Freizeit
Kleine Kerwa macht große Freude in Höchstadt
Die achtjährige Emmi hat viel Spaß auf dem „Sky Jumper! von  Georgino Denk.
Die achtjährige Emmi hat viel Spaß auf dem „Sky Jumper! von Georgino Denk.
Foto: Britta Schnake
Höchstadt a. d. Aisch – Die Höchstadter holen die Kirchweih in reduzierter Form nach. Den Schaustellern machte nicht nur Corona Probleme.

Die Höchstadter Kerwa im Juli ist nicht nur einfach ins Wasser gefallen, sie ist nach allen Regeln der Kunst abgesoffen. Umso schöner, dass seit Freitag im Engelgarten doch noch die Möglichkeit besteht, in den Genuss von Kirchweihflair und -vergnügen zu kommen. „Mein Bruder Karl-Heinz Störzer hatte die Idee“, sagt Carmen Denk. Dass die Familie sofort mitgezogen hat, ist gar keine Frage, denn „Blut ist dicker als Wasser, es gibt nichts Stärkeres als die Familie“, sagt sie. „Letztes Jahr haben wir alles fertiggemacht für Baden-Württemberg, fast alles an Geld investiert, weil wir ja wussten, dass wir was verdienen würden.“

Carmen Denks Stimme wird dunkler, als sie weiterspricht. „Dann kam ein Anruf von einem guten Freund, der uns mitteilte, dass wir Arbeitsverbot hätten aufgrund von Corona. Da bricht eine Welt zusammen, du siehst deine ganze Existenz davonschwimmen, du hast keine Einnahmen. Dann kommt die große Verzweiflung, du bist wie gelähmt.“

Carmen Denk hat kein zweites Standbein. Sieben bis acht Monate sind ihre Familie und sie normalerweise mit ihren Fahrgeschäften und Buden unterwegs. Das Hochwasser am 10. Juli hat der Familie dann den Rest gegeben. Sie hat viel verloren an diesem Tag. Die Versicherung hatte sie gekündigt, weil die Ersparnisse aufgebraucht waren. Die Wagen standen in der Halle, was sollte denn schon passieren? Dann kamen die Fluten. „Die Camper und die Wohnwagen sind alle ersoffen“, sagt Denk. „Noch schlimmer kann es nicht kommen.“

Doch aufgeben war keine Option. Vor vier Wochen hat ihr Bruder damit begonnen, die „kleine Kerwa“ zu planen, mit dem, was noch übrig war. Da wusste Karl-Heinz Störzer noch nicht, ob das Wetter passen würde. „Der liebe Gott hatte ein Einsehen mit uns“, sagt Carmen Denk und sieht zum blauen Himmel empor. Unendlich dankbar ist sie auch der Stadt Höchstadt, die sofort mitgezogen hat, als ihr Bruder mit seinem Ansinnen vorsprach. Wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Als Carmen Denk weiterspricht, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Das hier ist doch viel schöner“, sagt sie. „Klein ist immer mehr, es ist familiärer. Wir haben Kinder hier, die haben sowas noch nie gesehen. Bei der letzten Kirchweih waren sie noch zu klein, und dann kam ja nichts mehr.“

Sie sieht in die Runde. „Die Kinder können spielen, lachen, springen. Das Funkeln in den Augen der Kinder kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen.“

Dieses Funkeln sieht man auch bei der achtjährigen Emmi, die bei Georgino Denk, Carmen Denks Sohn, gut gesichert auf dem „Sky Jumper“ auf und ab hüpft, als gäbe es kein Morgen mehr. Sabine Stelzl und Jürgen Buschbacher, beide über 50, freuen sich, wenn in Höchstadt wieder mehr los ist. „Nachdem die Kirchweih ins Wasser gefallen ist, dachten wir, es kommt nix mehr“, sagt Stelzl. Umso erfreuter sind sie, heute hier sein zu können. „Mein Patenkind kann Karussell fahren und Popcorn essen, Jürgen ist ein Langosch-Fan.“ Ein Wermutstropfen ist laut Stelzl das Fehlen von Bratwurst- und Steakbrötchen. „Aber man muss das hier unterstützen.“

Für feuchte Kehlen sorgen Bernd Brehm und seine Kameraden des Vereins Kerwafreunde. Gewusst hat er nicht, dass noch eine kleine Kerwa kommen würde, aber vermutet hatte er es und natürlich gehofft. Dann kam die Anfrage der Familie Störzer nach Unterstützung. Da waren die Kerwafreunde natürlich sofort dabei. „Wir hoffen, dass nächstes Jahr hier wieder eine Kerwa stattfindet“, sagt Brehm.

Ein letzter Blick zu den Fahrgeschäften wie dem „Super Allround Skyline“, dem Karussell und den Buden gibt Hoffnung, sieht man doch Lebensfreude pur. Die Sehnsucht nach Normalität ist deutlich spürbar.