Höchstadt Alligators
In der Overtime: Höchstadt siegt im Play-off-Krimi
Auf Biegen und Brechen: Höchstadts Milan Kostourek (links) kämpft mit dem Garmischer Anton Radu um die Scheibe.
Auf Biegen und Brechen: Höchstadts Milan Kostourek (links) kämpft mit dem Garmischer Anton Radu um die Scheibe.
Foto: Andreas Klupp
Höchstadt a. d. Aisch – Was für ein Drama: In der Verlängerung schlagen die Alligators den SC Riessersee mit 5:4 und belohnen sich für eine packende Abwehrschlacht.

Mit am Ende nur noch zweieinhalb Reihen geht der Höchstadter im Play-off-Viertelfinale der Oberliga Süd in Führung. Die Alligators schlagen den SC Riessersee dank des goldenen Tores von Martin Kokes mit 5:4 nach Verlängerung (1:0, 1:1, 2:3, 1:0).

Play-off-Viertelfinale, Spiel 1

Höchstadter EC - SC Riessersee 5:4 n.V.

Ein Zeichen setzte HEC-Coach Mikhail Nemirovsky bei der Aufstellung: Der offensiver ausgerichtete Verteidiger Jake Fardoe bekam als Kontingentspieler den Vorzug vor Domantas Cypas. Ansonsten durften die gewohnten Reihen das leuchtend grüne Höchstadter Play-off-Trikot einweihen.

Auch Gästecoach Ron Chyzowski hatte sich etwas überlegt: Die Paradereihe mit Ulrich Maurer und den schussgewaltigen Kontingentspielern Eetu-Ville Arkiomaa und Robin Soudek blieb etwas überraschend zusammen. Einen Ausfall mussten die Gäste jedoch verkraften: Torhüter Daniel Allavena wurde beim Garmischer DEL-Kooperationspartner EHC München gebraucht, ihn ersetzte Michael Böhm.

Lesen Sie auch

Druckvoller SC Riessersee lässt Chancen liegen

Nach ruhiger Anfangsphase, in der sich beide Teams abtasteten, brachte eine diskutable Strafe gegen Höchstadts Nick Dolezal erstmals Musik aufs Eis. Zwei Minuten durfte der SC Riessersee in Überzahl ran, die Alligators verteidigten aber gut (7. Minute).

In der Folge übernahmen die Gäste das Kommando: Garmisch wirkte konzentriert, angriffslustig und presste sehr hoch. Vor allem die Paradereihe um den bärenstarken Soudek machte ordentlich Dampf. Der HEC hatte Mühe, sich zu befreien - und Glück, dass Soudek (12.) und Moritz Miguez freistehend vergaben (15.).

Die Alligators hatten vor allem im eigenen Drittel Probleme, erst in der Schlussphase des ersten Abschnitts kam Höchstadt zu Chancen: Jari Neugebauer (15.) und Mikhail Guft-Sokolov, der einen Bandenabpraller direkt aufs Tor feuerte (17.), scheiterten jedoch an Böhm. Auch der sehr präsente Artjom Alexandrov hatte bei seinem Schlenzer kein Glück (18.).

Guft-Sokolov bringt Höchstadt in Front

Dennoch taten diese Möglichkeiten den Gastgebern gut. Höchstadt schien die anfängliche Nervosität abgelegt zu haben - und durfte noch vor der Pausensirene jubeln: Felix Ribarik schickte Michail Guft-Sokolov steil, dessen Handgelenksschuss aus zentraler Position SCR-Goalie Böhm kalt erwischte: Über seinen Schoner flog die Scheibe zum 1:0 für Höchstadt ins Eck (19.).

Und beinahe hätten die Alligators im zweiten Drittel sofort das zweite Tor nachgelegt: Dimitri Litesov setzte entscheidend nach und brachte einen unglücklichen Abpraller von Böhm aufs Tor, doch der Goalie rettete (21.).

Nach Seewalds Traumtor geht es rund

Dann bekam auch Höchstadt die erste Chance in Überzahl: Louis Anders hakte gegen Fardoe nach, kurz danach leistete sich Christoph Eckl das gleiche Vergehen. 90 Sekunden spielten fünf Alligators gegen drei Garmischer. Böhm parierte jedoch zweimal stark gegen Milan Kostourek, ein Tor gelang den Hausherren nicht (25.).

Doch als Anders wieder zurück war, nutzte Höchstadt doch noch das Powerplay: Anton Seewald tankte sich zentral im Slot durch, nahm Maß - und schoss oben links zum 2:0 ein (26.). Ein starker Treffer des Angreifers, den die Gäste allerdings prompt konterten: Anton Radu zog von der blauen Linie ab, Anders fälschte ab .

Das 1:2 aus Gästesicht - dachten alle, doch die Unparteiischen sahen, dass der Stock von Anders über Lattenhöhe war (27.). Kurz darauf verkürzten die Gäste dennoch: Der HEC bekam die Scheibe nicht raus, Simon Mayr setzte in aller Ruhe zum Schlenzer an - der verdiente Anschlusstreffer (28.).

Harte Checks und Proste der Garmischer

Spätestens jetzt entwickelte sich der offene Play-off-Kampf, auf den die Fans gehofft hatten. Im Sekundentakt fuhren beide Teams die Checks, in der "Grünen Hölle" ging es nun zur Sache. Als Philipp Wachter nach einem Bandencheck gegen Kostourek auf die Strafbank musste, durften die Alligators erneut in Überzahl ran, machten daraus aber zu wenig (32.).

Lesen Sie auch

Dann wurde es hässlich: SCR-Veteran Maurer zog sich an der Bande eine Platzwunde zu, die Unparteiischen sahen jedoch kein Höchstadter Foul. Der Angreifer musste genäht werden, die Gästebank wütete (35.). Die angestaute Wut versuchte Garmisch auf das Spiel zu projizieren, Soudek und Arkiomaa scheiterten aber am starken Dirksen (37.).

Die letzten Minuten des mittleren Abschnitts musste Höchstadt in Unterzahl bestehen. Max Cejka bekam zwei Strafminuten, rechtzeitig zum Powerplay war Maurer zurück. Garmisch zog nun ein Dauerfeuer auf: Neugebauer warf sich in einen Schuss von Eckl und musste mit schmerzverzerrtem Gesicht runter.

38 Sekunden vor Drittelende holte sich Thilo Grau zudem eine unnötige Strafe wegen Hakens ab. Doch Garmisch schwächte sich sogleich selbst, Benjamin Kronawitter schlug gegen Fardoe nach, der einen Pass abfing. Drei Höchstadter brachten die knappe Führung gegen vier Garmischer über die Zeit, beim Stand von 2:1 für die Alligators ging's ins Schlussdrittel.

Der SC Riessersee dreht das Spiel

Als nach 42 Minuten wieder jeweils fünf Feldspieler auf dem Eis standen, ging der Arm der Schiedsrichter erneut hoch. Kronawitter bekam wegen Stockchecks zwei Strafminuten aufgebrummt. Doch Riessersee verteidigte erneut gut, hielt Höchstadt vom Tor fern - und glich kurz danach aus: Mit viel Tempo tauchte Bastian Eckl vor Dirksen auf, der zunächst noch parierte. Doch den Abpraller drückte Trainer-Sohn Christopher Chyzowski zum 2:2 über die Linie (46.).

Die Gäste hatten nun klar die Oberhand, Garmisch wirkte bissiger, Höchstadt fehlte der Zugriff. Das 3:2 für den SCR war die logische Folge: Silvan Heiß bediente Arkiomaa, der eiskalt vollstreckte (50.). Auf der Höchstadter Bank herrschte Ruhe.

In der "Grünen Hölle" wirds dramatisch

Die Gastgeber wirkten beeindruckt, ohne den angeschlagen draußen gebliebenen Neugebauer fehlte der offensive Schlüssel. Doch der HEC bewies Moral und glich völlig überraschend aus: Kapitän Martin Vojcak zog von rechts zum Tor und legte zurück zu Kostourek, der zum 3:3 einschoss (53.).

Garmisch schüttelte sich kurz und reagierte klasse: Sofort setzte sich die Paradereihe im HEC-Drittel fest, Wachter zog von der blauen Linie ab und traf per Schlagschuss zum 4:3 aus Gästesicht (54.). Die Entscheidung? Von wegen: Fardoe zog von halblinks ab, Litesov fälschte leicht ab und irgendwie trudelte der Puck über die Linie - 4:4, Ekstase auf der Bank des HEC (55.).

Lesen Sie auch

Frei von taktischen Zwängen bekämpften sich die Teams nun auf dem Eis. Mehrfach rettete Dirksen die Alligators, auf der Gegenseite musste Böhm kaum eingreifen. Dennoch retteten sich die Alligators in die Overtime, die mit fünf gegen fünf gespielt wird, bis ein Tor das Spiel entscheidet.

Höchstadter Kampfgeist wird belohnt

20 Minuten Verlängerung entwickelten sich für die Alligators zu einer Abwehrschlacht. Erst Recht, als Seewald wegen Hakens eine Strafe kassierte. Der SCR fand schnell in die Formation, doch Höchstadt hielt dem Druck stand (64.).

Mit nur noch zweieinhalb Reihen hielten die Gastgeber nach Kräften dagegen, setzten auf Tempogegenstöße - und durften am Ende tatsächlich jubeln: Guft-Sokolov trug die Scheibe hinter das Tor, passte zurück in den Slot und fand Martin Kokes, der sofort abzog - und den umjubelten 5:4-Siegtreffer erzielte (68.).