Rückblick
Tischtennis in Herzo: Ruhmreiche Sportgeschichte
Emil Summa ist ein Pionier der TSH/BSG Herzogenaurach.
Emil Summa ist ein Pionier der TSH/BSG Herzogenaurach.
Foto: Leo Hildel
Herzogenaurach – Der Tischtennissport in Herzogenaurach blickt auf 75 erfolgreiche Jahre zurück. Emil Summa öffnet sein Archiv.

Wenn vom 1. FC Herzogenaurach die Rede ist, dann denken die Sportbegeisterten der Aurachstadt sofort an die glorreichen Fußballzeiten der 1960/70er Jahre, in denen der Verein sogar den Aufstieg in die damals dritthöchste Spielklasse, die Bayernliga, schaffte. Tausende von Zuschauern begeisterten sich an der Spielkunst der Kicker, die auch dank der Unterstützung von Puma dieses hohe Niveau erreichten und längere Zeit halten konnten.

Was viele Sportfreunde aber nicht wissen, ist, dass schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs andere „Ballvirtuosen“ im Verein die Fans in ihren Bann zogen und in Scharen anlockten. Die Rede ist von den Zelluloidkünstlern, die an der Tischtennisplatte ein hohes Niveau demonstrierten. Vor 75 Jahren, im September 1946, begann alles, erinnert sich der heute fast 91-jährige, noch immer rüstige Emil Summa, der später vor allem die Ära der BSG Schaeffler prägte.

Fotos aus glorreichen Zeiten

Als „lebenslang dem Tischtennissport Verschriebener“, der im Erlanger Wohnstift Rathsberg seinen Lebensabend verbringt, durchforstete Summa sein umfangreiches Archiv und präsentierte es den Journalisten. Ins Auge stachen vor allem die Schwarz-Weiß-Fotos aus glorreichen Zeiten, auf denen die Heroen der ersten Stunde in Aktion zu sehen sind, meist im Saal des Volkshauses an der Würzburger Straße, das heute nur noch den älteren Einheimischen ein Begriff ist.

Im September 1946 wurde bei einer Versammlung in der damaligen Gaststätte Heubeck an der Ecke Hintere Gasse/Engelgasse „die zehn Jahre lang sehr erfolgreiche und ruhmreiche TT-Abteilung des 1. FC Herzogenaurach gegründet“, verrät Summa. Ein Jahr später beschloss man im Gasthaus „Steigerwald“ (einst ebenfalls in der Engelgasse), sich dem bayerischen Tischtennisverband anzuschließen. Jahr für Jahr ging es von nun an sportlich aufwärts, ehe nach zehn Jahren die Mitgliedschaft im FCH aus rein wirtschaftlichen Gründen beendet wurde.

Höhepunkte dieser kurzen Erfolgsgeschichte waren 1950 der Aufstieg in die nordbayerische Oberliga und das bayerische Pokalendspiel gegen den amtierenden Deutschen Meister MTV München im überfüllten Volkshaussaal, das nach großem Kampf mit 4:5 verloren ging. Erwin Zenger und Rudi Domansky zählten zur bayerischen Spitzenklasse. Andere Namen waren Helmut Fischer, Josef Zenger, Kilian Kundmüller, Fred Broutschek, Horst Huke, der spätere Rektor, und H. Strobach. Nach der Auflösung wanderten gute Leute wie Rudi Domansky, Sepp Welker, Horst Müller und Erwin Zenger ab. Einige von ihnen schlossen sich dem aufstrebenden TTC Höchstadt an.

Schaeffler-Brüder als Förderer

Das Erbe dieser großen Ära trat 1956 die Betriebssportgemeinschaft Schaeffler an. Der erste Leiter der Lehrwerkstatt, Toni Schmitt, der im Gasthaus „Steigerwald“ aufwuchs, war dort, wo ebenfalls Tischtenniswettkämpfe ausgetragen wurden, mit diesem Sport in Kontakt gekommen. Bei Schaeffler bot er den jungen Lehrlingen zum Ausgleich für die berufliche Tätigkeit Sportarten wie Gymnastik, Leichtathletik und Fußball an, und schließlich auch Tischtennis. Die Gebrüder Wilhelm und Georg Schaeffler waren große Förderer.

1958 schloss sich die BSG Schaeffler dem FC Herzogenaurach an. In der Sparte Tischtennis startete man mit je einer Herren- und Damenmannschaft in die Punktspielrunde 1959/60. Bis 1964 spielte man in der Kreisliga, wobei die BSG zwischenzeitlich auch wieder von der Rückkehr von Reinhold Ziegler profitierte, der eine große Verstärkung war.

In diesem Jahr kam der aus Schwarzenfeld/Saale bei Hof stammende Emil Summa aus Essen zurück nach Franken. Nach Germanistik- und Anglistikstudium war er in der Fachbibliothek des Großkonzerns Krupp beschäftigt. Durch Zufall bekam er einen Posten bei Schaeffler. „Auch hier war ich für Dokumentation und Literatur verantwortlich, ebenso für die Werkszeitung ,Werk und Leben‘. Und ich stieg sofort bei der BSG ein.“

Der Zuspruch, den die Sportart Tischtennis in den folgenden Jahren hier fand, war nicht zuletzt mit dem Namen Emil Summa verbunden, der sowohl als Aktiver als auch als Funktionär Akzente setzte. Nicht nur bei den Herren, sondern auch bei den Damen und dem Nachwuchs ging es stetig aufwärts.

Sparte der TSH 1861

Die Erfolgsgeschichte riss nicht ab, als im Sommer 1970 eine neue Ära für die BSG begann: Die Ballsportarten (außer Fußball) schlossen sich der Turnerschaft 1861 an, wo sie heute noch angesiedelt sind. Die Schlagzeile 1988/89 lautete: „Herzogenaurach in der TT-Landesliga“ (die man nach vier Jahren wieder verlassen musste). In dieser Saison hatte die TSH/BSG sechs Herren-, drei Damen- und vier Jungen-Teams sowie eine Mädchenmannschaft ins Rennen geschickt. Der größte Erfolg einer TSH/BSG-Mannschaft aber war das Abschneiden der Ersten Jugendmannschaft unter Trainer Karl Schuster: Sie wurde mittelfränkischer Pokalsieger und belegte bei den bayerischen Meisterschaften nach einer unglücklichen 3:5-Niederlage gegen den späteren Sieger FC Bayern München einen stolzen dritten Rang.

Mittlerweile ist es etwas ruhiger im Herzogenauracher TT-Sport geworden, denn der Weg führte zurück in untere Klassen, auch weil Spitzenspieler und Talente dorthin abwanderten, wo gezahlt wurde. Doch wer Interesse an dieser Sportart hat: Es gibt in der TSH 1861 nach wie vor Männer-, Damen- und Jugend-Teams.

Rentnergruppe immer noch aktiv

„Die Tischtennis-Story der Stadt Herzogenaurach in den zurückliegenden 75 Jahren verdient es, dokumentiert zu werden“, blickt Emil Summa stolz zurück. Als er seine berufliche Tätigkeit bei Schaeffler beendete, rief er eine Rentnergruppe ins Leben, in der heute noch aktiv gespielt wird. Teilweise kamen anfangs bis zu 20 Leute, heute sind es zehn. Einige davon kommen sogar aus Nürnberg und Erlangen.

                                                                                                                             Leo Hildel