Jazz nach dem Lockdown
Lizenz zum coolen Spiel
Charly Antolini ist der Stargast beim Höchstadter Jazzfestival, das Anfang Oktober steigen soll.
Charly Antolini ist der Stargast beim Höchstadter Jazzfestival, das Anfang Oktober steigen soll.
Foto: Archiv
Höchstadt a. d. Aisch – Das erste Jazz-Konzert nach der Corona-Pause konnte mehr Gäste beglücken, als vor Corona – wegen der Verlegung aus dem Schlossgewölbe ins Freie.

Es schlich sich langsam ein. Einige gehauchte Töne auf dem Altsaxophon, einige zunächst eher zaghaft geschlagene Akkorde auf der E-Gitarre, doch dann: Mit Macht usurpierte am Freitagabend das jedem geläufige musikalische Motiv den Platz vor der Fortuna-Kulturfabrik. Komponiert von Monty Norman und John Barry für den Film „James Bond – 007 jagt Dr. No“, durchzieht das „James Bond Theme“ alle Folgen der populären Agentenserie bis heute, wer auch immer die Titelrolle spielt.

James Bond im Jazz-Format

Das inspirierte das Pure Desmond Quartett zu der originellen Idee, die zum Teil großorchestralen Arrangements der James-Bond-Soundtracks herunterzubrechen auf den Purismus einer Jazz-Viererformation mit Saxophon, E-Gitarre und einer Rhythmusgruppe. Und die vier Vollblutmusiker und Vollprofis haben das hervorragend gemacht! Genau das Richtige nach der langen Corona-Pause, hatte sich Veranstalterin Ariane Ranger gedacht. Und sie hatte recht, wie 160 Zuhörer bewiesen – doppelt so viele, wie ins Schlossgewölbe passen, den gewohnten Konzertsaal für die Jazz!3-Reihe.

James-Bond-Songs vor der Fortuna: (v. l.) Johann Weiß, Lorenz Hargassner, Sebastian Deufel, Christian Flohr
James-Bond-Songs vor der Fortuna: (v. l.) Johann Weiß, Lorenz Hargassner, Sebastian Deufel, Christian Flohr
Foto: Rudolf Görtler

Es war ein Abend mit Feel-Good-Musik nach einigen sehr anspruchsvollen und auch anstrengenden Konzerten im Gewölbe. Jedoch war keineswegs Triviales zu hören. Was Lorenz Hargassner am Altsaxophon, Johann Weiß an der Gitarre, Christian Flohr am Bass und Sebastian Deufel am Schlagzeug boten, war Cool Jazz vom Feinsten. Worauf schon der Name des Quartetts deutet: Paul Desmond gilt als einer der Hauptrepräsentanten dieser Stilrichtung in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, einer Richtung, die den wilden Bebop quasi zivilisierte und mit „europäischen“ Kompositionsstilen versöhnte.

Präzise und handwerklich perfekt

So interpretierten die Vier handwerklich perfekt und präzise Songs wie „From Russia With Love“ bis ganz neu Billie Eilishs „No Time To Die“, eines der schönsten, weil rhythmisch und harmonisch abwechslungsreichsten Stücke des Konzerts. Immer mit wechselnden Soli von Altsaxophon, das auch meist das Thema vorgab, und stets leicht verhallter E-Gitarre. Die bediente mit Johann Weiß ein Könner, der seine musikalischen Fühler weit über die Jazz-Grenzen streckte, auch Rock- und Blues-Anklänge einfließen ließ und sein Instrument mitunter auch perkussiv traktierte. Mindestens gleichrangig Lorenz Hargassner, der die Motive traumwandlerisch sicher anspielte, bei den Improvisationen mal sein Instrument behauchte, mal energischer loslegte, immer ökonomisch die Strukturen der meist kurzen Songs füllte.

Aufnahmen im Flugzeug

Originellerweise haben die Vier einige Stücke in einem Militärflugzeug aufgenommen wie „Die Another Day“, für dessen obstinaten Rhythmus Bassist Christian Flohr und Schlagzeuger Sebastian Deufel sorgten, die unaufgeregt und präzise das Fundament legten für die beiden Solisten. Viel geriet balladesk, nach der Pause spielte das seit 2002 existierende Quartett dann auch Stücke fernab vom Bond-Kosmos. Jimmy Giuffres „Gotta Dance“ gehörte dazu mit feinem Saxophon-Solo oder „Audrey Go Lightly“. Und dass das Quartett in der Zugabe Paul Desmonds „Take Five“ spielte, einen Titel, den jeder kennt, der sonst nichts vom Jazz kennt, war Ehrensache. Ein schöner Abend mit überraschend guter Akustik auf dem Fortuna-Platz.

Jazzfestival an der Aisch

Fürs Gelingen halfen auch Bernd Riehlein und sein Team kräftig mit. Sie werden wohl auch im Oktober anpacken müssen, denn große Dinge kündigen sich an: Im Herbst veranstaltet Ariane Ranger das erste Höchstadter „Jazzfestival an der Aisch“. Von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. Oktober wird die Fortuna-Kulturfabrik im Takt der Synkopen vibrieren. Stargast ist der 84-jährige Schlagzeuger Charly Antolini, der einem breiten Publikum durch ein so genanntes „Boxenkiller“-Direktschnitt-Album bekannt geworden ist. Diverse Genres vom Jazzrock bis zur Weltmusik beherrscht der Altmeister, der beim Festival Teil eines Quintetts ist. Aber auch der Höchstadter Florian Höfner und sein Trio, das hier auch schon bekannte Lutz Häfner Quintett und das Thoma Linss Collective mit der Sängerin Yara Linss lassen Großes erwarten.

Festival: Jazz an der Aisch

Wo Fortuna-Kulturfabrik, Höchstadt

Wann 8. bis 10. Oktober 2021

Was Freitag, 8. Oktober, 20 Uhr, Florian Hoefner Trio. Samstag, 9. Oktober, 19 Uhr, Lutz Haefner Quintett; 21 Uhr Charly Antolini Quintett

Wie Karten unter www.fortuna-kulturfabrik.de. Vorläufig ist das Kontingent wegen Corona-Einschränkungen beschränkt. Die Veranstalterin ist jedoch zuversichtlich, dass sich das bis zum Herbst noch ändert.