Eishockey
Höchstadt verpasst erneutes Comeback knapp
Anton Seewald (li.) war beim zwischenzeitlichen 2:3 der Erste aus dem gemischten Regensburger und Höchstadter Topscorer-Quartett der Play-offs, der am Samstag traf. Dennoch setzten sich die Eisbären im ersten Halbfinale durch.
Anton Seewald (li.) war beim zwischenzeitlichen 2:3 der Erste aus dem gemischten Regensburger und Höchstadter Topscorer-Quartett der Play-offs, der am Samstag traf. Dennoch setzten sich die Eisbären im ersten Halbfinale durch.
Foto: Andreas Klupp
Höchstadt a. d. Aisch – Regensburg erweist sich im Gegensatz zum vorherigen Gegner der Alligators als großzügiger Gastgeber, behält aber den Heimvorteil im Halbfinale.

Vom Boykott-Aufruf zum Gast-Experten: Dass die Höchstadt Alligators nicht mehr im Viertelfinale gegen den SC Riessersee sondern im Halbfinale gegen Regensburg standen, wurde am Samstagabend schon vor dem ersten Bully offensichtlich (Endstand: 5:4 für Regensburg). Der mit 3:0 bezwungene Auftaktgegner in den Play-offs der Eishockey-Oberliga Süd hatte seine Anhänger vor dem dritten Spiel im Aischgrund dazu aufgerufen, die Übertragung auf Sprade-TV nicht zu verfolgen und die acht Euro stattdessen der Vereinsjugend zu spenden. Grund waren Vorwürfe an die Höchstadter, nicht neutral und zu übertrieben zu berichten.

Gegen Riessersee stand Jari Neugebauer noch auf dem Eis, in Regensburg dagegen als Experte am Mikrofon.
Gegen Riessersee stand Jari Neugebauer noch auf dem Eis, in Regensburg dagegen als Experte am Mikrofon.
Foto: Andreas Klupp

Beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Hauptrundenmeister verliehen die Gastgeber einem HEC-Spieler sogar den Expertenstatus: Der verletzte Jari Neugebauer stand vor, während und nach den 60 Minuten immer wieder für persönliche Einschätzungen am Mikrofon. "Sie hatten bei uns angefragt, ob das jemand von uns übernehmen möchte. Da hat unsere Pressesprecherin Caroline Hauke mich vorgeschlagen", erklärte der Stürmer. Einen warmen Empfang erhielten auch die Alligatoren Michail Guft-Sokolov und Alexander Diel, die vor der Saison von den Eisbären zu den Panzerechsen gewechselt waren.

Erste Reihe ist wieder die erste Reihe

Auf dem Eis verteilte Regensburg aber keine Geschenke mehr. Und ließ sich auch nicht davon irritieren, dass die Mittelfranken anders als in den jüngsten beiden Duellen wieder mit der Parade-Reihe im ersten Block antraten. Eine halbe Sekunde, bevor die Strafzeit für Höchstadt abgelaufen war, erzielte Erik Keresztury das 1:0. Die Gäste hatten mit einem Pass gerechnet. Goalie Benjamin Dirksen war beim Schuss aus acht Metern zudem die Sicht verdeckt (6.). "Da hatten wir zwei Mal die Scheibe, haben sie aber nicht rausgebracht", kommentierte Neugebauer.

Die Mittelfranken vergaben eine große Konterchance über Anton Seewald und Maxim Kryvorutskyy, fast im Gegenzug erhöhte Constantin Ontl per Abstauber nach Schuss von Jakob Weber (12.). "Da wurde der Regensburger alleine vor unserem Tor gelassen", kritisierte der Experte.

Anton Seewald hat Treffer auf dem Schläger

In der Schlussphase des ersten Drittels hatte Höchstadt Oberwasser. Seewald hätte selbst und als Vorlagengeber für den Anschlusstreffer sorgen können (16.). Als das Team von Trainer Mikhail Nemirovsky einen Mann mehr auf dem Eis hatte, verbuchte zwar Regensburg die größte Chance, ansonsten glichen die letzten Minuten aber einem Höchstadter Dauer-Powerplay.

Auch in der ersten Unterbrechung baten die Eisbären mit Martin Vojcak einen Gästespieler vor die Kamera: "Wir spüren die Pause nicht", entgegnete der Kapitän auf die Frage, ob der Sweep im Viertelfinale einen Nachteil bedeutet. Die Oberpfälzer hatten ihre Serie gegen Memmingen erst im fünften Spiel am Donnerstag für sich entschieden, waren dadurch mehr im Rhythmus.

Neugebauer fordert mehr "traffic"

Die Viertelstunde in der Kabine tat Regensburg zunächst jedenfalls besser: Peter Flache zog auf Pass von Ontl aus halblinker Position zum 3:0 ab (24.). "Wir dürfen nicht wechseln, wenn der Gegner in Scheibenbesitz ist", monierte Neugebauer. Zuvor hatte der 26-Jährige seinen Teamkollegen mit auf den Weg gegeben, mehr zu schießen. "Wir müssen traffic vor dem Tor erzeugen."

Das taten die Alligators fortan, nachdem sie den Ausfall von Kryvurutskyy verkraften mussten. "Das war ein fairer Bandencheck", räumte Neugebauer ein. Kurz vor Bully hatte bereits Artjom Alexandrov das Höchstadter Lazarett vergrößert, so dass Teammanager Daniel Tratz wieder einmal die Schuhe schnürte. 23 Regensburger Akteuren standen trotzdem lediglich 17 Höchstadter gegenüber.

Maxim Kryvorutskyy verletzte sich bei einem fairen Bandencheck. Wie lange der Höchstadter ausfällt, stand am Samstagabend noch nicht fest.
Maxim Kryvorutskyy verletzte sich bei einem fairen Bandencheck. Wie lange der Höchstadter ausfällt, stand am Samstagabend noch nicht fest.
Foto: Andreas Klupp

Dimitri Litesov stahl den Puck und legte für Guft-Sokolov auf, der gegen seine Ex-Kameraden traf (29.). Jiri Mikesz hielt ebenfalls aus der Distanz drauf, dem heimischen Goalie war von je einem Eisbären und Alligator die Sicht versperrt (34.). "Ein Glücksschuss, aber das Glück haben wir uns erarbeitet", fand Neugebauer.

Der ehemalige Regensburger Michail Guft-Sokolov brachte den HEC mit dem 1:3 zurück ins Spiel.
Der ehemalige Regensburger Michail Guft-Sokolov brachte den HEC mit dem 1:3 zurück ins Spiel.
Foto: Andreas Klupp

Muss der HEC in Höchstadter Eishockey-Comebacker umbenannt werden? Schließlich hatten die Gäste bereits in allen drei Duellen mit Riessersee einen Rückstand gedreht. "Wir wussten, dass Höchstadt zurückkommen kann, haben nach dem 3:0 aber in den Verwaltungsmodus geschaltet", übte Stürmer Fabian Herrmann in der zweiten Drittelpause Selbstkritik.

Der letzte Abschnitt begann, wie der zweite geendet hatte: mit einem Pfostentreffer der Eisbären. Das 4:2 von Ontl auf Querpass von Lukas Heger war deshalb verdient (48.). Nur Sekunden später schlugen aber wieder die Franken zu: Seewald gelang als Erstem aus dem gemischten Regensburger und Höchstadter Play-offs-Topscorer-Quartett ein Tor. Prompt zog Nikola Gajovsky nach und stellte auf 5:3 (56.).

Milan Kostourek verkürzt noch einmal

"Jetzt müssen wir alles nach vorne schmeißen", gab Neugebauer die Parole aus. Ähnliches dürfte Nemirovsky seinen Jungs in der Auszeit 133 Sekunden vor Ende gesagt haben. Das Glück pendelte: Seewald brach beim Schussversuch der Schläger, ein Befreiungsschlag der Hausherren streifte den Außenpfosten. Letztlich hielt die Festung der Oberpfälzer, die alle 18 Heimspiele der Hauptrunde gewonnen und nur ein Mal in der Serie gegen Memmingen zu Hause verloren hatten. Daran änderte auch das 4:5 von Milan Kostourek eineinhalb Sekunden vor der Schlusssirene nichts. Damit hatten dann doch drei Viertel der Topscorer getroffen.

Der HEC hatte gegen einen weiteren Favoriten bewiesen, dass er mithalten kann. Es gab lediglich kurze Phasen, in denen die Eisbären klar überlegen waren. Vom respektablen Ergebnis in Regensburg kann sich Höchstadt jedoch nichts kaufen. Um die beste Saison der Vereinsgeschichte noch etwas länger zu genießen, müssen auch die Alligators ihre Heimstärke (18 Siege in 20 Spielen) demonstrieren. Und zwar am Ostermontag, wenn die Serie im Modus best-of-five um 18.30 Uhr weitergeht. Im Parallelspiel setzten sich die Starbulls Rosenheim in der Verlängerung mit 4:3 bei den Selber Wölfen durch.