Digitalisierung
Glasfaserkabel sollen Heßdorf ins Netz bringen
Glasfaserkabel wie diese würde ein Unternehmen in Heßdorf bis ins Haus verlegen.
Glasfaserkabel wie diese würde ein Unternehmen in Heßdorf bis ins Haus verlegen.
Foto: Jens Büttner, dpa
Heßdorf – Die Heßdorfer sind sich darüber einig, dass sie möglichst flächendeckend schnelleres Internet wollen. Es gibt verschiedene Angebote.

„Projekt Zukunft – Glasfaser in Heßdorf“ war der Hauptpunkt der jüngsten Sitzung des Gemeinderates in der Aula der Grundschule in Hannberg. Riesige Datenmengen in rasendem Tempo down- und uploaden, Filme in HD ruckelfrei anschauen, störungsfrei ohne Verzögerungen/Unterbrechungen mehrere Dienste, Anwendungen und Kommunikationskanäle gleichzeitig nutzen – mit einer Internetverbindung über Glasfaser bis ins Haus (FTTH) geht das schon heute besser als mit jeder anderen Verbindung.

Wie bereits bei einigen Nachbargemeinden stellte Projektmanager Enrico Hesse von der Firma Deutsche Glasfaser auch in Heßdorf das Konzept zum Glasfaserausbau vor. Warum schnelles Internet benötigt werde, sei klar: „Nicht zuletzt hat Corona die Digitalisierung in allen Bereichen vorangetrieben“, erklärte Hesse. Nachdem etwa durch Homeoffice und Streamingdienste das Datenvolumen in Gigabyte pro Haushalt immer mehr ansteige, seien künftig die bisherigen Kupferkabel nicht mehr ausreichend. Hierbei biete die Glasfaserleitung mit unbegrenzter Leistungsfähigkeit eine ideale Lösung.

Genügend Kunden finden

Um den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in der Gemeinde voranzutreiben, muss ein Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser GmbH abgeschlossen werden. Ob das Projekt am Ende tatsächlich zustande kommt, hängt wesentlich davon ab, ob sich genügend Kunden finden, die auf schnelles Internet umstellen wollen. Sobald die Nachfragebündelung die erforderlichen 40 Prozent erreicht habe, sei dies der Startschuss für den Ausbau des Glasfasernetzes in Heßdorf. Danach starte das Unternehmen direkt mit der konkreten Planung für die schnelle und umweltschonende Umsetzung – angefangen vom Errichten der Haupt- und Unterverteiler bis hin zum Verlegen der Glasfaserkabel.

Anschluss kostet später 750 Euro

Um den Bürgern einen Vertragsabschluss schmackhaft zu machen, setzt das Unternehmen in der Startphase auf ein besonderes Angebot: Wer noch in der Zeit der Nachfragebündelung einen Vertrag abschließt, bekommt den Hausanschluss kostenlos verlegt. Später, wenn ein Bautrupp extra anrücken muss, ist dafür ein Betrag von 750 Euro fällig. Hesse nennt auch Baudetails: „Der Vorgarten bleibt unberührt“, verspricht er. Das Glasfaserkabel werde bei einem Ausbau durch seine Firma bis in die Wohnung verlegt – und ende nicht am Verteilerkasten. Das Verlegen der Leitungen erfolgt laut Hesse „minimal-invasiv“ mittels Fräs- und Spülverfahren. Danach werde der Gehweg „selbstverständlich ordnungsgemäß wieder versiegelt“.

Seit Jahren ist die Versorgung in den einzelnen Ortsteilen mit schnellem Internet sehr unterschiedlich. Grund sind topografische Gegebenheiten und die zögerliche Bereitschaft einzelner Versorger. Unterschiedliche Unternehmen mit unterschiedlichen Leistungsangeboten sind daher seit Jahren in Heßdorf die Norm. Das Angebot der Deutschen Glasfaser zu deren eigenwirtschaftlichem Ausbau eines Glasfasernetzes in Heßdorf klingt verlockend.

Skepsis im Gemeinderat

Dennoch herrscht dazu im Gemeinderat auch Skepsis. Grund dafür: Nach Recherchen einzelner Ratsmitglieder besteht bei Referenz-Projekten in anderen Gemeinden teilweise massive Unzufriedenheit hinsichtlich der Ausführung.

Zudem konzentriere sich die Deutsche Glasfaser wie nahezu alle Anbieter auf den Hauptort, um möglichst viele Kunden binden zu können, und die kleineren Ortsteile bleiben dabei unberücksichtigt, deren Anschluss muss mit Hilfe von Fördergeldern realisiert werden. Stefan Reif (CSU) wies darauf hin, dass eine Reihe von Haushalten bereits über schnelles Internet verfüge und dazu auch Verträge mit der Deutschen Telekom abgeschlossen habe. Er fordert deshalb als Grundbedingung für einen Kooperationsvertrag, dass allen Ortsteilen die Möglichkeit für einen Anschluss geboten werden muss. Dies kann Hesse allerdings nicht zusagen. Bei Hesselberg könne dazu ein bereits verlegtes Leerrohr genutzt werden, das sei zwar ein Pluspunkt für eine mögliche Anbindung, festlegen wollte sich Hesse aber nicht.

Vertrag für zwei Jahre

Auf Nachfrage aus dem Gremium erklärte Hesse, dass die Deutsche Glasfaser kein geschlossenes Netz anbiete, sondern „open access“. Das heißt, wenn 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen haben, könnten auch andere Anbieter das Glasfasernetz nutzen. Eine Vertragsbindung mit der Deutschen Glasfaser bestehe für den Kunden vorerst für zwei Jahre.

Nach Abschluss des Kooperationsvertrages will die Deutsche Glasfaser die Bürger der Gemeinde zu einer Informationsveranstaltung einladen. Etwas später folgt das eigentliche Anmeldeverfahren, die sogenannte Nachfragebündelung. Dazu soll eine Anlaufstelle (Servicepunkt) in Heßdorf eingerichtet werden, an die sich interessierte Kunden auch bei konkreten Fragen zu den Vertragsinhalten wenden können.

Ein Gemeinderatsbeschluss erfolgte nicht, die Verwaltung will weitere Angebote prüfen. Dazu erklärte Bürgermeister Horst Rehder (BB) am Ende, die Deutsche Telekom hätte just in den letzten Tagen ebenfalls Interesse an einem eigenwirtschaftlichen Ausbau signalisiert.