Tag der Arbeit
Demokratie ist gefordert wie nie
Dieter Koppenhöfer, Gewerkschaftssekretär der IG BCE Nürnberg, sprach das erste Mal in Herzogenaurach.
Dieter Koppenhöfer, Gewerkschaftssekretär der IG BCE Nürnberg, sprach das erste Mal in Herzogenaurach.
Foto: Richard Sänger
Herzogenaurach – Die Gewerkschaft setzte sich in Herzogenraurach mit den aktuellen Herausforderungen auseinander.

Am Tag der Arbeit ging es auf die Straße unter dem Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“. Für Dieter Koppenhöfer, Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft (IG) BCE (Bergbau, Chemie, Energie) Nürnberg war es das erste Mal, dass er nach Herzogenaurach kam. Traditionell veranstaltet der DGB-Ortsverband Herzogenaurach die Maikundgebung im Weihersbach. Coronabedingt fiel diese Tradition mehr als zwei Jahre aus.

Umso größer war die Freude bei den Beteiligten, dass die Veranstaltung wieder stattfinden konnte. Und so betonte der DGB-Vorsitzende Thomas Mölkner bei der Eröffnung der Kundgebung, dass es sich gut anfühle, sich wieder treffen zu können.

Für Thomas Mölkner sind Verhandlungen wichtiger als Waffenlieferungen, denn von der Finanzkrise über die Pandemie bis zum Krieg in der Ukraine habe „der Raubtierkapitalismus in dieser Zeit“ weiter um sich gegriffen. Die Reichen seien immer reicher, die Armen immer ärmer geworden, bedauerte er.

Bürgermeister German Hacker betonte in seinem Grußwort, dass sich die Beschäftigungszahlen in Herzogenaurach weiterhin auf Rekordniveau bewegten und damit auch die wirtschaftliche Entwicklung positiv sei. Aber auch Herzogenaurach spüre die gegenwärtige Krise mit steigenden Preisen. Die „De-Globalisierung“, Lieferkettenproblematik und ein Strukturwandel in der Industrie führten zu immensen Herausforderungen und letztendlich müsse auch der Klimaschutz vorangetrieben und der Arbeitskräftemangel bekämpft werden, sagte er.

Der Hauptredner Dieter Koppenhöfer blickte auf die letzten Jahre zurück: „Unser Alltag war von Krisen überschattet und er ist es leider noch immer.“ So sei die Pandemie immer noch präsent, dazu kämen anhaltend starke undemokratische Stimmen in Europa und nicht zuletzt der seit Jahrzehnten erste blutig geführte Angriffskrieg auf europäischem Boden. „Dabei handelt es sich um nicht weniger als einen brutalen und völkerrechtswidrigen Überfall eines Despoten auf seinen friedlichen und demokratischen Nachbarn. Ein Überfall, der durch Lügen gerechtfertigt wird und die ukrainische Zivilbevölkerung in unsägliches Leid gestürzt hat.“

All diesen Krisen sei eine Sache gemein: Sie forderten die Demokratie so sehr heraus wie noch nie. Laut Dieter Koppenhöfer kommen Frieden, Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt nicht von selbst.

Leben muss bezahlbar bleiben

Im Fokus stehe, dass das Leben – unter dem Druck der steigenden Energiekosten – bezahlbar bleibe. Mindestlohn, Flächentarifverträge und ein stabiles Rentenniveau seien unabdingbar.

Die Gewerkschaft stehe klar gegen jede antidemokratische, unsolidarische und verschwörerische Ideologie und werde sich dafür einsetzen, dass die Menschen solidarisch durch diese Krise kommen. Es liege in den eigenen Händen, die Demokratie zu stärken, angefangen in den Betrieben. Die Menschen brauchen laut Koppenhöfer Sicherheit, gerade in Krisenzeiten und in Zeiten des Wandels. Daher fordere die Gewerkschaft eine gute Qualifizierung der Beschäftigten, die Erneuerung des Sicherheitsversprechens für einen solidarischen Sozialstaat mit guten Renten sowie eine Bürger- und Pflegevollversicherung. Sozialabbau zur Gegenfinanzierung der gegenwärtigen Krisen lehne sie ab: Sozialabbau sei eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie, mahnte er.

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