Höchstadt Alligators
Auswärtssieg! Höchstadt kurz vor dem Halbfinale
Riesenjubel bei Jake Fardoe und dem Höchstadter EC: Durch den 5:4-Auswärtssieg beim SC Riessersee gehen die Alligators im Play-off-Viertelfinale mit 2:0 in Führung.
Riesenjubel bei Jake Fardoe und dem Höchstadter EC: Durch den 5:4-Auswärtssieg beim SC Riessersee gehen die Alligators im Play-off-Viertelfinale mit 2:0 in Führung.
Foto: Archiv/Andreas Klupp
Höchstadt a. d. Aisch – Die Alligators stoßen das Tor zum Play-off-Halbfinale weit auf. Beim SC Riessersee gewinnt der HEC das zweite Spiel kurz vor Schluss mit 5:4.

Trotz herber Personalprobleme und eines zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstands gewinnen die Alligators auch das zweite Spiel im Play-off-Viertelfinale. Im Garmischer Olympia-Eissportzentrum behält Höchstadt mit 5:4 (1:2, 3:2, 1:0) die Oberhand.

Play-off-Viertelfinale, Spiel 2

SC Riessersee - Höchstadter EC 4:5

Wie erwartet ersetzte Maxim Kryvorutskyy den verletzte fehlenden Jari Neugebauer in der Höchstadter Paradereihe. Ansonsten vertraute HEC-Coach Mikhail Nemirovsky auf das Personal, das im ersten Aufeinandertreffen den Heimsieg besorgte.

Beim SCR stellte Coach Ron Chyzowski alle Reihen um: Kapitän Florian Vollmer kehrte zurück und begann gleich in der ersten Reihe. Neben ihm spielten der Tscheche Robin Soudek und Anton Radu.

Die zweite Reihe bildeten Ulrich Maurer und der Finne Eetu-Ville Arkiomaa, dazu wurde Luca Allavena aufgeboten. Zudem kehrte in der vierten Angriffsreihe Tobias Kircher nach monatelanger Verletzungspause zurück, er vertrat den fehlenden Moritz Miguez. Im Tor stand erneut Michael Böhm, da Daniel Allavena keine Freigabe vom Kooperationspartner Red Bull München erhielt.

Kurzes Abtasten, dann schlägt Höchstadt zu

Wie schon im ersten Vergleich brauchte die Partie ein paar Minuten, ehe sie Fahrt aufnahm. Garmisch versuchte die Kontrolle zu gewinnen, die Alligators standen tief und lauerten auf Konter. Die erste Chance besaß Jiri Mikesz, der nach weitem Pass aufs Garmischer Tor zulief, die Scheibe aber nicht an Böhm vorbei brachte (4.).

Wegen hohen Stocks bekam SCR-Verteidiger Tobias Böhm kurz darauf die erste Strafe der Partie aufgebrummt - und Höchstadt nutzte die Chance: Nach gewonnenem Bully setzte sich der HEC gleich im Angriffsdrittel fest, Anton Seewald passte von links kommende quer zu Milan Kostourek und der Topscorer traf aus spitzem Winkel zum 1:0 (5.).

Dann bekam auch der SC Riessersee die erste Chance in Überzahl: Nach einem Wechselfehler brummte Artjom Alexandrov die Bankstrafe ab, Arkiomaa bekam prompt die Chance, doch Dirksen rettete großartig (7.). Als Vollmer Reihenpartner Soudek schickte, war Dirksen aber machtlos. Oben rechts schlug die Scheibe ein - das 1:1 für die Gastgeber (8.).

Garmisch biegt den Rückstand um

SCR-Verteidiger Möller musste anschließend erneut auf die Strafbank, diesmal fand der HEC aber nicht in seine Powerplay-Formation. Stattdessen ging der SC Riessersee durch eine starke Einzelleistung in Führung: Benjamin Kronawitter tankte sich über rechts durch, behauptete die Scheibe gegen Max Cejka und legte sie an Dirksen vorbei zum 2:1 ins Eck (11.).

Die Führung der Hausherren eröffnete eine temporeiche, offene Phase, in der beide Teams zu Gelegenheiten kamen. Dirksen parierte stark gegen Vollmer, auf der Gegenseite hatte Kryvorutskyy das 2:2 auf dem Schläger: Nach feinem Zuspiel in den Slot tauchte der Youngster am langen Pfosten auf, Böhm rettete im Spagat (16.).

Kokes schickt Arkiomaa in die Bande

71 Sekunden waren im ersten Abschnitt noch zu spielen, da krachte es an der Bande: Abwehrschrank Martin Kokes checkte Arkiomaa kompromisslos in die Spielfeldbegrenzung. Wütende Garmischer forderten eine harte Bestrafung, die Referees beließen es bei zwei Minuten wegen Bandenchecks, Arkiomaa berappelte sich wieder.

In Unterzahl verteidigten die Alligators gut, ließen den SCR nicht in die Formation kommen. Allerdings fehlte ihnen im zweiten Abschnitt zunächst die Konsequenz im Angriff. Nach zwei, drei Pässen war die Scheibe meist weg und da auch die Hausherren ungenauer spielten, brauchte auch der zweite Abschnitt ein paar Minuten, ehe es spannend wurde.

Das änderte sich, als Jiri Mikesz wegen hohen Stocks raus musste. Sofort fand der SCR die Formation, ehe Arkiomaa wegen Stockschlags ebenfalls raus musste (26.). Die Überzahl war dahin, doch Garmisch jubelte trotzdem: Kronawitter setzte sich zentral gegen Jake Fardoe durch, scheiterte zunächst an Dirksen. Den Abpraller drückte er jedoch zum 3:1 für den SCR über die Linie (28.).

Höchstadt schlägt im Powerplay zurück

Trotz des Vorsprungs schafften es die Garmischer nicht, die Kontrolle über das Spiel zu bekommen. Stattdessen ermöglichten sie dem HEC durch eine weitere Strafe wegen hohen Stocks, diesmal gegen Bastian Eckl, die schnelle Antwort: Mikesz' Strafe war abgelaufen, fünf Höchstadter spielten gegen drei Garmischer. Seewald und Kostourek ließen die Scheibe laufen, Martin Vojcak stand am langen Pfosten frei - das 2:3 aus HEC-Sicht (29.).

So blieb den Alligators noch die einfache Überzahl - allerdings nur kurz: Seewald musste wegen Stockschlags ebenfalls raus. Die Strafzeiten dominierten das zweite Drittel, wieder hieß es vier gegen vier. Ein Garmischer Scheibenverlust am eigenen Tor wäre beinahe zur Steilvorlage für Michail Guft-Sokolov geworden, der Angreifer drückte Böhm den Puck aber an den Schoner.

Niklas Jentsch eröffnet Höchstadter Sturmlauf

Auf der Gegenseite hielt Dirksen Arkiomaas Gewaltschuss, ehe Kryvorutskyy per Konter an Böhm scheiterte. Trotz der vielen Unterbrechungen stimmte jetzt das Tempo - zumal auch die Tore stetig fielen: Erst traf Alexander Eckl bei angezeigter Strafe zum 4:2 für Garmisch (33.), ehe Niklas Jentsch umgehend konterte (34.). Von Guft-Sokolov geschickt ließ der schnelle Angreifer zwei Garmischer stehen, schoss Böhm an die Schulter - doch der Puck flog hoch über den Goalie, kam wieder runter und trudelte von Böhms Rücken ins Tor.

Eine Minute später durfte der HEC abermals in Überzahl ran und machte sofort viel Druck. Bei angezeigter zweiter Strafe glich Kokes im Gewühl tatsächlich zum 4:4 aus (35.). Die erste Garmischer Strafzeit erlosch, Simon Mayr musste wegen Stockschlags trotzdem raus.

Die Folge war ein weiteres Höchstadter Powerplay, das seinem Namen alle Ehre machte: Mehrere Hochkaräter boten sich den Gästen, allein Böhm verhinderte, dass den Garmischern die Partie entglitt (37.). Auch bei Gleichzahl auf dem Eis machten die Alligators weiter Druck, der SC Riessersee rettete sich aber in die letzte Pause.

Wer schießt das entscheidende Tor?

Der Schlussabschnitt lebte vor allem von der Spannung. Im Bemühen, Strafen zu vermeiden, gingen die Abwehrreihen vorsichtiger zu Werke. Offensiv fehlten hüben wie drüben die zündenden Ideen.

Als Artjom Alexandrov und Thilo Grau per Doppelpass Höchstadts Chance aufs fünfte Tor herausspielten, waren nur noch zwölf Minuten zu absolvieren. Bei noch zehn Minuten auf der Uhr setzte Vollmer zum Hieb an, nach sauberer Kombination über Arkiomaa und Maurer scheiterte der SCR-Kapitän per Schlagschuss aber an Dirksen.

Dann folgte für den HEC eine neuerliche Überzahl, nachdem Sylvan Heiß auf die Strafbank musste. Zwei Minuten in Überzahl begannen optimal, nach gewonnenem Bully fanden die Alligators gleich in die Formation. Die größte Chance hatten aber die Hausherren durch Soudek, dessen Konter am Lattenkreuz endete (53.).

Das Spiel stand nun auf des Messers Schneide, es wurde immer deutlicher, dass das nächste Tor entscheiden würde. Höchstadt lieferte trotz des dünnen Kaders eine bärenstarke Leistung und durfte in der Schlussphase nochmal in Überzahl ran.

Viertes Überzahltor bringt Höchstadt den Sieg

Möller musste wegen Behinderung raus, Höchstadt fand schwer in die Formation (57.). Doch bei noch zwei Minuten auf der Uhr legte Fardoe von der blauen Linie quer zu Seewald. Der Stürmer zog direkt ab, Guft-Sokolov nahm Böhm die Sicht - und die Scheibe schlug zum 5:4 ein (59.).

Riesenjubel bei den Alligators, Entsetzen beim ambitionierten SC Riessersee, der in den Schlusssekunden alles nach vorne warf. Es half nichts mehr: Der Höchstadter EC gewinnt auch das zweite Viertelfinalspiel, geht in der Serie mit 2:0 in Führung und hat am Sonntag (17 Uhr, Sprade TV) den ersten Matchball im Kampf ums Halbfinale.