Historie
Sonnige Zeitmesser mit Geschichte
Die Sonnenuhr in der Herzogenauracher Goethestraße zeigt noch immer die Zeit an.
Die Sonnenuhr in der Herzogenauracher Goethestraße zeigt noch immer die Zeit an.
Foto: Manfred Welker
F-Signet von Dr. Manfred Welker Fränkischer Tag
Herzogenaurach – Sonnenuhren waren lange Zeit wichtige Instrumente, mittlerweile sind sie eher Zierde − auch in Herzogenaurach.

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur“ lautete früher ein Wahlspruch. Auch heute noch findet man in Herzogenaurach Sonnenuhren, wenn man sich auf die Suche begibt. Beim Betrachten von Sonnenuhren, die aus Zahlen, Linien und einem Zeigestab bestehen, kann sich heute kaum jemand vorstellen, dass es sich dabei ehemals um modernste Zeitmessinstrumente handelte. Die Berechnung ihrer Stundenlinien war hochkompliziert, in der Antike dienten Obelisken als Gnomon − also Schattenzeiger −, das Liniennetz war auf dem ebenen Boden aufgebracht.

In Rom ließ Kaiser Augustus eine riesige Sonnenuhr mit einem eigens aus Ägypten herangeschafften Obelisken als Gnomon errichten. Dieses „Solarium Augusti“ mit imperialem Anspruch war zusätzlich mit der Ara Pacis − dem Altar des Friedens − und dem Mausoleum des Augustus kombiniert. Die Grundfläche auf die der annähernd 30 Meter hohe Obelisk seinen Schatten warf, maß über 150 mal 75 Meter. Ein Liniennetz aus Bronze, gegliedert in die Abschnitte der Tierkreiszeichen hatte zur Folge, dass die Uhr stets korrekt abzulesen war, wenn die Benutzer die Jahreszeit richtig einzuordnen verstanden.

Es genügt also nicht, einen senkrechten Stab in den Boden zu stecken und den Schattenwurf als Zeitmesser zu verwenden. Augustus hatte seinerzeit den berühmtesten Mathematiker mit der Ausarbeitung des Liniennetzes beauftragt.Gegen diese Sonnenuhren zu ebener Erde, setzten sich allmählich die uns bekannten an senkrechten Wänden durch.

Die Sonnenuhren in Herzogenaurach

Auch in Herzogenaurach gibt es einige Sonnenuhren, die der Öffentlichkeit zugänglich angebracht sind: Etwa in der Goethestraße 20, und zwei an der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena außerdem ehemals in der Schillerstraße. An der Sonnenuhr an der Südostecke des Langhauses der Stadtpfarrkirche St. Maria sind die Zeiten durch römische Zahlzeichen von sieben (morgens) über zwölf (mittags) bis fünf (nachmittags) auf einer gemalten, aufgerollten Buchrolle angebracht. Ein eiserner Zeigestab wirft den Schatten.

Zusätzlich sind vier Jahreszahlen angebracht. Die erste, 1649, bezieht sich auf eine Renovierung durch einen Nürnberger Maler. Ebenso verweist die Jahreszahl 1870 mit der Beischrift Kurr auf eine Kirchenrenovation durch die Baufirma des Johann Kurr in Herzogenaurach. Weitere Renovierungen sind für die Jahre 1930 und 1982 an der Kirchenwand vermerkt. Eine weitere, einfacher gestaltete, befindet sich an der Südwestecke der Kirche.

Eine Sonnenuhr neueren Datums findet sich in der Hauptstraße 20. Der Initiator ließ zusätzlich ein Sinnspruch anbringen, der zeigt, dass Gott der Schöpfer der Zeit ist: „Die Zeit Gottes ist unendlich. Deine Zeit ist das womit du sie anfüllst.“

Auf den Betrachter wirkt meist verwirrend, dass die Uhren nie richtig zu gehen scheinen. Dies liegt aber an mehreren Faktoren.Eine Sonnenuhr hatte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung immer die Aufgabe, die jeweilige Ortszeit anzuzeigen. Heutzutage gehen die Uhren in Mitteleuropa nach Greenwicher Zeit MEZ, also mitteleuropäischer Zeit. Dafür ist der Nullmeridian von Greenwich bei London ausschlaggebend. Außerdem herrscht im Augenblick die Sommerzeit (MESZ), wodurch sich eine zusätzliche Zeitverschiebung um eine Stunde ergibt, die hinzugezählt werden müsste.

Oft keine ganz genauen Konstruktionen

Da Kirchen in den allermeisten Fällen geostet wurden und daher immer mit einer Breitseite nach Süden wiesen, konnten die dort angebrachten Sonnenuhren nahezu das gesamte Tageslicht ausnutzen. Ob es bei der Konstruktion um eine ganz genaue Anzeige ging, ist fraglich − die Zeit wurde früher ohnehin nicht im Minutentakt abgerechnet, wie heute bei den Telefongesellschaften (bei einigen sogar im Sekundentakt). Man richtete sich vielmehr nach der Dauer des Tageslichtes, die Handwerker arbeiteten meist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, das heißt im Sommer länger, dafür im Winter etwas kürzer. Die Gläubigen richteten ihren Gang zur Messe nach den Kirchenglocken aus, benötigten also keine eigene Uhr.

Am genauesten gehen Sonnenuhren, wenn ihr Schattenstab genau auf den Himmelsnordpol gerichtet ist. Aber selbst dann geht die Sonnenuhr zu manchen Zeiten etwas vor, zu anderen Zeiten dagegen etwas nach. Diese Differenz zwischen wahrer und mittlerer Zeit bezeichnet man als Zeitgleichung. Das liegt zum einen daran, dass der Sonnentag nicht stets 24 Stunden beträgt. Außerdem ist die Erdbahn um die Sonne elliptisch und die Erdachse im Vergleich zur Erdbahnebene um 23 Grad geneigt. Um alle diese Faktoren auszugleichen, wäre eine aufwendige Konstruktion notwendig. Viel zu teuer für eine einfache Sonnenuhr an einer Kirchenwand. Und dennoch fanden Sonnenuhren lange Zeit Verwendung − bis die mechanischen Uhren immer genauer wurden.

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