Freiluft-Ausstellung
Ein Stück Indien an der Aurach
Florian Lang spricht in Anwesenheit von Bürgermeister German Hacker bei der Eröffnung seiner Ausstellung.
Florian Lang spricht in Anwesenheit von Bürgermeister German Hacker bei der Eröffnung seiner Ausstellung.
Foto: Bernhard Panzer
Herzogenaurach – Spaziergänger konnten sich an der neu gestalteten Aurachpromenade entspannt in das ferne Indien entführen lassen.

Es war bei einem Spaziergang an der Aurach, auf dem Weg zum Bücherschrank, als Florian Lang und seine Frau Saleena erkannten, wie schön die Promenade doch geworden ist und wofür sie sich eignen könnte. Die Idee, dort eine Ausstellung zu machen, festigte sich in einem Gespräch mit Judith Jochmann. Die Stadtmarketingchefin des Rathauses schlug vor, eine corona-konforme Open-Air-Bilderschau zu organisieren. Lang war begeistert und sagte zu. Und so entstand die Fotoausstellung „Fluss.Land.Stadt!“.

Das war im November 2020. Damals schon wolle die Stadt trotz der Corona-Pandemie etwas Kulturelles anbieten. Die Fotoschau fand großen Zuspruch, die Bilder blieben bis in den Februar.

Der Fotograf präsentierte Bilder aus Indien. Lang ist in Herzogenaurach aufgewachsen, lebt aber schon seit zehn Jahren in Delhi in Indien. Eigentlich habe er sein Jubiläum dort zusammen mit Freunden feiern wollen, sagte er bei der Eröffnung. Aber die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung, das Ehepaar Lang blieb in Herzogenaurach bei Florians Eltern Herta und Franz-Josef. Dass er dennoch eine Fotoausstellung machen konnte, trotz Corona, freut ihn schon sehr. Kein Künstler ist gern zum Nichtstun verdonnert.

Urbane Räume

Lang präsentierte in der Open-Ar-Ausstellung „Urbane Räume in Indien“ Szenen aus öffentlichen Räumen in indischen Städten und Metropolen. Ausgewählt wurde hierzu der Holzzaun entlang des Wirth-Grundstücks. 15 große Tafeln mit über zwanzig Fotografien aus den Jahren 2014 bis 2020 sind ausgestellt. Es sind Fotos typischer, aber auch ungewöhnlicher Situationen.

„Ich fotografiere die Menschen, wo sie sind“, sagt der 40-Jährige. Und konnte sich regelrecht austoben, denn das Thema „Urbane Räume“ sei locker gefasst. Seine letzte Ausstellung in Herzogenaurach zum Ganges sei da in der Auswahl schon schwieriger gewesen.

Gleichwohl hat Florian Lang auch ein Foto von Menschen in dem Heiligen Fluss mit dabei – ein Muss gewissermaßen, wenn man die indische Lebensweise darstellen will. Schließlich ist ein Bad im Ganges das höchste Ziel der Hindus.

Lang hat aber auch das Randgeschehen beobachtet. Beispielsweise hat er eine Craft-Beer-Brauerei besucht und eine Gruppe junger Männer fotografiert, die dort ihre Mittagspause machten. Interessante Erkenntnis: Ein fränkischer Braumeister ist dort aktiv und verwendet wird Malz aus Bamberg.

Sein jüngstes Foto entstand im Corona-Lockdown respektive nach den sechs Wochen Ausgangssperre. Die Straßen in seinem Stadtteil seien ausgestorben gewesen, richtig gespenstisch Ein paar Blöcke weiter, hinter Holzzäunen, jedoch habe sich das pure Leben abgespielt. Lang hielt drauf und fotografierte, diesmal Kinder bei einem gemeinsamen Handyspiel.

Seien es nun ein Arbeiter im Kanalschacht, sportbegeisterte Passanten auf Trimm-Dich-Geräten (fast wie auf der Grünlage an der Aurach) oder der Blick auf Händler und Besucher eines Volksfests (eines der Lieblingsmotive des Fotografen) – für den Spaziergang auf dem Weg der neuen Aurachpromenade sollte sich der Betrachter etwas Zeit nehmen. Beeindruckende Fotos und lesenswerte Erläuterungen sind bestens geeignet, ein fremdes Land etwas näher rücken zu lassen.

Wobei: So sehr fremdartig ist Indien gar nicht, wie Lang erläuterte. Das Leben von vielen Menschen sei in grundlegenden Zügen unserem sehr ähnlich, ergänzte er: „Es gibt viel Gemeinsamkeiten.“

Einblicke in den Alltag

So wollte Lang mit dieser Ausstellung leisere Töne anschlagen, wie er in seiner Erläuterung zur Ausstellung schreibt. Er möchte „Einblicke in Alltagssituationen ermöglichen und diese, wenigstens ausschnittsweise, hierher transportieren. Und er hofft: „Vielleicht überraschen dann zu guter Letzt nicht Exotik und Andersartigkeit, sondern die Gemeinsamkeiten zwischen Indien und Europa – während die krassesten Gegensätzlichkeiten innerhalb Indiens zu finden sind.“