Großprojekte
Wofür Herzogenaurach seine Millionen ausgibt
Nur ganz wenige Zuhörer hatten sich im Vereinshaus eingefunden. Die Bürgerversammlung wurde aber auch per Livestream übertragen.
Nur ganz wenige Zuhörer hatten sich im Vereinshaus eingefunden. Die Bürgerversammlung wurde aber auch per Livestream übertragen.
Foto: Richard Sänger
Herzogenaurach – Bürgermeister Hacker vermeldete im fast leeren Vereinshaus einen Rekordstand bei den Rücklagen und verriet, warum sparen trotzdem angebracht ist.

Wenn das Jahr langsam zu Ende geht, bricht die Zeit der Bürgerversammlungen an. Die Rathauschefs treten vor ihre Bürger, berichten, erläutern, hören zu. So machte es auch Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) am Dienstagabend im Vereinshaus. Auch in diesem Jahr gab es die Möglichkeit, die Bürgerversammlung bequem von zu Hause aus im Livestream zu verfolgen – und auch aktiv teilzunehmen. Der Livestream und auch Corona mögen der Grund gewesen sein, dass außer den drei Bürgermeistern und den Amtsleitern nur etwa 15 bis 20 Bürgerinnen und Bürger Hackers Vortrag im Saal verfolgten, auch ein Großteil des Stadtrates blieb der Versammlung fern.

Kaum Wortmeldungen

Anscheinend waren die Ausführungen des Bürgermeisters und die Präsentation so umfassend, dass am Ende nur wenige Wortmeldungen vorlagen. So von Robert Erhardt von der Initiative „Stopp Südumfahrung“, der wissen wollte, ob weitere Bau- oder Gewerbegebiete angeschlossen werden sollen? „Dazu ist alles gesagt und ich habe das schon zum 83. Mal beantwortet“, erregte sich Hacker und verwies auf das Planfeststellungsverfahren. Bei den Fragen und Beschwerden zum Fluglärm des Nürnberger Flughafens musste der Bürgermeister auf das Luftamt Nordbayern und die in Nürnberg angesiedelten Lärmkommission verweisen. Eine weitere Frage betraf den geplanten Radweg von Beutelsdorf nach Hammerbach. Hier sei man auf der Zielgeraden, die Stadt habe sich inzwischen den größten Teil der notwendigen Grundstücke gesichert.

Höhere Bußgelder

Auch den Falschparkern soll es stärker an den Kragen gehen, beantwortete der Bürgermeister eine weitere Frage. So sei es nicht hinnehmbar, wenn auf Geh- und Schulwegen geparkt wird, um Brötchen zu holen. „Die Verwarnung muss richtig weh tun, denn ein solches Handeln sei unverantwortlich“, betonte Hacker.

Die Corona-Pandemie machte sich natürlich nahezu in allen Bereichen beim Bericht des Bürgermeisters bemerkbar, insbesondere beim Bericht zur Finanzlage der Stadt, die sich aber überraschender Weise zum Guten wendete. So werden sich die liquiden Mittel, also die Rücklagen zum Jahresende, auf rund 120 Millionen Euro belaufen. „Eine dreistellige Summe an Rücklagen hatte die Stadt noch nie“, kommentierte der Bürgermeister. Dabei sah es zu Beginn des Jahres ganz anders aus, und das Stadtoberhaupt mahnte trotz des Einnahmerekordes bei der Gewerbesteuer weiterhin zur Sparsamkeit. Wie der Bürgermeister betonte, habe die Finanzhilfe des Freistaates Bayern mit dem Konjunkturpaket des Bundes, mit der die Gewerbesteuerausfälle im Sommer 2020 ausgeglichen wurden, der Stadt sehr gut geholfen.

Im laufenden Haushaltsjahr verbesserte sich die Einnahmeprognose durch erhebliche Einmal-Nachzahlungen. Der Kämmerer hatte mit 11,4 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen kalkuliert, durch die Nachzahlungen können jetzt rund 72,8 Millionen Euro verbucht werden. Es ist keine Schuldenaufnahme vorgesehen, die Schulden werden zum Jahresende 70 000 Euro betragen. „Aber Konsolidierungsmaßnahmen sind weiterhin notwendig, da die jetzt vorliegenden Werte allein im Bereich der Gewerbesteuer einen drastischen Einbruch auf rund 10,4 Millionen Euro erwarten lassen“, warb der Bürgermeister für eine sparsame Haushaltspolitik. Rund 55 Millionen Euro der vorhandenen Rücklagen sind durch Stadt-Umland-Bahn, Schule, Kitas und Rathausneubau gebunden.

Weniger Arbeitsplätze

Bei den statistischen Angaben verwies der Bürgermeister auf eine gestiegene Einwohnerzahl um 1,12 Prozent auf 25 469 beim Erst- und Zweitwohnsitz und beim Hauptwohnsitz erhöhte sich die Einwohnerzahl in diesem Monat auf 24 680. Zu den Zahlen tragen auch die 218 Geburten (Vorjahreszahl 228) und die 242 (245) Sterbefälle bei.

Wahrscheinlich durch Corona sank die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 2,89 Prozent auf 24 128, und auch die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich im zu Ende gehenden Jahr um 100 auf einen Jahresdurchschnitt von 357. Durch den Rückgang der Arbeitsplätze sank auch die Zahl der Einpendler um 3,15 Prozent auf 19 197 und die Zahl der Auspendler nahm um 3,09 Prozent auf 5742 zu.

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