Kultur-Comeback
Endlich wieder Theaterluft!
Nach langer Zwangspause aufgrund der Pandemie war Stefan Kügel froh, in der Kulturfabrik wieder spielen zu können.
Nach langer Zwangspause aufgrund der Pandemie war Stefan Kügel froh, in der Kulturfabrik wieder spielen zu können.
Foto: Johanna Blum
Höchstadt a. d. Aisch – Sinkende Coronazahlen: Das Theater Kuckucksheim startete am Freitag mit einer ersten Vorstellung in der Fortuna Kulturfabrik in die Theatersaison.

Die Kerwa is kumma… Wie lange wurde das nicht mehr gesungen! Seit über einem Jahr keine Kerwa, nur wenige Freiluftveranstaltungen, kein Konzert- und kein Theaterbesuch. Endlich öffnete am vergangenen Freitagabend die Fortuna Kulturfabrik ihre Pforten. Wo sonst 300 Menschen dicht gedrängt sitzen, waren es diesmal knapp 70 Personen, die zu Stefan Kügels Stück „Die Fichtn im Weiher odder Vier Tempramente in voller Fahrt“ kamen.

Endlich wieder Kultur

„Wir wollten einfach wieder mal Theaterluft schnuppern und wieder originales Theater erleben“, verriet ein Ehepaar. „Das ist einfach super, klasse! Wir haben sofort Karten gebucht und wir sind ganz aufgeregt, fast mehr als der Schauspieler. Das ist fantastisch, großartig, besser geht’s nicht“, finden zwei Besucher aus Erlangen.

Kerwa in der Fortuna

Das Spiel beginnt mit dem Kerwa-Michel, dem imposanten Erzähler und Kerwamusikanten, der in Reimen spricht und schon so manches „starke Stückla“ erlebt hat in seinem Leben. An diesem Abend kommt er mit der aberwitzigen Geschichte von den vier Kerlen daher, die während der Dorfkirchweih in Schlehenbach nachts die „Kerwafichtn“ bewachen. Das Komische ist bloß: Sie hocken auf einem Floß mitten im Dorfweiher, und dort steht auch ihr stolzer „Kerwabaam“!

Der Grund: Im Jahr zuvor wurde die Fichte von bösen Burschen aus dem Nachbardorf brutal geschändet, und das soll ihnen dieses Jahr nicht noch einmal passieren, und darum gibt es heuer eine Nachtwache. Es kommt aber diesmal noch viel ungeheuerlicher. Eine Sturzflut mit Wolkenbruch und stundenlangen Regengüssen setzt alles unter Wasser und das Floß treibt plötzlich ziellos auf hoher See. Unfreiwillig zusammengewürfelt müssen die vier Kerle nun irgendwie miteinander überleben. Das Dumme ist nur, dass jeder völlig anders ist als die anderen drei.

Da ist der Koller, dem bei jeder Kleinigkeit gleich der Kragen platzt. Ganz im Gegensatz zum dicken und gemütlichen Fleggo, den so schnell nichts aus seiner wohlgenährten Ruhe bringen kann. Anders als Muli, der immer alles schwarz sieht, von zahllosen Krankheiten verfolgt wird und permanent grübelt und zweifelt. Dagegen ist Sanga ein fröhlicher, sprunghafter Scherzbold, der immer gut drauf ist und mit lustigen Kerwaliedli das Geschehen auf die Schippe nimmt, auch wenn er den anderen damit gehörig auf den Wecker fällt.

So hocken sich die vier Kerle verdammt eng auf der Pelle und es gibt Sprengstoff genug für Stimmungswechsel und Zoff. Bis der Proviant ausgeht und das Bierfass leer ist. Jetzt heißt es miteinander auskommen – anpacken und handeln! Aber was tun?

In der Pause schwärmen wieder einige Besucher: „Wir freuen uns total, dass Kultur wieder stattfindet. Das haben wir einfach vermisst und es ist wie ein kleiner Schritt zurück ins normale Leben.“

„Ausgehungert nach Applaus“

Auch Stefan Kügel, der das ausgefeilte Hygienekonzept zu Beginn erläutert und das Lüftungssystem erklärt, verrät, „dass wir ausgehungert nach Applaus sind.“ Und begeisterten Applaus gab es mächtig am Ende, als die vier Fichtenwächter nach Hause gerudert waren. Nur der Baum war leider weg.

„Die Grundidee zu diesem Stück war von mir, nämlich vier Temperamente in einer Extremsituation im Fränkischen bei einer Kerwa anzusiedeln“, erzählt Kügel in der Pause. Autor Helmut Haberkamm schrieb dann die Texte dazu. „Auf einem Floß zu viert gibt es kein Ausweichen mehr, und man muss mit sich zurechtkommen“ , erklärt Kügel. Das könne man aufs Leben übertragen und besser mit Humor als mit Moral interpretieren, findet der vielseitige Schauspieler. „Wemmer zammhaltn, dann kumma mer hamm!“ Das ist eine gute Erkenntnis der vier grundverschiedenen Kerle.

Weitere Aufführungen folgen

Wer Lust auf mehr vom Theater Kuckucksheim hat: Am Mittwochabend ist im Hof der Fortuna die Premiere von „Geborn um wild zu sei“. Die Karten für Mittwoch sind zwar schon ausverkauft, aber es folgen weitere Aufführungen.