Sommersonnenwende
Die Jagd nach Reisigbündeln
Johannisfeuer, wie sie derzeit gefeiert werden, locken zahlreiche Menschen an – wie hier bei Hannberg.
Johannisfeuer, wie sie derzeit gefeiert werden, locken zahlreiche Menschen an – wie hier bei Hannberg.
Foto: Manfred Welker
Hannberg – Einst zogen die Buben in der Region von Haus zu Haus, um Material für das Johannisfeuer zu sammeln. Die Geschichte eines Festes.

In diesen Tagen lodern wieder die Johannisfeuer gen Himmel. War dies früher direkt am Patronatsfest Johannes des Täufers, am 24. Juni, so verlegt man sie heutzutage meist auf die Wochenenden drumherum.

Andreas Baumüller und Richard Gumbrecht mit weiteren Kindern beim Sammeln für das Johannisfeuer in Hannberg in den 60er Jahren.
Andreas Baumüller und Richard Gumbrecht mit weiteren Kindern beim Sammeln für das Johannisfeuer in Hannberg in den 60er Jahren.
Foto: Hans Sterzl

Das Johannisfest war ein Höhepunkt in der Mitte des Jahres. Hans Gebhardt hat das Prozedere in Hannberg im Jahr 1926 notiert. Zu seiner Zeit kümmerte sich hier die männliche Schuljugend um die Ausführung. Da der Johannitag kein Feiertag mehr war, wurde dazu der folgende Sonntag verwendet. Am Nachmittag gegen 16 Uhr wurde ein Handwagen requiriert, die kleineren und weniger kecken Bürschlein der Unter- und Mittelklasse mussten ihn ziehen. Die größeren Knaben gingen voraus. Früher waren es nur drei, einer von ihnen trug ein geschmücktes Birkenbäumchen. Die Papierbänder stammten entweder noch von der Erlanger Pfingstkirchweih – also der Bergkirchweih – oder wurden in Kairlindach geholt.

Kinder waren von Hof zu Hof unterwegs

Da die Orte des Seebachgrundes zu klein waren, um alleine das Material für ein richtiges Hannesfeuer zu liefern, wurde an den Vortagen im Wald dürres Holz gesammelt. Dahin ging zuerst der Zug, um das Gesammelte einzufahren. Dann bewegte sich der Trupp von Hof zu Hof. Die vorausgehenden Sammler mit der Birke schrien ihre Heischelieder. Angesichts der großen Vorbilder brüllten die am Wagen zerrenden kleineren Buben kräftig mit. Die Sammlerverse machten zuerst mit dem Zweck der Sammlung bekannt und forderten dann zur Abgabe des Tributs auf. Damit verbunden war eine Drohung bei Verweigerung.

Der freche Sammlervers

In Hannberg lautete der Text:

„Bäuerla, Bäuerla, über’n Grobn!

Holz woll’n mer zammatrog’n!

s’Holz is ja net teier,

Kost ja nur an Dreier!

Bauer häng dein Pudel o,

dass er mich net beiß’n ko!

Beißt er mich, so straf ich dich

um a Bündela Reisich!“

Meist hatten die Hofbewohner den Tribut schon bereitgelegt, ein bis zwei Reisigbündel oder ebenso viele lange Scheite. Nur wenige Bauern im ganzen Grunde verweigerten ihn. Es waren alle Jahre dieselben. Ihnen wurde der Sammelvers besonders kräftig vorgeblökt, damit sie sich grün und blau ärgerten.

Auf einem abgemähten Kleeacker außerhalb des Dorfes wurde das Holz gesammelt und hoch aufgeschichtet. Obendrauf kam das Birkenbäumchen. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde dann der Holzhaufen unter großem Hallo an mehreren Stellen in Brand gesetzt und im ganzen Grund sah man nun die Feuer auflodern.

Der Sprung über das Feuer

Unterdessen hatten sich verschiedene neugierige Erwachsene aus dem Dorf eingefunden. War das Feuer ziemlich abgebrannt, dann versuchten die anwesenden Burschen und Knaben, den rauchenden und glimmenden Haufen zu überspringen. Wer hineintrat, hatte das Gespött aller Anwesenden zu ertragen.

Etwas abweichend davon sind die Aufzeichnungen von Johann Baier, der den Sammelspruch für das Johannisfeuer aus Hesselberg bei Hannberg 1924 niederschrieb. Am Sonntag vor dem Johannitag wurden nachmittags in Hesselberg drei Knaben aus der obersten Schulklasse zur Vorbereitung des Johannisfeuers ausgewählt. Diese drei gingen am Johannitag um 13 Uhr nach Kairlindach, um beim Spezereihändler Rütl farbige Bänder einzukaufen. Damit putzten sie ein am Heimweg abgeschnittenes Birkenbäumchen. In Hesselberg schloss sich ihnen die ganze Schuljugend an. Einer der drei Knaben trug dabei das Bäumchen voraus. Unter Absingen folgenden Sammelspruches ging es von Haus zu Haus:

Der Sammelspruch in Hesselberg

„Geht zam, geht zam! wir sen drei

Knobn;

Wir woll’n a’ Scheitla Holz zamtrogn.

Für unser ganzes Feuerlein,

So gebt uns auch ein Steuerlein.

Hoch, hoch Nikolaus!

Werf’ die Stu’m zum Fenster naus!

Holz raus! Holz raus!

Oder mir schlong a Loch in’s Haus!

Niemand is’ do drinna,

Ober die Holzecken wer’n mer finna.

Holz raus! Holz raus!

Oder mir schlong a Loch in’s Haus!

Sen mer übers Gärtla ganga,

Es Gärtla is’ verschlossen,

Der Schlüssel is’ zerbrochen;

Wenn soll mer wieder kumma?

Wenn’s Korn tief ist,

Wenn die Milch süß ist,

Wenn die Mukeli tanzen,

To mer alla pflanzen.

Bauer häng dein Budl o,

Daß er mi net beißen ko;

Beißt er mi, so straf ich di

Umra Bindela Reisi,

Auf dein Budl sch... i.“

Jeder Hausbesitzer gab dann wenigstens ein Bündel Reisig. Kaum einer versagte diese Gabe, denn wer es verweigerte, dem wurden zwei gestohlen. Abends um 21 Uhr wurde dann unter großem Jubel das Feuer abgebrannt. Das Feuer markierte den Wendepunkt bei der Tageslänge, es ging nunmehr – zwar langsam, aber stetig – rückwärts.

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