Andy Kraus wäre 100
Eines der letzten Herzogenauracher Originale
Immer zu Scherzen aufgelegt: Dauerläufer und Alleinunterhalter: Andy Kraus.  
Immer zu Scherzen aufgelegt: Dauerläufer und Alleinunterhalter: Andy Kraus.  
Foto: Helmut Fischer
Herzogenaurach – Der Herzogenauracher Alleinunterhalter Andy Kraus wäre heute 100 Jahre alt geworden. Seine Texte fielen ihm oft beim Wandern nach Obermembach ein.

Die Erde hat er kilometermäßig ein paar Mal umrundet - auf Schusters Rappen. Dabei hat er unzählige Schuhe verschlissen. Wind und Wetter konnten ihm nichts anhaben. Das Laufen und Wandern war die große Leidenschaft von Andreas "Andy" Kraus. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Außerdem war und wird er für immer ein Herzogenauracher Original bleiben, von denen es leider nur noch ganz wenige gibt.

Sein Vater, ein alteingesessener Herzogenauracher und gelernter Schuster, kam auf seinen Wanderjahren auch nach Italien, lernte dort seine Frau kennen und lieben und brachte sie mit nach Herzogenaurach. Nicht nur deshalb war eines der Lieblingslieder von Andy: "Ich bin ein kleiner Italiano und komme aus dem Lande der Kastanio ...". Seine Kinder- und Jugendzeit verlebte er am berühmt berüchtigten "Herrnbuch" (Hirtenbuck).

Leidenschaftlicher Fußballer

Mit 14 Jahren bereits musste er in der Schuhfabrik Schürr in der Erlanger Straße seinen Lebensunterhalt bestreiten. Er arbeitete bis zum Konkurs der Schuhfabrik im Jahre 1967 in dieser "Schuhbud'n", wie er immer zu sagen pflegte. Von 1939 bis 1945 war er Soldat und wurde mehrfach verwundet. Ab 1968 verdiente er bis zum Rentenalter bei der Firma Schaeffler seine Brötchen. In seiner Freizeit spielte er leidenschaftlich Fußball beim ASV, FCH und zuletzt beim SC Nord.

Trotz einer Kriegsverletzung an der Hand brachte er sich selbst das Spielen auf einer alten steirischen Harmonika bei. Bald ging er dann auf die Wanderschaft, die meist in Richtung Birkenbühl führte. Hier fielen ihm viele Liedtexte ein, die er hinterher niederschrieb. Der leidenschaftliche "Memba-Gänger" fühlte sich im "Waldkrankenhaus", dem berühmten Gasthaus in Obermembach, bei Rina und Reser Gumbrecht wie zu Hause. Die legendären "Schleiferauftritte", meist zusammen mit seinem Nachbarn und Freund Josef (Sepp) Sendner, waren oft der Höhepunkt vieler Kappenabende im Nebenzimmer der alten Wirtschaft.

Bis zu 30 Kilometer täglich

Nach dem frühen Tod seiner Frau Ilse war er jeden Tag in Wald und Flur unterwegs. Bis zu 30 Kilometer täglich schaffte er und dabei sammelte er im Herbst Unmengen von Pilzen und im Frühjahr den wilden Feldsalat (Rapunzelsalat ) für die Familie und Freunde. Von 1996 bis 2007 begleitete er jährlich die Dettelbacher Fußwallfahrer auf ihrer 85 Kilometer langen Wallfahrt nach Dettelbach am Main. Wenn andere bereits am Ende ihrer Kräfte waren, unterhielt er diese in den Pausen mit seinen Liedern. Müdigkeit, nein, die kannte der damals schon über 80-jährige Andy nicht.

Unvergessen seine besten Liedtexte. Wallfahrerlied: "Den Rucksack voller Sünden ziehn wir nach Dettelbach hinauf." Für seine Enkel: "Der beste Opa von Europa." Sein Lieblingslied: "Der kleine Italiano." Das wichtigste Lied aber war sein "Memba-Lied" vom Waldläufer: "A Waldleifer, des mussd scho sei, sunnst darfsd du net nach Memba nei ..."

Ein unerfüllter Wunsch

Natürlich steckte sich der "Reser" auch noch andere Ziele: 100 Kilometer an einem Stück absolvierte er einmal zusammen mit seinem Sohn Harry. Auch bei den "Gößweinsteiner Wanderern" (nicht Wallfahrern) war er oft dabei. Da brach auch einmal der Ehrgeiz durch, wer am schnellsten das Ortsschild passierte. Früh um 3.30 Uhr ging es auf die über 50 Kilometer lange Strecke, wobei natürlich auch ein paar Mal eingekehrt wurde. Einen Wunsch konnte er sich zu seinem Leidwesen nicht erfüllen: Er wollte einmal Deutschland von Norden nach Süden durchlaufen. Auf der Suche nach Mitstreitern hatte er jedoch keinen Erfolg.

Am 16. März 2009 trat Andy Kraus im Alter von 88 Jahren seine letzte Wanderung in die Ewigkeit an: "Danke und vergelt's Gott, lieber Andy, für die vielen unvergesslichen Stunden mit dir", sagen diejenigen, die ihn kannten.