Klimawandel
Weg frei für die Eichen
Reiner Seifert zeigt: Diese Kiefern mussten weichen, zum Teil waren sie hundert Jahre alt.
Reiner Seifert zeigt: Diese Kiefern mussten weichen, zum Teil waren sie hundert Jahre alt.
Foto: Britta Schnake
Höchstadt a. d. Aisch – In Höchstadt wird wegen des Klimawandels der Umbau des Waldes vorangetrieben. Statt Kiefern sollen widerstandsfähigere Arten heranwachsen.

Der Wald ist im Umbruch begriffen, was dem Wassermangel aufgrund fehlenden Regens und höherer Temperaturen geschuldet ist – also dem Klimawandel. Bereits seit 30 Jahren wird diesem Umstand in den Stadtwäldern rund um die Antonius-Kapelle konsequent Rechnung getragen.

„2003 hatten wir das erste Trockenjahr“, berichtet der Abteilungsleiter Forsten, Reiner Seifert, bei einem Rundgang durch einen Teil des „Kapellenschlags“, einer 24,5 Hektar großen Waldabteilung des Sterpersdorfer und Weidendorfer Waldes, der insgesamt eine Größe von 76,37 Hektar aufweist. Allein im Bereich der Antonius-Kapelle zeigen die Kiefern und Fichten auf einer Fläche von 21 Hektar Schäden. „2004 hat das Waldsterben dann begonnen“, erzählt Seifert, „2015, 2016 und 2017 ging es dramatisch weiter, da ist das Waldsterben richtig in Gang gekommen.“

Kaum zu erkennen, aber dieses dünne Stängelchen neben Cornelia Saikos Finger ist eine drei Jahre alte Eiche.
Kaum zu erkennen, aber dieses dünne Stängelchen neben Cornelia Saikos Finger ist eine drei Jahre alte Eiche.
Foto: Britta Schnake

Angeführt wird die Begehung von Revierleiterin und Forstoberinspektorin Cornelia Saiko. Die 31-jährige zeigt der Gruppe um Bürgermeister Gerald Brehm die beschädigten Waldkiefern. „Hier sieht man am stärksten die Trockenschäden“, sagt sie und deutet auf eine Gruppe erbärmlich anmutender Kiefern, „sehr viele haben Mistelbefall. Mindestens jede zweite Kiefer. Die ziehen das Wasser raus und lassen die Kiefern schneller absterben“.

„Früher haben wir uns die Misteln brüderlich geteilt“, weiß auch Seifert zu berichten, „heute findet man die überall.“ Ein paar Schritte tiefer im Wald zeigt Saiko den Besuchern winzige kleine Ästchen, welche aus dem Boden ragen. Dabei handelt es sich um Traubeneichen und Stieleichen. 2018 wurden hier acht Zentner Eicheln mit einem Weinbergschlepper ausgebracht.

Die Pflänzchen brauchen Licht

Die kleinen Kerlchen sind so winzig, weil sie die ersten Jahre ihre Kraft in die Wurzeln investieren, wie Saikos Vorgänger Stefan Stirnweiß, Mitarbeiter im Leistungsbereich Forsten, erklärt. Wenn sie das Gröbste überwunden haben, können sie pro Jahr etwa einen dreiviertel Meter wachsen. Was die kleinen Stängelchen nun am meisten brauchen, ist Licht, „deshalb kommt das meiste Holz raus“, so Saiko.

Die Revierleiterin erläutert Alexander Schulz (von links), Bürgermeister Gerald Brehm und Josef Beßler den Waldumbau.
Die Revierleiterin erläutert Alexander Schulz (von links), Bürgermeister Gerald Brehm und Josef Beßler den Waldumbau.
Foto: Britta Schnake

Ein Problem sind auch die Brombeersträucher, weil diese laut Saiko alles überwuchern, wenn man nichts unternimmt. „Die CO2“-Senke geht verloren“, stellt Stirnweiß fest. Aber auch durch Rehverbiss droht den Eichen Schaden. Aus diesem Grund sollen die 1,2 Hektar, auf denen die Eichen sich ihren Weg in die Höhe bahnen sollen, nun mit einem Zaun geschützt werden, ein Durchgang für die Rehe wird laut Saiko aber geschaffen.

Wie es aussehen kann, wenn ein paar Jahre ins Land gegangen sind, zeigt Stirnweiß, der schon seit 28 Jahren in dem Metier unterwegs ist, in einem Bereich, in dem er sich bereits 1999 um die Verjüngung gekümmert hat. Auf diesem Areal wurden damals zwölf Zentner Eicheln ausgebracht, das sind etwa 200 000 Stück. Damals hat die Stadt dafür 800 DM hingeblättert.

„Eichen sind, was den Boden betrifft, sehr tolerant“, erläutert Stirnweiß, „Selbst Sand- und Tonböden können sie gut durchwurzeln.“ 60 Eichen sind nun zu einer doch recht stattlichen Größe herangewachsen, auch wenn sie ein wenig dünn erscheinen. „In 20 Jahren werden wir sehen, was Frau Saiko ausgesät hat“, sagt Seifert. Sicher könnte man auch Pflänzchen setzen, aber: „Der Vorteil der Saat ist, dass die Wurzeln eine bessere Ausgangsposition haben“, so die Revierleiterin, „würde man Pflanzen nehmen, wären diese in einem ganz anderen Boden groß geworden. Unsere sind an diesen Boden gewöhnt.“

Eichen sind aber nur eine der Arten, die in Zukunft unsere Wälder bevölkern werden. Im Nebenbestand sollen laut Saiko Hainbuchen, Linden und Rotbuchen stehen, um die Eichen zu beschatten. Als ökologischen Waldrand könnte sie sich Heckengehölze wie die Vogelkirsche vorstellen, „im Bestandsinneren Spitzahorn und Douglasie“.

Zuerst müssen Bäume raus

Um all dies in Gang zu bringen, müssen aber einige Bäume raus. „Zuerst die Saat in den Bestand, dann wird das Holz gemacht“, so Saiko. „Da kommen dann aber gleich Protestaktionen“, erklärt Seifert. „Wir haben aber den Klimawandel, das ist unser Problem.“

Doch nichts von dem, was hier im Wald geschieht, wird leichtfertig geplant. „Wenn ein Bauer eine falsche Entscheidung trifft, dann pflügt er das einfach unter. Hier im Wald haben wir das Problem, dass dies Entscheidungen für viele Jahre sind“, legt Seifert dar. „Jedes Jahr zählt beim Umbau unserer stark geschädigten Kiefernwälder“, sagt Saiko und stellt damit klar, dass der Umbau des Waldes nicht aufgeschoben werden kann.