Lokalgeschichte
Als der Bombenhagel immer näher kam
Die Gefallenentafel in der Krypta der Marienkapelle
Die Gefallenentafel in der Krypta der Marienkapelle
Foto: Manfred Welker
Herzogenaurach – Der Überfall 1941 auf die Sowjetunion führte zu vielen Opfern auf beiden Seiten, auch aus Herzogenaurach. Bombenalarm war bald an der Tagesordnung.

Mit dem Überfall des Deutschen Reiches vor 80 Jahren auf die Sowjetunion, am 22. Juni 1941, besiegelte das nationalsozialistische Regime seinen Untergang. Vor allem gab es viele Opfer auf beiden Seiten. Der erste Gefallene dieses neuen Abschnitts des Krieges aus Herzogenaurach war Paul Kaltenhäuser, der am 10. Juli 1941 bei Sterozogra in Rußland sein Leben ließ.

Die ersten verwundeten Soldaten trafen am 17. September 1941 im Reservelazarett des Liebfrauenhauses ein. 40 russische Kriegsgefangene wurden durch die Verwaltung des Fliegerhorsts bei den Wiederherstellungsarbeiten an den durch das Hochwasser beschädigten Eisenbahngleisen eingesetzt. Weitere 20 russische Kriegsgefangene wurden von der Stadtverwaltung zur Behebung der Hochwasserschäden in der Nutzung ab dem 25. September 1941 eingesetzt.

Vom Wachposten erschossen

Einer dieser russischen Kriegsgefangenen wurde am 3. Oktober 1941 von einem Wachtposten am Bahngleis erschossen, als er aus einem Acker eine Rübe ziehen wollte. Vier weitere russische Kriegsgefangene sind in Herzogenaurach verstorben.

Zu Beginn schien es für die deutsche Wehrmacht, trotz Verlusten, nur ein Vorwärts zu geben. Oberfeldwebel Edmund Wagner, zuvor wohnhaft in der Erlangerstraße 2, war als Flugzeugführer im 9./ Jagdgeschwader 51 „Mölders“ am 17. November 1941 an der Ostfront bei Pawmutkowka abgeschossen worden. Nachträglich wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Todesanzeige Familie Schühlein
Todesanzeige Familie Schühlein
Foto: Repro: Welker

Dass der Krieg sich allmählich auch in der Heimat bemerkbar machte, ist daran zu ersehen, dass am 8. August 1942 durch Dr. Krebs vom Landratsamt Höchstadt/Aisch die Heranziehung der Bevölkerung zum Selbstschutz (Luftschutz) angeordnet wurde. Denn es häuften sich die Luftangriffe auf das Deutsche Reich. Alle Personen im Landkreis im Alter zwischen 15 und 70 Jahren konnten dazu herangezogen werden. Die Einteilung und den Einsatz der Kräfte bestimmten die Bürgermeister in eigener Verantwortung. Ausgenommen waren Kranke, Gebrechliche und Schwangere, Wehrmachtsangehörige, Angehörige des Öffentlichen Dienstes sowie Hoheitsträger der NSDAP.

Der erste Fliegeralarm

Am 29. August 1942 ertönte der erste Fliegeralarm in Herzogenaurach. Michael Kuhn notierte in seiner Chronik: „Am 29. Aug. 1942 früh 1 Uhr flogen englische Flieger über Süddeutschland. Wir wachten vom Schlag auf, horchten eine Zeitlang zu, dann heulte die Sirene, welche in unserm Rathaus angebracht ist, ihren Klageton. Sofort standen wir auf, zogen Kleider an und harrten der Dinge, die da kommen werden.“ Die Bewohner konnten die Motoren der Flieger hören, wie sie ihr Ziel Nürnberg ansteuerten.

Bomben fielen auch auf die Siedlung in Buckenhof, wo es vier Tote gab. In Herzogenaurach versammelten sich die Mitglieder der Feuerwehr am Marktplatz, um für den Einsatz gerüstet zu sein. Von nun an nahmen die Luftalarme zu, gegen Ende des Krieges ertönte die Sirene nahezu täglich.

Wendepunkt des Krieges

Einen Wendepunkt des Krieges stellt die Niederlage von Stalingrad in Russland dar. In Stalingrad gefallen sind die Herzogenauracher Paul Scholz und Baptist Schuster, dazu kommen noch als Vermisste Rupert Schwab, Johann Kräck, Andreas Kern, Philip Kummert, Franz Sieber, Johann Eichner und Josef Straub.

Ärmelbinde des Volkssturms
Ärmelbinde des Volkssturms
Foto: Manfred Welker

Bereits am 9. Februar 1942 war durch Dr. Krebs vom Landratsamt die Abnahme der Kirchenglocken angeordnet worden. Aus dem kupferhaltigen Metall sollten Geschosshülsen hergestellt werden. Es dauerte für Herzogenaurach aber noch fast ein Jahr. Am Montag, 25. Januar 1943, läuteten mittags um 12.30 Uhr die Glocken der Stadtpfarrkirche zum letzten Mal für eine halbe Stunde, bevor sie vom Turm abgenommen und zur Reichsmetallsammlung abgeliefert wurden. Auch die letzte Glocke des Liebfrauenhauses ging diesen Weg. Ein Tag der Trauer war es auch, als Bambergs Erzbischof Jakobus von Hauck am 20. Januar 1943 verstarb, er war am 4. Juli 1912 zum Ehrenbürger der Stadt Herzogenaurach ernannt worden.

Im Rang eines Obersten

Im Rang eines Obersten verstarb Michael Bauer („Kronawirts-Michl“) am 15. Februar 1943 in einem Feldlazarett im Osten an seinen Verwundungen. Geboren wurde er am 24. November 1895 als Sohn des Landwirts Christoph Bauer („Krone“). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Erlangen trat er im April 1914 beim 6. Bayerischen Infanterie Regiment in Amberg ein, mit dem er im August 1914 ins Feld einrückte. Von März bis Juli 1919 war er im Freikorps Epp, danach als Bankbeamter in München tätig. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war Michael Bauer Führer im Arbeitsdienst, wurde im Juni 1935 als Hauptmann in die Wehrmacht übernommen und im November 1939 zum Major befördert. Ausgezeichnet wurde er mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz

Aus Sicherheitsgründen wurde am 18. Februar 1943 ein Teil des Herzogenauracher Stadtarchivs in das Weisendorfer Schloss verbracht.

Sprengbomben

In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1943 warfen Feindflieger in größerer Anzahl Sprengbomben in der Umgebung ab, so im Dohnwald in der Nähe des Lerchenhügels. Ein englisches Flugzeug stürzte mit seiner achtköpfigen Besatzung zwischen Reuth und Weisendorf ab. Die Mannschaft wurde am Sonntag, 28. Februar 1943, im Herzogenauracher Friedhof beigesetzt.

Mitten im Krieg wechselte der Herzogenauracher Stadtpfarrer Franz Rathgeber an die Pfarrstelle der Nürnberger Frauenkirche. Die Verabschiedung in Herzogenaurach war am 27. September 1942. Als Nachfolger trat Leonhard Ritter am 1. Oktober 1943 seinen Dienst in Herzogenaurach an. Die Installation war am 11. Oktober 1942.

Feindflieger zeigten sich am 17. April 1943 über der Stadt und gaben einige Maschinengewehrsalven ab. In der Gegend des Fliegerhorstes wurden Lebensmittelmarken und Urlaubermarken abgeworfen, bei Niederndorf Flugblätter in englischer Sprache, außerdem bei Neuses einige Sprengbomben.

Da der Herzogenauracher Bürgermeister Karl Körner am 29. April 1943 zum Heer einberufen wurde, übernahm der 1. Beigeordnete August Wirth seine Vertretung. Für die Herzogenauracher wurde am 9. Mai 1943 der Wasserverbrauch aus den Wasserleitungen rationiert. Verboten waren das Gartengießen und das Sprengen der Straßen mit Wasser aus der städtischen Wasserleitung.

Die Kriegsgefangenen

In ein ziviles Arbeitsverhältnis wurden die französischen Kriegsgefangenen in Herzogenaurach am 28. Juni 1943 übernommen. Sie ersetzten hauptsächlich mit den polnischen Kriegsgefangenen die Männer, die bei Heer, Marine und Luftwaffe ihren Dienst taten. (Teil 1 von 2)