Baukosten
Hauptausschuss kritisiert Kostenexplosion heftig
So sieht das Pfarrzentrum zurzeit aus. Das Gebäude wird teilweise abgerissen und entsteht an gleicher Stelle neu.
So sieht das Pfarrzentrum zurzeit aus. Das Gebäude wird teilweise abgerissen und entsteht an gleicher Stelle neu.
Foto: R. Sänger
Herzogenaurach – Beim Neubau des Pfarrzentrums in Niederndorf geht der Planer geht von knapp 14 Millionen Euro aus. Veranschlagt waren ursprünglich 12,6 Millionen.

Die katholische Kirchenstiftung St. Josef Niederndorf plant – in enger Abstimmung mit der Stadt Herzogenaurach – im Zentrum Niederndorfs den Neubau des Pfarrzentrums in Verbindung mit einer neuen siebengruppigen Kindertagesstätte.

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wurden bei ihrer Sitzung vom neuen Kostenrahmen des Pfarrzentrums mit Kindertagesstätte nicht wirklich überrascht, stellten dem Planer aber durchaus kritische Fragen. Im November 2020 hatte der Stadtrat der Planung der Kindertagesstätte und einem Kostenrahmen von geschätzten 12,6 Millionen Euro zugestimmt.

Materialpreis stieg um bis zu 40 Prozent

„Wir reden über schwierige Zeiten im Bausektor und eine deutliche Kostenexplosion sowie einen Preisanstieg von 30 bis 40 Prozent beim Material“, schickte Architekt Frank Sieber vom Büro Format4pro aus Bamberg seinem Vortrag voraus. Die räumliche Anordnung nehme die Platz- und Raumgestaltung des vorhandenen Ensembles beabsichtigt auf. Dem Erhalt des Charakters des alten Gebäudes gelte hier besonderes Augenmerk.

Das Gelände sei unterteilt in den Kinderkrippenbereich im Südosten des Geländes und den Kindergartenbereich für die Kinder von drei bis sechs Jahren im Norden des Geländes. Die Bereiche untereinander werden nicht getrennt, da das pädagogische Konzept des Kindergartens ein gemeinsames Spielen vorsieht. Es wurden jedoch separate Bereiche geplant, damit eine Trennung jederzeit möglich ist.

Seit der Vorstellung des Konzeptes im November 2020 im Stadtrat zogen die Baupreise aber deutlich an, und beim Haupt- und Finanzausschuss sorgte die aktuelle Kostenentwicklung nicht gerade für Begeisterung, denn der Planer geht jetzt von knapp 14 Millionen Euro Baukosten gegenüber 12,6 Millionen aus. Damit erhöht sich auch der städtische Anteil um eine Million auf jetzt geschätzte 11,4 Millionen Euro. „In den Kosten ist allerdings kein Grunderwerb enthalten, denn das Areal wird von der Kirchenstiftung zur Verfügung gestellt“, betonte Bürgermeister German Hacker.

Für den bei der Sitzung anwesenden Bauherrn und Pfarrer Helmut Hetzel ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht: „Noch höhere Kosten gehen nicht mehr, dann müssen wir anders planen, denn noch mehr Kosten kann die Kirchenstiftung nicht mehr schultern“, kommentierte der Pfarrer die Kostenmehrung und betonte, dass er es den Planern nicht leicht gemacht habe.

Die vom Planer prognostizierte Kostenerhöhung sorgte auch bei Bürgermeister Hacker für keinerlei Begeisterung. Er stellte bei einigen Punkten bohrende Nachfragen, um Kosteneinsparungen zu erreichen, so zur Lüftungsanlage und Energieversorgung.

Der Planer versuchte, eine Reihe von Kostenmehrungen mit neuen Vorschriften und Regelungen sowie Vorgaben der Denkmalbehörde wegen der Nähe zur Kirche, die sich letztlich dann in den Kosten niederschlügen, zu begründen. Nach Aussage des Planers können nahezu alle Forderungen der Behörden erfüllt werden und man stehe bereits kurz vor der Baugenehmigung.

Zum Beispiel dürfe das Regenwasser aus Kapazitätsgründen nicht direkt in die Kanalisation abfließen, sondern werde über Regenrückhaltebecken und Zisternen dosiert abgegeben oder versickere auf dem Grundstück – und dies führe natürlich zu Mehrkosten.

Doppelte Lüftungsanlage

Auch die Lüftungsanlagen der beiden Gebäudeflügel sorgten etwas für Unmut. „Das überzeugt mich nicht wirklich, das muss ich ehrlich sagen“, kommentierte der Bürgermeister den Aufwand der beiden Lüftungsanlagen sowie die Erhöhung des elektrischen Hausanschlusses und die zusätzlichen Kosten der Erdwärmesonden. Denn das neue Pfarrzentrum bekommt auch eine Pelletheizung, die aber später auf eine andere Energieversorgung umgerüstet werden kann. Nach Aussage des Planers sind aber die Erdwärmesonden auf längere Sicht energetisch günstiger als eine Versorgung mit Gas. Die doppelte Lüftungsanlage sei aber unumgänglich, denn die Raumhöhen sowie die Auflagen der Denkmalbehörde ließen keine andere Lösung zu.

„Das ist eine Fehlplanung in der Anfangsphase, und die Kostenmehrungen basieren von Beginn an auf dieser Fehlplanung“, kritisierte Holger Auernheimer (SPD) die Mehrkosten beim Stromanschluss und die Viertelmillion für die Sicherung der Bäume auf der Rückseite des Südflügels.

„Wenn beim Stromanschluss der Außenbereich und die Kirche sowie die Sakristei mit einbezogen werden, wird die Kapazität überschritten“, berichtete der Planer vom Ergebnis der Gespräche mit den Herzo-Werken.

Auf Nachfrage von Michael Dassler (FDP), der ebenfalls die Kostenmehrung kritisierte, erklärte Frank Sieber, dass die Bäume auf der Rückseite des Südflügels zu groß zum Verpflanzen seien und auf Wunsch der Stadt erhalten werden sollen.

„Wie viel ist ein Baum wert?“, fragte Konrad Körner (CSU) und hoffte auf Preisreduzierungen bei den Vergaben.

„Fällen oder schützen?, war die Frage, wir haben uns fürs Schützen entschieden“, beendete der Bürgermeister die Diskussion um die Bäume. Deswegen müssten diese mit einem Verbau geschützt werden, um nicht in die Baugrube abzurutschen.

Planer hofft auf Preissenkungen

Außerdem wurden die Baukosten nach Flächen und baulichen Vorgaben sowie aktuellen Preisen ermittelt.

„Wir hoffen auf eine Beruhigung der Wirtschaft und mögliche Preissenkungen“, meinte der Planer – und sorgte damit bei den Stadträten für ungläubiges Schmunzeln.

Bürgermeister Hacker und Thomas Kotzer (CSU) wiesen darauf hin, dass nicht allein die Kita für die Kostenmehrung verantwortlich sei. Der Bürgermeister betonte, der Öffentlichkeit gegenüber nicht zu behaupten, „wir bauen eine Kita für 14 Millionen“.

Nach Auffassung von Retta Müller-Schimmel (Grüne) ist das Heizungssystem kontraproduktiv; sie würde sich Photovoltaik auf der Freifläche wünschen, weil das Dach des Südflügels tabu sei. Ihr Vorschlag, die Zufahrt im Norden mit Photovoltaikanlagen zu überdachen, stieß wegen des angrenzenden Friedhofes und der Feuerwehrzufahrt auf Ablehnung: „Mir zieht’s die Schuhe aus. Das ist der zentrale Platz von Niederndorf, und eine PV-Anlage macht sich da nicht gerade gut“, kommentierte Claudia Belzer (SPD).

„Abwatschen lass’ ich mich nicht, denn es gibt durchaus die Möglichkeit einer PV-Anlage“, konterte Retta Müller-Schimmel.

„Die Vorstellung und die Mehrkosten haben mich eigentlich nicht wirklich überrascht, und ich wäre glücklich, wenn es am Ende bei 14 Millionen Euro bleibt“, meinte Bernhard Schwab (CSU), der sogar von einem Nachtrag ausgeht. Am Ende wurde der einstimmige Empfehlungsbeschluss für den Stadtrat gefasst, den neuen Kostenrahmen freizugeben.