Erziehung
Kindergarten sorgt weiter für Diskussion
Der alte Kindergarten in Mühlhausen beherbergt vier Gruppen.
Der alte Kindergarten in Mühlhausen beherbergt vier Gruppen.
Foto: Evi Seeger
Mühlhausen – Erneut befasste man sich in Mühlhausen mit dem Neubau. Dieser soll 4,85 Millionen Euro kosten.

Es war fast ein Déjà-vu: „Zu groß, zu teuer und vielleicht am falschen Platz“, war vor einem Jahr an gleicher Stelle im Fränkischen Tag zu lesen. Schon damals wurde der für fünf Gruppen (36 Krippen- und 50 Regelplätze) geplante Kindergartenneubau infrage gestellt. In der Sitzung am Dienstag wurde die vorgelegte Planung noch einmal neu aufgerollt.

Manches unverständlich

Für den nicht eingeweihten Zuhörer blieb dabei manches unverständlich. Offensichtlich war viel hinter verschlossenen Türen vereinbart worden. Der Pressevorlage war zu entnehmen, dass genau eine Woche zuvor, am 21. September, eine Sondersitzung stattgefunden hatte. Wie Bürgermeister Klaus Faatz in der Sitzung verlauten ließ, war in dieser – nichtöffentlichen – Sitzung über den Haushalt und auch über den Kita-Neubau beraten worden. Ob die in der aktuellen Sitzung aufeinanderprallenden Behauptungen den Tatsachen entsprachen, war somit nicht zu ergründen.

Großes Erstaunen

Groß war jedenfalls das Erstaunen, dass anstelle des früheren Planers jetzt ein neues Architektenteam das Projekt samt Kostenschätzungen vorstellte. Demnach schneidet die Massivbauweise gegenüber einem Modulbau kostengünstiger ab. Aus Ersparnisgründen hatte der Architekt Lothar Kalau Pultdächer geplant und – als coronagerechte Ausstattung – eine zentrale Lüftungsanlage vorgesehen. Dies habe den Vorteil, dass die Wartung ohne Störung des Kindergartenbetriebs durchgeführt werden könne. Für die Anlage sprach auch, dass 80 Prozent der Kosten von rund 235 000 Euro gefördert werden. Der Antrag müsse bis Ende 2021 gestellt werden, denn dann laufe das Förderprogramm aus. Mit 100 000 Euro war in der Kostenschätzung zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Kita-Dach einkalkuliert.

Mitte 2023 soll alles fertig sein

Auf 4,67 Millionen Euro war die vorgestellte Variante veranschlagt. Die staatliche Förderung von 2,3 bis 2,4 Millionen Euro schien ebenso in trockenen Tüchern wie der vom Architekten ausgearbeitete Zeitplan: Baubeginn April 2022, Fertigstellung Mitte 2023. Dass es im vergangenen Jahr zu ordentlichen Kostensteigerungen am Bau gekommen ist, dürfte wohl niemanden überrascht haben. Dies alles, samt den Kosten von 4,67 Millionen Euro, lag bereits schriftlich fixiert im Beschlussvorschlag vor.

Kosten sorgen für Bedenken

Doch Bürgermeister Klaus Faatz hatte die Rechnung wohl ohne den Wirt gemacht. Insbesondere einigen Räten der Freien Wähler war der Kita-Neubau zu teuer. „Jeder Bauherr weiß, dass er mit den geplanten Kosten nicht auskommt“, sagte Zweiter Bürgermeister Alexander Schüpferling. Ein Puffer von zehn Prozent müsse immer vorgesehen werden. Damit koste der Neubau dann fünf Millionen Euro. Schüpferling warf zudem die Frage auf, woher das Personal für die Kita kommen solle.

Nach Zahlen befragt, antworteten die anwesenden Erzieherinnen, die Kapazitäten seien derzeit nahezu ausgelastet. Das heißt, dass die vier Gruppen im Haupthaus und die zwei im Container-Provisorium „zu 80 Prozent belegt sind“, stellte Bürgermeister Faatz fest. In die Planung müssten die neuen Baugebiete eingerechnet werden. „An diese Vorgaben sollten wir uns halten, sonst besteht Gefahr, dass wir die Förderung nicht bekommen.“ Sofern man von fünf Gruppen auf drei reduziere, sei das Förderprogramm hinfällig.

Viele Gegenargumente

In der Diskussion wurden alle möglichen Argumente gegen das vorgestellte Konzept vorgebracht: „Wir verschulden uns auf Jahre“, meinte Daniel Wagner. Ralf Geyer übte Kritik am Standort bei der Schule wie auch an den Kosten. Robert Hertlein machte sich für Holzbauweise stark. Nachdem Holz vor zwei Jahren sehr teuer war, könne man jetzt wieder damit bauen. Ein Holzständerbau sei ökologisch, bringe einen besseren Wärmeschutz und sei schneller zu realisieren.

Teurung in Scheibchen

Dass der Neubau jetzt „scheibchenweise teurer wird“, bereitete Drittem Bürgermeister Walter Jakob „Bauchschmerzen“. Mit Holz aus der Region könne er sich aber sogar mit den Kosten anfreunden. Dennoch hakte er nach, „wo denn das Ende der Fahnenstange ist“. Die Frage der Verschuldung müsse erst mit der Rechtsaufsicht geklärt werden. Faatz hielt mit der Aussage des Kämmerers dagegen. Vier Millionen Euro seien im Haushalt eingeplant, die Finanzierung sei möglich.

Namentliche Abstimmung

Am Ende der Diskussion wurde eine namentliche Abstimmung gefordert. Faatz ließ zunächst über die Größe des Neubaus abstimmen. Vier Räte stimmten gegen einen fünfgruppigen Bau. Im zweiten Beschluss ging es um Massiv- oder Holzbauweise. Hier war Bürgermeister Faatz auf einsamem Posten. Elf Räte sprachen sich für Holzbauweise aus. Damit haben sie die Variante gewählt, die laut Schätzung auf 4,85 Millionen Euro veranschlagt ist. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.