Meerrettich
Superfood aus Franken
Kren soweit das Auge reicht: Dank der Niederschläge ist der Kren in diesem Jahr gut gediehen. Im Bild Andreas Schmidt und seine Frau Rodica mit den Kindern Sebastian und Tobias. Mit im Bild BBV-Kreisbäuerin Evi Derrer (hinten links)
Kren soweit das Auge reicht: Dank der Niederschläge ist der Kren in diesem Jahr gut gediehen. Im Bild Andreas Schmidt und seine Frau Rodica mit den Kindern Sebastian und Tobias. Mit im Bild BBV-Kreisbäuerin Evi Derrer (hinten links)
Foto: Evi Seeger
Biengarten – Der Aischgrund ist Hauptproduzent der gesunden und schmackhaften Meerettichwurzel. Jetzt wird sie aus der Erde geholt.

Für die Gesundheit ist er ein echtes Kraftpaket. Er soll die Immunabwehr stärken, gegen Erkältungen und Kopfschmerzen helfen. Bei Rheuma und Gicht wird er sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet: Meerrettich, der in Franken Kren oder auch Kree genannt wird.

Weil in Franken und speziell im Aischgrund der Schwerpunkt des Anbaus liegt, machte der Bayerische Bauernverband auf seiner „Traktortour“ durch Bayern in Biengarten Station. „Essen aus Bayern“ ist das Motto der Werbekampagne des landwirtschaftlichen Berufsverbands. Die Verbraucher sollen damit auf die große Vielfalt der in Bayern erzeugten Lebensmittel hingewiesen werden. Seit der Corona-Krise würden sich wieder viel mehr Menschen mit der Herkunft ihrer Lebensmittel beschäftigen und regionale Produkte wieder mehr geschätzt, erklärt Ottmar Braun vom BBV-Bezirksverband Mittelfranken.

 

Kren ist beliebt wie nie

Das stellt auch der Familienbetrieb Schmidt in Biengarten fest. Befürchtete Andreas Schmidt zu Beginn der Pandemie noch, die Nachfrage könne sinken, so wurde er eines Besseren belehrt. Der Kren, der auf den Äckern rund um Höchstadt wächst, ist vom Feinsten. Über 100 Jahre werde auf dem Hof Kren angebaut. Seit 300 Jahren sei die Familie unter dem gleichen Namen hier ansässig, erzählt Seniorchef Gerhard Schmidt. Seine Frau Marga gab der Eigenproduktion den Namen: „Margas Kren“ ist auf den Gläsern mit Gemüsemeerrettich oder Tafelmeerrettich zu lesen.

Auf rund 80 Hektar Ackerland werde in Bayern Kren angebaut, informiert Andreas Schmidt. Mit 50 bis 60 Hektar liege „die Hochburg“ des Anbaus im Aischgrund. Die Schmidts sind mit rund fünf Hektar daran beteiligt. 1994 hat Seniorchef Gerhard Schmidt begonnen, den Kren auch auf dem eigenen Hof zu verarbeiten und zu vermarkten. Etwa ein Drittel der Produktion gelangt so an den Verbraucher. Der übrige Kren wird von einem Baiersdorfer Unternehmen abgenommen.

„Der Anbau von Meerrettich ist ganz typisch für unseren Landkreis“, sagt BBV-Kreisobmann Robert Ort. Zusammen mit den Nachbarlandkreisen Forchheim und Neustadt Aisch sei die Region das größte Anbaugebiet in Bayern. Hier gebe es große Verarbeitungsbetriebe aber auch „ganz hervorragende Direktvermarkter“. Dazu zählt auch der Biengartener Betrieb. „Margas Kren“ geht sowohl im eigenen Hof als auch in vielen Bauernläden oder Metzgereien über die Theke. „Groß konserviert wird er nicht“, sagt Andreas Schmidt. Deshalb sei er nur etwa ein halbes Jahr haltbar.

Kreisbäuerin Evi Derrer ist von Kindheit an mit Meerrettich vertraut. Dass sie besonderen Wert auf die kulinarische Seite der scharfen Wurzel legt, dürfen die Besucher gleich selbst testen: Wer möchte noch asiatische Frühlingsrollen, wenn er Derrers „Sommerrollen“ verkostet hat. Gebackene Teigrollen mit einer Füllung aus Tomaten, Zucchini, Kräutern und Meerrettich. Dazu ein Dip von Frischkäse mit Meerrettich – alles aus der Region und einfach köstlich.

„Meerrettich kann man in der Küche einfach für alles einsetzen“, sagt Derrer. Wobei die klassischen Varianten „Tafelspitz mit Kren“ oder „Karpfen blau mit Meerrettich“ die bekanntesten sind. Bei vielen Gerichten könne durch den Zusatz von Kren jede Menge Salz eingespart werden. Vor allem der jungen Generation empfiehlt Derrer, den im Trend liegenden „sündhaft teuren Wasabi“, eine Gewürzpaste aus Asien, durch fränkischen Meerrettich zu ersetzen.

Fast alles Handarbeit

Bei so viel Genuss darf die wirtschaftliche Seite nicht außer Acht gelassen werden. Denn der Kren ist eine sehr arbeitsaufwändige Frucht. „Für einen Hektar Anbaufläche sind 1000 Stunden Arbeitszeit auf dem Acker nötig“, sagt Andreas Schmidt. Mit Maschinen wäre das wohl kaum ein Problem. Aber 80 Prozent davon sind reine Handarbeit.

„Die Ernte geht gehörig ins Kreuz“, sagen alle Familienmitglieder. Ohne die gesamte Familie ginge überhaupt nichts. Die Eltern Marga und Gerhard, die junge Generation Andreas und seine Frau Rodica, Schwester und Bruder samt Familien packen mit an. Dennoch geht bei der Ernte nichts ohne Saisonhelfer. „Die Lohnkosten steigen kontinuierlich“, sagt Gerhard Schmidt. Er befürchtet daher, dass der Kren-Anbau in der Region weiter zurückgeht. BBV-Kreisobmann Ort sieht das ähnlich: „Die Produktion aus Ungarn drängt auf den Markt. Alles andere wird teurer. Die Lebensmittel sind zwar mehr wert, werden in Deutschland aber nicht entsprechend honoriert.“