Tradition
Weisendorfer Kerwa hängt am seidenen Faden
Stimmung bei der Kerwa: Bleibt das weiterhin so?
Stimmung bei der Kerwa: Bleibt das weiterhin so?
Foto: Sae/Archiv
Weisendorf – Die Gemeinde Weisendorf will die Kirchweih nicht wie zuletzt 2019 ausrichten. Wie geht es weiter? Ist ein Verein die Lösung?

Die Zukunft der Weisendorfer Kerwa steht in den Sternen, auch nach der Corona-Pause der letzten beiden Jahre. Für 2022 hat sich bisher kein Ausrichter gefunden. Einen Festwirt gibt es nicht, die Gemeinde selbst tritt aber nicht als Veranstalter auf. Das wurde in der Sitzung des Marktgemeinderates am Montagabend einstimmig beschlossen. Jetzt soll gemeinsam mit den Vereinen eine Lösung gesucht werden.

Am letzten Sonntag im August 2019 stellte Weisendorf die Kerwa auf neue Beine. Es wurde ein völlig neues Konzept entwickelt. Aber es ging nicht weiter.

Den Festwirt verloren

Das Problem hatte im Grunde zuvor mit dem Aus der Erlanger Brauerei Kitzmann begonnen. Denn damit verlor Weisendorf den Festwirt.

Der damalige Bürgermeister Heinrich Süß setzte alles daran, die Kirchweih zu retten, und war sich sicher, dass dies auch ohne Festwirt geht. Ein Arbeitskreis ist ins Leben gerufen worden; der konnte mit der Privatbrauerei Hoffmann aus Pahres eine neue Brauerei verpflichten. Auch ohne Festwirt hat Weisendorf gezeigt: Dank des Engagements vieler Ehrenamtlicher aus den Vereinen konnte die Gemeinde selbst eine Kirchweih organisieren. Die Kommune hatte 2019 die gesamte Verantwortung für die Kirchweih, also Organisation und Versicherungen, auch für das Zelt und dessen Ausstattung übernommen. Dazu gehörte auch die Sicherheit durch Wachleute im und vor dem Zelt, wozu auch die Vereine beitrugen. Die Sanitäranlagen installierte ein Betrieb aus dem Marktort.

Nach zwei Jahren Corona-Pause muss mit der Planung für 2022 begonnen werden. Nachdem Vereinsvertreter bei Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein (CSU) vorstellig geworden sind, setzte er das Thema „Weisendorfer Kirchweih 2022“ auf die Tagesordnung des Gemeinderates. „Die Entscheidung (Grundsatzentscheidung) zum Ablauf, Organisation und Veranstalter muss getroffen werden. Denn aus zeitlichen Gründen bedarf es einer zeitnahen Entscheidung“, betonte der Bürgermeister in seinem Sachvortrag. Er machte klar, dass das Personal des Marktes Weisendorf wie damals im Jahr 2019 nicht zur Verfügung gestellt werden kann.

Hans Kreiner (CSU) sah bereits das Engagement der Gemeinde im Jahr 2019 kritisch, denn ein Rathaus sei kein Veranstaltungsbüro. Es gab jetzt erneut eine längere Diskussion. Eine Gemeinde solle kein Kerwa ausrichten, hieß es; zudem seien einige Ämter im Rathaus unterbesetzt und das Personal könne sich nicht auch noch mit einer Kirchweih beschäftigen, wurde betont.

Norbert Maier (Grüne) kann sich vorstellen, die Kirchweih wieder zurück in den Ortskern zu verlegen und die örtlichen Gastwirte einzubinden.

Bastian Selig berichtete aus dem damaligen Arbeitskreis. Er habe, so informierte er den Gemeinderat, im Herbst 2019 und zu Beginn des Jahres 2020 wegen eines Festwirts mit einigen Brauereien Kontakt aufgenommen, aber kein Ergebnis erzielt.

Arbeitskreis neu beleben?

Trotzdem will man aber nicht aufgeben, den Arbeitskreis wiederbeleben und möglichst schnell mit den interessierten Vereinen sprechen. Unterstützung kam dazu auch von Friedrich Mümmler (FW), der ebenfalls die Vereine wieder ins Boot holen will. Der Bürgermeister will mit den Vereinen sprechen; dabei soll die Gründung eines Vereins „Kirchweih Weisendorf“ diskutiert werden. Kann damit das Problem gelöst werden?

Zweite negative Nachricht aus der Sitzung des Marktgemeinderates: Der Heimatverein Weisendorf will die Organisation des Faschingsumzuges in Weisendorf nicht mehr übernehmen.

Da die behördlichen Auflagen für den Faschingsumzug umfassend geändert wurden, sieht sich der Heimatverein nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung zu organisieren und durchzuführen. Der Verein teilte dem Bürgermeister mit, dass er aufgrund seiner personellen Lage die Überprüfung und Einhaltung der Vorschriften nicht gewährleisten könne. Der Heimatverein hat deshalb vorgeschlagen, dass der Markt Weisendorf die Gesamtorganisation des Faschingsumzuges übernehmen solle inklusive der hiermit verbundenen Pflichten und Risiken.

„Würde der Markt Weisendorf als Veranstalter auftreten, so ist der Markt Weisendorf verpflichtet, ein Sicherheitskonzept zu erstellen und die Veranstaltung mit Security abzusichern. Der Markt Weisendorf würde dann die komplette Verantwortung für den gesamten Faschingsumzug tragen“, sagte dazu Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein (CSU).

Im einstimmigen Beschluss des Marktgemeinderates heißt es: Der Markt Weisendorf wird den Faschingsumzug 2022 nicht organisieren und ist auch nicht der Veranstalter.

„Blummazupfer“ lehnten ab

Zuvor hatte bereits ein Gespräch mit den „Weisendorfer Blummazupfern“ zu keinem Ergebnis geführt, wie der Bürgermeister erklärte. Die „Weisendorfer Blummazupfer“ wollen laut Hertlein nicht als Veranstalter und Organisator für den Umzug auftreten.