Gesundheit
Kritiker raten von Periodenunterwäsche ab
Unterhosen, die die Regelblutung aufsagen, sind meist mit antibakteriellen Bioziden versehen. Diese könnten Frauen gefährlich werden.
Unterhosen, die die Regelblutung aufsagen, sind meist mit antibakteriellen Bioziden versehen. Diese könnten Frauen gefährlich werden.
Foto: dpa
LKR Erlangen-Höchstadt – Periodenwäsche sorgt für weniger Müll und ist bequem. Doch angeblich gefährdet sie die weibliche Gesundheit. Der FT fasst die Hintergründe zusammen.

Bisher nutzen in Deutschland laut einer Umfrage der Splendid Research GmbH 96 Prozent der Frauen Einwegprodukte wie Tampons und Binden während ihrer Periode. Die Forscher gehen davon aus, dass eine menstruierende Frau in ihrem Leben 10.000 bis 17.000 Monatshygieneprodukte verbraucht.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen durch die Monatshygiene jährlich rund 75.000 bis 125.000 Tonnen Müll. Das entspricht mehr als 600.000 vollen Badewannen.

Hinzu kommt, dass Tampons und Binden teilweise aus Plastik auf Erdölbasis bestehen und somit erst nach etwa 500 Jahren verrotten, genau wie die Tonnen an Verpackungsmüll.

Zeit für eine Alternative

Das ist für immer mehr Frauen Grund genug, Alternativen zu nutzen. Artikel wie Menstruationstassen, Stoffbinden oder Periodenunterwäsche sind zwar teurer als Tampons und Binden und bestehen ebenfalls zu Teilen aus Kunststoff, doch ihre Wiederverwendbarkeit vermeidet tonnenweise Müll.

Finanziell rechnen sich die Periodenpantys von dm, adidas, Puma und Co., wenn frau diese ausschließlich während der Regel verwendet, bisher nicht.

Der Preis ist nicht ohne

Der 56er-Pack der Super-Plus-Tampons von OB kosten im Einzelhandel aktuell rund vier Euro. Geht man von einer Nutzung von 20 Tampons pro Periode aus, reicht eine große Packung also für drei Monate. Das macht 16 Euro pro Jahr, ohne Binden und Einlagen.

Periodenunterwäsche wie der Slip von Puma oder die weiteren Produkte von Modibodi kosten dagegen zwischen 25 und 40 Euro. Billigere, wie der der Drogeriekette dm rund 18 Euro. Und das nur für eine Hose, die für einen Zyklus nicht ausreicht.

Außerdem wird ihre Verwendung nur für zwei Jahre empfohlen, da mit der Zeit der Bakterienschutz im Slip nachlässt.

Kritik an den Inhaltsstoffen

Die Vermeidung von Müll ist für die Kritiker der Periodenpantys kein ausreichendes Argument für den Kauf.

Sie kreiden den Herstellern der Wäsche vor allem zwei Punkte an: Zum einen sind die meisten Panties durch ihren Plastikanteil nicht nachhaltig. Genau wie Tampons und Binden zersetzt sich das verwendete Polyester auf Erdölbasis erst nach rund 500 Jahren.

Es gibt aber bereits Produkte, bei denen die Hersteller auf das Plastik verzichten.

Sind Biozide gefährlich?

Die zweite Debatte dreht sich um die antibakterielle Schicht in den Hosen, die aus Bioziden wie Silberchlorid oder Zinkpyrithion besteht. Beide Materialien zerstören Bakterien und binden Gerüche, doch sie beseitigen – ähnlich wie Antibiotika – auch die gesundheitlich wertvollen Bakterien.

Zudem ist die Auswirkung der Stoffe als mögliche Ursache von Allergien oder einer verminderten Fruchtbarkeit noch nicht geklärt. Laut Studien sind nach zehn Wäschen der Höschen bereits 70 Prozent der Biozide ausgewaschen, die für Organismen im Wasser – wo die Biozide über das Abwasser letztendlich landen – als umweltschädlich gelten.

Kritiker der Periodenunterwäsche sind der Meinung, dass Frauen mögliche Schäden durch die Biozide nicht riskieren sollten.

Die Debatte motiviert inzwischen allerdings immer mehr Firmen, Hosen zu produzieren, die ohne Biozide auskommen.

 

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