90. Geburtstag
Eigensinn und Lebensfreude
Bürgermeister German Hacker nahm sich als aufmerksamer Zuhörer viel Zeit für die Geburtstagsjubilarin Rose Krautheim.
Bürgermeister German Hacker nahm sich als aufmerksamer Zuhörer viel Zeit für die Geburtstagsjubilarin Rose Krautheim.
Foto: Richard Sänger
Herzogenaurach – Sie selbst hält ihre Geschichte für kaum erwähnenswert. Doch wenn Rose Krautheim erzählt, fesselt sie ihre Zuhörer.

Eine großen Portion Lebensfreude und gesunder Eigensinn – das sind die Markenzeichen von Rose Krautheim. Ihre Lebensumstände waren oft nicht einfach – aber kleinkriegen ließ sich davon nie!

Die Herzogenauracherin ist stolze 90 Jahre alt und fand an ihrem Geburtstag mit Bürgermeister German Hacker einen aufmerksamen Zuhörer. „Im Kopf geht’s, aber das Fahrgestell macht halt Probleme“, erklärt die Jubilarin, als sie den Bürgermeister ins Wohnzimmer geleitet. Aber sie sei ständig beschäftigt, lese gerne und pflege mit Hingabe die Orchideen ihres im Jahr 2002 verstorbenen Mannes. „Er liebte die Orchideen. Das Gewächshaus war voll davon, und ich hatte die Arbeit“, erzählt sie schmunzelnd.

„Ich bin eine Importware.“

„Es ist schon ein Wunder, wie viel in dieser langen Zeit passiert ist“, sagt Rosi Krautheim. Ihr Leben mit Höhen und Tiefen sei nicht leicht gewesen, aber es werde weitergehen. Die geistig fitte Jubilarin meint schmunzelnd zum Bürgermeister, als er nach ihren Vorfahren fragt: „Ich bin eine Importware.“

Ihr Vater Hans, aus der Milchhändlerfamilie Ruhmann aus der Noppengasse gehörte zu den Emigranten, die 1924 ihr Glück in Übersee suchten. Mit dem späteren Bürgermeister Hans Maier machte sich der 22-Jährige mit dem Schiff auf den Weg nach Brasilien. Einer seiner Onkel wanderte nach New Jersey (USA) aus, und ein Jahr später folgte Hans Maier dem Ruf des Onkels nach New Jersey. Dort lernte er mit Maria Jochheim auch eine Auswanderin kennen. Im Jahr 1932 kehrte die dreiköpfige Familie nach Herzogenaurach zurück.

Reihe von Schicksalsschlägen

Rose besuchte die Mädchen- und Hauptschule und lernte Einzelhandelskauffrau. Weil ihre Mutter schwer erkrankte, gab sie die Stelle im Jahr 1950 auf. Ihre Mutter starb, und nur ein halbes Jahr später nahm sich ihr Vater das Leben. Nach dem Tod ihrer Eltern wurde sie von den Onkeln unterstützt.

1953 heiratete sie Alfred Krautheim. Die Ehe blieb kinderlos. Über 49 Jahre führte sie eine glückliche Ehe, aber das Schicksal schlug abermals zu: Ihr Mann erlitt einen schweren Schlaganfall und sie pflegte ihn zu Haus bis zu seinem Tod 2002.

Rose Krautheim bekam in Erlangen eine Arbeitsstelle fuhr jeden Tag mit dem Zug nach Erlangen. „Im Winter war das grausam und ich kam völlig durchgefroren in Erlangen an.“ Deshalb nahm sie für über 25 Jahre, bis zur Rente, eine Stelle in der Kalkulation bei Schaeffler an.

Zum Geburtstag kamen neben dem Bürgermeister viele Nachbarn, Bekannte sowie Neffen und Nichten, zu denen sie regen Kontakt hält.

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