Höchstadt Alligators
Höchstadt schickt Riessersee in die Sommerpause
Milan Kostourek (rechts) brachte die Alligators mit zwei Toren ins Spiel zurück. Ein übler Check gegen ihn brachte die endgültige Wende.
Milan Kostourek (rechts) brachte die Alligators mit zwei Toren ins Spiel zurück. Ein übler Check gegen ihn brachte die endgültige Wende.
Foto: Andreasa Klupp
Höchstadt a. d. Aisch – Das Märchen geht weiter: Die Alligators schlagen den SC Riessersee mit 6:5 nach Verlängerung - und ziehen per Sweep ins Play-off-Halbfinale ein.

Riesenerfolg für den Höchstadter EC: Die Alligators setzten sich im dritten Spiel des Play-off-Viertelfinals gegen den SC Riessersee mit 6:5 (1:2, 2:3, 2:0, 1:0) nach Verlängerung durch.

Play-off-Viertelfinale, Spiel 3

Höchstadter EC - SC Riessersee n.V. 6:5

Erneut wirbelte Ron Chyzowski die Reihen des SC Riessersee gehörig durcheinander: Tobias Kircher, der bei seinem Comeback am Freitag überzeugte, rückte für Anton Radu in die erste Reihe. Während Radu ganz raus war, kehrte Moritz Miguez ins Aufgebot zurück.

Die größte Umstellung zogen die Gäste im Tor durch: Michael Böhm wirkte in den bisherigen Partien nicht sehr stabil und machte Platz für Christian Schneider, Stammtorhüter Luca Allavena war weiterhin beim Garmischer Kooperationspartner Red Bull München im Einsatz.

Höchstadt trat hingegen mit der Formation an, die am Freitag mit 5:4 im Garmischer Olympia-Eissportzentrum gewonnen hat. Für den verletzten Jari Neugebauer spielte erneut Maxim Kryvorutskyy in der Paradereihe, Alexander Diel fehlte wie in Spiel 2 aus persönlichen Gründen.

Blitzstart beider Teams

72 Sekunden waren gespielt, da fiel das erste Tor - doch nicht Höchstadt, sondern der SC Riessersee jubelte: Bastian Eckl hatte links Platz und bediente seinen Bruder Christoph Eckl, der frei im Slot zum 1:0 traf.

Ein Kaltstart für die Alligators, die jedoch sofort antworteten: Jake Fardoe passte scharf in Richtung Garmischer Gehäuse,Michail Guft-Sokolov hielt den Schläger hin - das 1:1 (3.). Jeweils die ersten Torschüsse waren drin, von Beginn an stimmten Tempo und Intensität auf dem Eis.

Als Sylvan Heiß wegen Haltens eine umstrittene Zwei-Minuten-Strafe bekam, durfte Höchstadt erstmals in Überzahl ran. Die Mittelfranken taten sich aber schwer, Garmisch klärte konsequent und verhinderte das schnelle zweite Gegentor (7.).

Daran änderte auch das zweite Höchstadter Powerplay nichts. Benjamin Kronawitter saß nach einem Check draußen, diesmal fand der HEC sofort die Formation. Doch SCR-Goalie Schneider fügte sich gleich gut ein und hielt gegen Jiri Mikesz (11.) und Fardoe (12.) stark.

Noch besser machte es Schneider, als Anton Seewald vor ihm auftauchte: Mit Tempo aus der Tiefe kommend hatte der bisherige Play-off-Topscorer die Riesenchance, konnte den Goalie aber nicht überwinden (13.).

SC Riessersee nutzt die Überzahl

Den Alligators fehlte zunächst die Effektivität - anders der SC Riessersee: Im Powerplay - während Kryvorutskyy die erste Strafe gegen Höchstadt absaß - bauten die Gäste sofort Druck auf. Als Simon Mayr abzog, setzte Eetu-Ville Arkiomaa nach und traf zum 2:1 für Garmisch (15.).

Ein bitteres Gegentor für die Alligators, die das Spiel zuvor an sich zu reißen schienen. Und der Rückstand hinterließ Wirkung: Garmisch drückte, ließ Höchstadt kaum aus dem eigenen Drittel kommen und war nun klar feldüberlegen. Kircher vergab nach Zuspiel von Ulrich Maurer aber das 3:1, Dirksen rettete mit der Schulter (18.).

Höchstadt schwimmen die Felle davon

Ein Sololauf von Seewald, dessen Schuss Schneider im Stehen parierte, eröffnete den zweiten Abschnitt, in dem der Kampf dominierte. Die spielerische Linie fehlte beiden Teams, ebenso schnell wie nach vorne gespielt wurde, war die Scheibe wieder weg.

Mitten hinein in diese ausgeglichene Phase baute der SC Riessersee die Führung aus: Maurer hatte auf der rechten Seite Platz und legte quer zum mitgelaufenen Kircher, der frei vor Dirksen oben rechts einschoss (27.).

Miguez verpasste kurz darauf sogar das vierte Tor, Dirksen rettete in höchster Not (28.). Weil Fardoe beim Abwehrversuch aber einen Stockschlag ansetzte, musste Höchstadt anschießend zwei Strafminuten überstehen. Vollmer verpasste zunächst freistehend das 4:1, doch Arkiomaa machte es besser: Kapitän Vollmer zog von rechts auf, die Scheibe trudelte am Torraum entlang und der Finne staubte problemlos ab (29.).

Kostourek lässt Höchstadt kurz hoffen

Noch war eine halbe Stunde zu absolvieren, doch die Partie schien fast gelaufen. Zu körperlich dominant waren die Garmischer, zu harmlos wirkte der HEC - ehe Kostourek ein Lebenszeichen sendete: Als sich Höchstadt erstmals seit langer Zeit im Garmischer Drittel festsetzte, fiel die Scheibe dem Tschechen vor die Füße. Aus der Drehung tunnelte Kostourek Schneider zum 2:4 (31.).

Die Partie war wieder offen, erst Recht als Höchstadts Topscorer das 3:4 nachlegte: Ein scharfer Pass von Seewald in den Slot, wo der Tscheche halb mit dem Schläger, halb mit dem Körper ins Tor abfälschte (36.).

Lesen Sie auch:

Doch im Gegensatz zu den bisherigen Vergleichen schlug der SC Riessersee prompt zurück: Nur 28 Sekunden nach Kostoureks Anschlusstreffer stellte Kircher nach Vorarbeit von Maurer auf 5:3 für die Gäste (37.).

Die Alligators blieben dran, Martin Kokes besaß die Chance aufs vierte Höchstadter Tor, scheiterte jedoch an Schneider (39.). Auf der Gegenseite verwehrte Dirksen mit toller Parade Kircher den Hattrick. Dennoch: Vieles, wenn nicht alles sprach vor dem Schlussabschnitt für die Gäste.

Alligators kommen erneut zurück

Mit Mikesz als Center der ersten Reihe gingen die Alligators in die scheinbar letzten 20 Minuten. Der SCR kontrollierte das Geschehen, verdiente sich den Erfolg vor allem mit guter Abwehrarbeit und blieb vorne bei Nadelstichen gefährlich.

Den Alligators fehlte das Mittel, um Garmischs körperlich präsente Abwehr zu überwinden. Es dauerte acht Minuten, ehe Martin Vojcak den ersten Höchstadter Torschuss im Schlussdrittel abfeuerte. Umso überraschender verkürzte Fardoe auf 4:5 aus HEC-Sicht: Gegen Niklas Jentsch parierte Schneider noch klasse, im Liegen konnte er den Nachschuss des Kanadiers aber nicht mehr abwehren (49.).

Auf der Gegenseite rettete Dirksen überragend: Erst tauchte Arkiomaa frei vor dem Goalie auf, der im Liegen mit dem Schoner abwehrte. Und auch den Nachschuss von Mauer blockte Dirksen großartig ab (50.)

Nach Auszeit folgt der Knockout

Es folgte die dritte Strafe der Partie gegen Garmisch, die HEC-Coach Mikhail Nemirovsky für eine Auszeit nutzte. Doch sein Plan gestaltete sich bald um, denn in der 52. Minute krachte es: Maurer fuhr einen üblen Check gegen Kostourek zu Ende, der Angreifer krachte mit dem Gesicht voran in die Bande.

Lesen Sie auch:

Blut auf dem Eis, Rudelbildung an der Bande - und eine Spieldauerstrafe gegen Maurer waren die Folgen.Mehr als eine Minute lang fünf gegen drei, die Chance für Höchstadt: Der HEC nutzte sie. Über Vojcak und Seewald kam Dimitri Litesov zum Abschluss, oben rechts schlug die Scheibe zum 5:5 ein (53.).

Über vier Minuten Überzahl blieben den Alligators noch, doch dann schwächte sich Höchstadt selbst. Erst musste Jentsch, dann Kokes auf die Strafbank . Unter- statt Überzahl, doch die Alligators verteidigten gut.

Die Entscheidung fällt in der Overtime

Bei noch laufender Maurer-Strafe bekamen die Alligators plötzlich die Chance zur Führung serviert: Kronawitter fuhr Dirksen am Torraum um, bekam zwei Minuten und bescherte Garmisch 70 Sekunden in doppelter Unterzahl. Mehrere Großchancen ließ der HEC jedoch liegen, verpasste das 6:5, das die Serie womöglich entschieden hätte.

Stattdessen ging es in die Overtime, in der die Alligators tatsächlich gewannen und ins Halbfinale einzogen: Ein Schuss von Kokes rauschte vorbei, Seewald staubte ab - die Scheibe trudelte ins Tor (66.). Und während rund ums Höchstadter Eisstadion Freudenfeuer zu sehen und hören waren, machte sich der SC Riessersee auf in die Sommerpause.