Hochwasserschutz
Braucht Röttenbach Frühwarnsystem für Notlagen?
Das, was beim Hochwasser im Juli in Höchstadt passiert ist (im Bild), scheint in Röttenbach eher unwahrscheinlich. Trotzdem will die Gemeinde nicht untätig bleiben.
Das, was beim Hochwasser im Juli in Höchstadt passiert ist (im Bild), scheint in Röttenbach eher unwahrscheinlich. Trotzdem will die Gemeinde nicht untätig bleiben.
Foto: Andreas Dorsch/Archiv
Röttenbach – Der Gemeinderat Röttenbach informierte sich über Starkregen-Schutz. Ein Experte erläuterte mögliche vorbeugende Maßnahmen.

Höchsttemperaturen, Starkregen, Dürren – extreme Wetterphänomene treten immer häufiger auch in Deutschland auf. Nicht zuletzt die verheerenden Unwetter und Hochwasserereignisse aus dem vergangenen Juli haben das noch einmal deutlich vor Augen geführt. Der Gemeinderat Röttenbach nahm dies zum Anlass, sich bei seiner Sitzung am Mittwochabend mit dem Phänomen Starkregen und möglichen Schutzmaßnahmen zu befassen.

Auch wenn die Gefährdungslage in Röttenbach eventuell weniger groß ist wie beispielsweise an der Aisch oder in Gebirgsregionen, so können massive Regenfälle dennoch enorme Schäden verursachen. So sorgte Starkregen im Juli 2018 in Hemhofen und Heroldsbach für zahlreiche Überschwemmungen. Gerade die Tatsache, dass die gefährdeten Gebiete nicht bekannt sind und daher unvorbereitet getroffen werden, sei bei Starkregen ein Problem, erklärte Experte Reinhard Brodrecht von der Spekter GmbH. Die Firma erstellt entsprechende Gefahrenkarten und hat ein Frühwarnsystem für Notlagen entwickelt.

Gefahrenkarte als ersten Schritt empfohlen

„Ein gutes Warnsystem wird immer wichtiger, weil auch die besten Schutzmaßnahmen bei Ausnahmeereignissen nicht mehr ausreichen“, meinte Brodrecht. Als ersten Schritt müsste die Gemeinde eine Gefahrenkarte erstellen lassen, um potenziell gefährdete Gebiete zu identifizieren. Die Kosten dafür würden zu 75 Prozent vom Land Bayern bezuschusst. In Abhängigkeit der Risiken könnten im Anschluss bauliche Schutzmaßnahmen und die Installation von Sensoren vorgenommen werden. Diese Sensoren dienen als Grundlage für das Warnsystem der Firma Spekter. Registrierte Bürger würden im Gefahrenfall per E-Mail, SMS oder sogar durch einen automatischen Anruf informiert.

Die Gemeinderatsmitglieder zeigten sich dem gegenüber aufgeschlossen. Die Frage nach den genauen Kosten konnte Brodrecht nicht beantworten. Diese seien abhängig von den jeweils vorhandenen Risiken. Bei der Erstellung einer Gefahrenkarte könnten aber vorhandene Daten aus der Nachbargemeinde Hemhofen herangezogen werden.

Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) bilanzierte, dass man sich weiter mit dem Thema befassen werde. Insbesondere im Zusammenhang mit neuen Baugebieten sei dies sicherlich interessant, wobei man den Konflikt mit dem Wohnraumbedarf nicht außer Acht lassen dürfe.

Kritik von den Grünen

Weitere Themen der Sitzung waren der Abschluss der Rechnungsprüfung für das Jahr 2019 und die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes „Süd im Sand“. Die Rechnungsprüfung für das Jahr 2019 hatte sich aufgrund der Corona-Pandemie länger hingezogen als geplant, erläuterte der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses und Zweite Bürgermeister, Harald Rotschka (CSU).

Insgesamt war der Ausschuss mit den geprüften Unterlagen zufrieden. Kritik kam lediglich aus den Reihen der Grünen-Fraktion. Andreas Schaefer-Enkeler schloss aus den Aussagen zur Sanierung der Schulturnhalle, dass die Verwaltung die Kosten besser hätte kontrollieren können und die Mehrausgaben zu verantworten habe. Er bemängelte diesbezüglich auch den Informationsfluss im Gemeinderat.

Auch Waldrodung wird kritisiert

Bürgermeister Wahl wollte diesen Vorwurf nicht gelten lassen: „Wir haben den Gemeinderat immer ausreichend informiert“, lautete seine Antwort. Letztendlich wurde Wahl in der folgenden Abstimmung einstimmig für das Geschäftsjahr 2019 entlastet.

Auch zur Frage der Erweiterung des Gewerbegebiets gab es Kritik von den Grünen. Die Firma Dausch beabsichtigt, dort ihr Firmengelände zu vergrößern, wofür auch ein kleineres Waldgebiet gerodet werden müsste. Planer Matthias Rühl von der ARGE Stadt & Land erörterte hierzu Stellungnahmen der ersten öffentlichen Beteiligung. In diesen Stellungnahmen gab es sowohl vom Landratsamt als auch vom Bund Naturschutz deutliche Kritik an den notwendigen Rodungen. Insbesondere das Landratsamt forderte eine umfassendere Begründung für die Maßnahme ein. Der Bund Naturschutz schlug vor, bereits vorhandene Erweiterungsflächen im Gewerbegebiet „Süd im Sand 2“ in Betracht zu ziehen.

Beide Kritikpunkte griff Andreas Schaefer-Enkeler (Grüne) auf und störte sich auch an der aus seiner Sicht „zu lapidaren“ Stellungnahme des Planers. Dieser hatte vornehmlich mit Verhältnismäßigkeiten argumentiert. Ein Firmengelände könne man eben nur am Standort erweitern, und das betroffene Waldstück sei recht klein. Zudem seien Ausgleichsflächen vorgesehen.

Der Gemeinderat billigte, bei zwei Gegenstimmen der Grünen-Fraktion, letztlich die Fortschreibung der Planungen.

Ortsstraßen werden erneuert

Wie Bürgermeister Wahl mitteilte, würden ab Mitte Oktober die beiden Ortsstraßen Forchheimer Weg (inklusive Bushaltestelle) und Am Hang erneuert. Der entsprechende Auftrag wurde in der nichtöffentlichen Sitzung vergeben.