Energie-Aktion
Raus damit: Der älteste Kühlschrank ist 46 Jahre alt
Anita und Johann Hacker freuen sich über die Gutschrift, die der Bürgermeister German Hacker und die Klimaschutzbeauftragte samt Urkunde übergaben.
Anita und Johann Hacker freuen sich über die Gutschrift, die der Bürgermeister German Hacker und die Klimaschutzbeauftragte samt Urkunde übergaben.
Foto: Richard Sänger
Herzogenaurach – Das Gerät von Anita Hacker ist längst ein Stromfresser. Eine Aktion der Stadt hilft ihr, es jetzt gegen ein umweltfreundlicheres Modell zu tauschen.

Alte Kühl- und Gefriergeräte sind im Haushalt wahre Stromfresser. Sie laufen in der Regel 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Sie laufen im Dauerbetrieb und gehören zu den größten Stromfressern unter den Haushaltsgeräten. In einem Single-Haushalt werden rund 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs fürs Kühlen aufgebracht. Das belastet nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel. Oft verstecken sich in Haushalten noch Altgeräte, die 15 Jahre oder älter sind. Für solche Geräte liegt das Einsparpotenzial schnell bei 300 Kilowattstunden pro Jahr im Vergleich zu einem neuen Modell.

Mit einem neuen, energieeffizienten Kühlschrank können Verbraucher dagegen rund 80 Euro an Stromkosten jährlich sparen. Dabei fällt es nicht immer leicht, ein Altgerät zu entsorgen, das schon seit Jahren zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Dass es sich dennoch lohnt, zeigt eine Beispielrechnung: Für eine sparsame Kühl-Gefrier-Kombination (hohe Energieeffizienzklasse) fallen heute etwa 48 Euro pro Jahr an Stromkosten an. Über 15 Jahre gerechnet sind das etwa 720 Euro Stromkosten. Ein vergleichbares Gerät aus dem Jahr 1992 verursacht über den gleichen Zeitraum fast 2000 Euro. Deshalb schaffte man in Herzogenaurach für Privathaushalte einen Anreiz, das alte Kühl-/Gefriergerät durch ein effizienteres Neugerät zu ersetzen – Energiesparprämie.

Niedrigerer Betriebslärm

„Der Klimawandel und die Energiewende zählen zu den wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts und werden unsere Zukunft maßgeblich bestimmen – auch in Herzogenaurach“, sagt dazu Bürgermeister German Hacker bei der Familie Anita und Johann Hacker. In die Lisztstraße kam der Bürgermeister, zusammen mit der Klimaschutzbeauftragten Mignon Ramsbeck-Ullmann vom Amt für Planung, Natur und Umwelt, um die Familie zu belohnen. „Einerseits ist die Langlebigkeit der damaligen Technik bemerkenswert, andererseits sind neue Geräte wesentlich effizienter und dank modernster Technik verbrauchen sie deutlich weniger Strom und Wasser. Das macht sich bei einem Austausch auch direkt in der nächsten Jahresendabrechnung des Strom- und Wasserversorgers bemerkbar. Auch der Betriebslärm eines Neugerätes ist deutlich leiser“, erklärt die Klimaschutzbeauftragte beim Pressetermin an der Lisztstraße.

Neben Kühl- und Gefrierschänken entfallen auf den Bereich „Wäschepflege“ in deutschen Haushalten rund 14 Prozent des Wasser- und 15 Prozent des Stromverbrauchs. Dabei wird ein Großteil der aufgewandten Energie direkt zum Aufheizen des Wassers benötigt. Ist die Waschmaschine beispielsweise ca. 20 Jahre alt, verbraucht sie je Waschgang etwa 100 Liter Wasser. Moderne Geräte hingegen kommen mit der Hälfte, in einigen Fällen sogar mit einem Drittel der Wassermenge aus. Ähnliches gilt für den Stromverbrauch. „Der Austausch veralteter Geräte im Haushalt lohnt sich also“, betont Bürgermeister German Hacker mit Nachdruck.

Die Enkelin wurde aktiv

Die Stadt Herzogenaurach suchte deshalb die nachweislich ältesten, noch in Betrieb befindlichen Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen und Trockner der Stadt, um die Besitzer beim Austausch der Altgeräte zu unterstützen. Werden diese durch ein effizientes neues Gerät ausgetauscht, gibt es eine Gutschrift von 250 bis 500 Euro je nach Kategorie. Dem Aufruf folgten zahlreiche austauschwillige Altgerätebesitzer. Die Ermittlung des exakten Alters erforderte dabei allerdings teilweise detektivische Fähigkeiten, denn nicht jeder konnte noch eine Rechnung vorweisen oder aber die Herstellerfirma existiert nicht mehr, um dort nachzufragen.

Das älteste Gerät konnte Anita Hacker vorweisen. Ihr Kühlschrank hat ganze 46 Jahre auf dem Buckel. Sie darf sich jetzt über 250 Euro Unterstützung für ein energieeffizientes Neugerät freuen. Ihre Enkelin Elisa hatte den Aufruf im Amtsblatt gelesen und die Oma dazu überredet, den alten Privileg-Kühlschrank der ehemaligen Quelle auszutauschen.

„Den Kühlschrank habe ich vor 36 Jahren von einer Arbeitskollegin bekommen, wir haben damals gebaut und wie überall, wir mussten sparen“, erzählt Anita Hacker. Nach der Küche wanderte der Kühlschrank später in den Partykeller und als keine Partys mehr stattfanden, wurde darin der selbst gebrannte Schnaps vom Vater aufbewahrt.

Bei der Übergabe des Gutscheins ließ sich der Bürgermeister denn auch dazu überreden, einen selbst gebrannten Holunderschnaps zu probieren.

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