, die Leute müssen das analoge Shoppen nach Corona erst wieder lernen“, mutmaßte dagegen eine Anbieterin von selbstgebrannten Spirituosen aus Krum. „Die Leute sind irgendwie inzwischen total auf den Einkauf im Internet eingestellt.“ Ihre hochprozentigen Versucherle überzeugten dann aber offenkundig doch. Kritische Fragen wegen Materialmangels und langer Lieferzeiten musste sich ein Kollege um die Ecke anhören und in der „Genussmeile“ schnaubte mancher Gast wegen des langen Anstehens in plötzlich praller Sonne.

Rosen sind immer gefragt
Rosen sind immer gefragt
Foto: Eckehard Kiesewetter

Dafür entschädigte dann, hübsch dekoriert und pandemiegerecht mit auseinandergerückten Sitzgelegenheiten bestückt, der Obstgarten, der erstmals zum Verweilen und Ausruhen einlud.

Mit neuen Ideen

Er war eine der Neuerungen, mit denen der Geracher Heiko Bayerlieb das gewohnte Konzept von Schlossbesitzer Fechner aufpeppte. Der Macher des Coburger Stadtmagazins Mohr brachte außerdem Erfahrungen als Veranstalter von Jugendevents oder des Drive-in-Gartenmarkts in Bad Staffelstein ein.

Er verpasste dem Ganzen ein neues Werbekonzept mit Programmbroschüre zum Download und löste die Verkehrsprobleme vergangener Jahre. Bei früheren Märkten erst recht bei regnerischem Wetter und aufgeweichten Ackerparkplätzen – hatte eine Blechkarawane für teils chaotische Verhältnisse im Schlossumfeld gesorgt.

Völlig entspannt lief“s demgegenüber per Shuttleservice mit Bussen, die zwischen Gereuth und dem Großparkplatz der Firma Rösler in Memmelsdorf pendelten. „Und auch mit dem Wetter hatten wir Superglück! Kein einziger Tropfen“, freute sich der 47-jährige Bayerlieb, nachdem es noch am Sonntagvormittag geregnet hatte: „Ich bin total happy!“