Stadtschreiber
269 Seiten Herzogenauracher Vergangenheit
Auch das 1970 abgerissene malerische Schießhaus hat seine Geschichte im neuen Stadtschreiber.
Auch das 1970 abgerissene malerische Schießhaus hat seine Geschichte im neuen Stadtschreiber.
Foto: Archiv
Herzogenaurach – Der Heimatverein stellt seine neue Veröffentlichung vor. Der zwölfte Stadtschreiber hält wieder jede Menge Anekdoten bereit.

Wer erinnert sich noch an den Kolonialwarenladen in der Hauptstraße gegenüber dem Fehnturm, der bis 1978 im „Haus im Graben“ geöffnet hatte ? Wer kennt noch Richard Tille, der im letzten Jahr am Tag vor Silvester einhundert Jahre alt geworden wäre? Und wer vermisst sie nicht, die Veranstaltungen des Heimatvereins, die 2019 noch rege besucht waren und ein Jahr darauf, wegen der Corona-Pandemie, nur noch vereinzelt stattfinden durften?

Der Stadtschreiber passt in jedes Regal.
Der Stadtschreiber passt in jedes Regal.
Foto: Bernhard Panzer

Über all das und noch viel weitere Geschichten und Episoden aus Herzogenaurach berichtet der neue Stadtschreiber des Heimatvereins. Es ist das zwölfte Büchlein der beliebten Reihe, die 1997 ihren Anfang nahm. Auch diesmal sind wieder zwei Jahre zusammengefasst worden, 2019 und 2020, mehr als siebzig Kapitel laden auf 269 Seiten zum Schmökern ein.

Das erste offizielle Exemplar erhielt traditionsgemäß der Herzogenauracher Bürgermeister. German Hacker versprach bei der Übergabe im Interimsrathaus, „dass der Stadtschreiber natürlich Einzug in unser Archiv findet“. Um zukünftigen Generationen einen Einblick zu geben. Manfred Welker, einer der beiden Autoren der Geschichten, bekräftigte die Bedeutung solcher Schriften: „Wenn wir das nicht irgendwo festhalten, wird sich später kaum jemand mehr erinnern.“

Die Autoren Klaus-Peter Gäbelein (links) und Manfred Welker (rechts) besuchten gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Christian Kindler und Herbert Dummer Bürgermeister German Hacker.
Die Autoren Klaus-Peter Gäbelein (links) und Manfred Welker (rechts) besuchten gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Christian Kindler und Herbert Dummer Bürgermeister German Hacker.
Foto: Bernhard Panzer

Zweiter Autor ist Klaus-Peter Gäbelein, das Urgestein des Vereins. Er hat zu seinen Geschichten auch ein paar Mundartstücke hinzugefügt, die unter dem Titel „Do dud dä fei deä Oäsch weh!“ seit vielen Jahren im FT erscheint, insgesamt schon 300 Mal.

Die rund 750 Mitglieder des Vereins erhalten den Stadtschreiber kostenlos, er ist quasi durch den Jahresbeitrag von 20 Euro abgedeckt, wie Gäbelein feststellte. Weitere Exemplare können bei Bücher, Medien & mehr sowie Schreibwaren Ellwanger käuflich erworben werden. Die Auflage beträgt tausend Stück. Wichtig ist es für den Verein, wie betont wurde, dass man wieder ein Büchlein mit Niveau geschaffen habe. Denn es käme nie in Frage, in eine Werbeschrift abzugleiten, wie Gäbelein feststellte.

Der Schusterbrunnen ist mit dem Heimatverein eng verbunden.
Der Schusterbrunnen ist mit dem Heimatverein eng verbunden.
Foto: Bernhard Panzer

Zwölf Apostel, zwölf Stämme Israel, zwölf Monate im Jahr und zwölf Sternzeichen - die Zahl zwölf sei eine symbolische Zahl für die Vollkommenheit, heißt es im Vorwort der neuen Ausgabe, verfasst durch die drei Vorsitzenden Herbert Dummer, Stephan Wirth und Christian Kindler. Und jetzt sind es zwölf Stadtschreiber, die der Heimatverein seit 1997 bereits anbietet. „Eine Vollkommenheit beanspruchen unsere Autoren nicht“, wird weiter erläutert, „aber sie haben versucht, zum Teil fast Vergessenes und auch Gegenwärtiges schlaglichtartig in Text und Bild festzuhalten und damit weiterzugeben.“

Folgendes sei wichtig für den Verein und seine Mitglieder, wie Erster Vorsitzender Herbert Dummer betonte: „Altes bewahren, Gegenwärtiges mitgestalten und für die Zukunft planen.“

150 Jahre Kolping, 100 Jahre Baugenossenschaft Eintracht, 25 Jahre Ottokirche – unter anderem auf diese drei Jubiläen geht Manfred Welker in seinen Geschichten ein. Er unternimmt einen Streifzug ins Waldkrankenhaus nach Obermembach, macht einen Abstecher auf die Sommerkirchweih und in die „Fosernacht“ von früher. Aktueller Beitrag: Das Fronleichnamsfest in Herzogenaurach in Coronazeiten 2020.“

Als das Schießhaus fiel

Auch Klaus-Peter Gäbelein hat es die Geschichte angetan. Er springt in das Herzogenaurach vor 100 Jahren und zaubert Skurriles aus dem Amtsblatt der gleichen Zeit hervor. Er zeigt auf, wie die Pest an der Aurach wütete, berichtet von Wohnungsnot und Schwarzmarkt und von den Frolleins auf der Herzo Base. Aber auch das malerische Schießhaus an der Aurach, das vor 50 Jahren abgerissen wurde, ist ihm einen Ausflug wert.

Gäbelein beleuchtet als langjähriger Vorsitzender auch das gesellige Vereinsleben und die Vorträge, sofern sie denn in der Coronazeit stattfinden konnten. Und dann gibt es noch einen Blick auf Persönlichkeiten, die den beiden Autoren Berichte wert waren. Der Abschied des Geistlichen Jean Desire Sawadogo aus Herzogenaurach zum Beispiel, oder das 25-jährige Bühnenjubiläum der Musikerin Emmi Weiß, ebenso der 90. Geburtstag des Heimatfreunds und Buchautors Fritz Spieß und der 70. Geburtstag von Helmut Fischer, Herzogenauracher mit Leib und Seele und Puma-Urgestein, ohne den der Heimatverein nicht denkbar wäre.

Und dann ist da noch eine Erinnerung an Bürgermeister Hans Ort (1970 bis 1990 im Amt). Das heute amtierende Stadtoberhaupt German Hacker hat im aktuellen Stadtschreiber (noch) keine eigene Geschichte bekommen. Aber Christian Kindler „tröstete“ ihn: „Sie kommen auch ein paar Mal vor“.