Geschichte
Die Rettung des Freibads
Konrad Eitel (links) und Klemens Simon heute vor dem Plakat zum Bürgerentscheid.
Konrad Eitel (links) und Klemens Simon heute vor dem Plakat zum Bürgerentscheid.
Foto: Gunda Eitel
Herzogenaurach – Vor 25 Jahren, am 21. Juli 1996, stimmten die Herzogenauracher mit großer Mehrheit für den Erhalt des Freibads am alten Standort.

Heute, auf den Tag genau vor 25 Jahren, schrieb das Freibad Geschichte. Beim Bürgerentscheid am 21. Juli 1996, dem übrigens ersten Bürgerentscheid im Landkreis Erlangen-Höchstadt, setzten sich die „Retter des Freibads“ durch. 72 Prozent der Herzogenauracher folgten dem Wunsch, das Freibad am alten Standort zu erhalten.

In einer Pressemitteilung erinnern Konrad Eitel und Klemens Simon, zwei Aktivisten von damals, an den Werdegang der Erfolgsgeschichte. Demnach wurde am 18. Januar 1996 in Herzogenaurach in Sachen Bürgerentscheid Ernst gemacht. Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, Bund Naturschutz, DGB, der Initiative zur Rettung des Stadtbades, ÖDP und SPD trafen sich zur Gründungsversammlung der „Bürgerinitiative zur Erhaltung des Herzogenauracher Freibades an der Tuchmachergasse“ im Turnerheim. Zu gleichberechtigten Sprecher der Initiative wurden Konrad Eitel (SPD), Bernd Müller (Grüne) und Klemens Simon (Freibadinitiative) gewählt.

Auch der heutige Bürgermeister German Hacker (rechts) war ein Streiter für das alte Freibad. Unser Foto zeigt ihn im Gespräch mit dem damaligen Bäderchef Wolfgang Schneider, der für ein Freibad am Atlantis war und einen Erhalt der alten Einrichtung vehement ablehnte.
Auch der heutige Bürgermeister German Hacker (rechts) war ein Streiter für das alte Freibad. Unser Foto zeigt ihn im Gespräch mit dem damaligen Bäderchef Wolfgang Schneider, der für ein Freibad am Atlantis war und einen Erhalt der alten Einrichtung vehement ablehnte.
Foto: FT-Archiv

„Sind Sie dafür, das Herzogenauracher Freibad an der Tuchmachergasse zu erhalten und im erforderlichen Umfang zu sanieren, jedoch kein öffentliches Freibad beim Atlantis zu bauen?“ So lautete die Fragestellung des Bürgerentscheides.

4167 Unterschriften

Zehn Wochen nach dem Start wurde die Unterschriften-Sammelaktion abgeschlossen. Am 16. April 1996 war es dann so weit: Die Sprecher der Bürgerinitiative überreichten an Bürgermeister Hans Lang (CSU) rund 200 Listen mit genau 4167 Unterschriften und läuteten damit die nächste Runde im Kampf ums Freibad ein.

Schon vor der Auszählung des Bürgerentscheides am 21. Juli 1996 über den Erhalt des fast 60 Jahre alten Herzogenauracher Freibades war die Hoffnung groß, dass die Bürgerinitiative siegen würde, berichten Eitel und Simon heute weiter. Von der Höhe des Erdrutschsieges sei man in Herzogenaurach dann doch etwas überrascht gewesen. „Die Stadt ging baden“ lautete eine Überschrift am Tag danach.

72,4 Prozent

Bei einer Wahlbeteiligung von immerhin 38 Prozent stimmten 72,42 Prozent mit „Ja“, das heißt für den Vorschlag, das Bad am alten Standort zu erhalten. Kurz vor 18.45 Uhr gab Bürgermeister Lang das genaue Ergebnis bekannt: Wahlberechtigte insgesamt: 16524, gültige Stimmen: 6252, ungültige Stimmen: 24-, Ja-Stimmen: 4528, Nein-Stimmen: 1724 . Bemerkenswert für Konrad Eitel, der in der Kommunalpolitik über Jahrzehnte hinweg ein engagierter Sozialdemokrat ist, und Klemens Simon, dem einstigen Bürgermeisterkandidat der Grünen: „Erstmals in über 25 Jahren hatte die Herzogenauracher CSU eine Wahl verloren!“

Ungefähr 600 Besucher wollten sich dann am 16. Juni 2000 bei bestem Badewetter die Einweihung des komplett sanierten Freibades nicht entgehen lassen. „Neues Freibad echter Traum“, „Aus Alt mach Neu in wahrer Rekordzeit“ und „Wassernixen als Erste im Edelstahlbecken“ – So lauteten die Überschriften in den Lokalzeitungen am nächsten Tag

Mehr als 2000 Badegäste täglich besuchten in den erste Woche das neue Bad. „Besser hätte der Start ins neue Freibadzeitalter gar nicht sein können“, schreibt Eitel heute, gut zwei Jahrzehnte später.

Der Bürgerentscheid war erst möglich geworden durch einen erfolgreichen Volksentscheid am 1. Oktober 1995. Somit konnten die Menschen in Bayern erstmals über kommunale Probleme direkt abstimmen.

Im Jahr 1996, so eine „Mehr Demokratie“ – Statistik, fanden in den 2000 bayerischen Gemeinden übrigens 105 Bürgerentscheide statt. Ziemlich genau die Hälfte, nämlich 49,5 Prozent der Entscheide, waren erfolgreich. Und die Retter des Herzogenauracher Freibads schafften gar 72 Prozent.