Ausgefallene Kunst
Holzschnitzerei: Neue Aufgabe für alte Eiche
Der Holzschnitzer Thomas Reich aus Lichtenfels bei der Arbeit
Der Holzschnitzer Thomas Reich aus Lichtenfels bei der Arbeit
Foto: Evi Seeger
Fetzelhofen – Der Berggeist "Rübezahl" aus dem Riesengebirge wird in die alte Eiche gesägt. Der Künstler Thomas Reich kann live bei der Arbeit bestaunt werden.

Wer sagt denn, dass ein Schutzgeist nur für eine bestimmte Region zuständig sein kann. Rübezahl, der Berggeist aus dem Riesengebirge, hält gerade in Fetzelhofen „sagenhaften“ Einzug. Der „Rübezahl vom Steigerwald“, wie ihn die Ortsansässigen getauft haben, ein Kraftgenie wie sein Urahn, trägt künftig einen Baum auf seinen starken Schultern.

Trotz "Verjüngungskur" abgestorben

Die „Ruine“ der alten Eiche in der Kellergasse in Fetzelhofen bekommt in diesen Tagen „Unterstützung“ im wahrsten Sinn des Wortes. Thomas Reich aus Lichtenfels sägt mit der Motorsäge das Relief des Schutzgeistes in einen ihrer ehemals starken Äste.

Drei Jahre nach einer „Verjüngungskur“ war die Eiche im Jahr 2017 abgestorben. Jetzt wird sie einer neuen Aufgabe zugeführt. Zum einen soll die Sagengestalt Wanderer auf den etwa zwölf Kilometer langen Rundwanderweg L 3 (für Lonnerstadt) locken.

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Entlang des Wanderwegs gibt es noch weitere interessante Stationen. Da sei ein Hünengrab, der Brunnen im Sichartshof mit überdachter Sitzgruppe, das Naturdenkmal „Vier Linden“ und hoch oben auf dem Berg der Aussichtspavillon, erzählt der Fetzelhofener Heimatfreund Hermann Popp. Er zählt auch das „Fliegerdenkmal“ dazu an der Stelle, an der ein englisches Flugzeug abgestürzt ist und sieben Menschen ihr Leben verloren.

Stamm ist Lebensraum für Waldbewohner 

„Wir wollten den Baum nicht einfach stehen lassen, bis er umfällt“, sagt Popp und gibt damit die Meinung des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins wieder. Der Verein zeichnete auch verantwortlich als es darum ging, Zuschüsse von der LAG zu beantragen.

Auch eine Freigabe vom Landratsamt wurde benötigt. „Weil es ein Habitat-Baum ist, durften wir ihn nicht wegmachen“, berichtet Popp. Das bedeutet, dass der hohle Stamm Lebensraum für Käfer, Bienen und andere Tiere ist.

So kam eins zum anderen: Damit das neue Kunstwerk auch wirklich stabil ist und das Gewicht der Baum-Ruine auffangen kann, wurde Beton als Fundament eingebracht. Der wuchtige Ast wurde mit einem Kran an die Stelle gehievt, an der er dem Baum Stütze gibt.

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Weitere starke Äste mit einem Gewicht von zusammen drei Tonnen mussten entfernt werden. Auch sie sollen wieder einer Verwendung zugeführt werden. Wie übrigens auch der eigentliche Stamm der Eiche: Er soll zu einer Art Bienenhotel werden.

Zuschauen bei der Holzschnitzerei

Am heutigen Mittwoch ist die Bevölkerung ab Mittag eingeladen, dem Holzschnitzer bei seiner Arbeit in der Kellergasse zuzuschauen. Der Obst- und Gartenbauverein wird für eine Stärkung sorgen. Der Erlös soll dem Gartenbauverein helfen, den Eigenanteil an den Kosten zu finanzieren.

Der Holzschnitzer Thomas Reich, der in Lichtenfels als Pastoralreferent tätig ist, wird sein Honorar spenden. Es soll einem Waisenhaus für Mädchen in der Dominikanischen Republik zufließen, das auf Spenden angewiesen ist. In diesem Waisenhaus hat die Tochter des Holzschnitzers nach ihrem Abitur ein Jahr lang gearbeitet.