Wiesenbronn
Wiesenbronn wurde zum Modellgebiet für Wildlebensraum ernannt – als erste Gemeinde im Landkreis Kitzingen
Wiesenbronn wurde zum Wildlebensraum-Modellgebiet ernannt. Zum symbolischen Start wurde ein Maulbeerbaum hinter der Kirche gepflanzt.
Wiesenbronn wurde zum Wildlebensraum-Modellgebiet ernannt. Zum symbolischen Start wurde ein Maulbeerbaum hinter der Kirche gepflanzt.
Foto: Winfried Worschech
Wiesenbronn – Als erste Gemeinde im Landkreis Kitzingen wurde Wiesenbronn zum "Wildlebensraum-Modellgebiet" ernannt. Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen/Würzburg, der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim (LWG) und Vertreter der Winzergemeinde Wiesenbronn nahmen am Montag den symbolischen Start mit der Pflanzung eines Maulbeerbaums auf dem Platz neben dem Parkplatz hinter der Kirche vor. "So hohen Besuch haben wir selten", stellte Bürgermeister Volkhard Warmdt bei dieser Gelegenheit fest.

Zum Werdegang erklärte er, dass man zunächst "einen Koffer voller Ideen" und die Überlegung gehabt habe, "ob wir das alleine fertig bringen". Das habe den Anschub zu einigen Unternehmungen gegeben "und ich habe Heiner Wilhelm, den Naturschutzbeauftragten unserer Gemeinde, nicht aufgehalten", so Warmdt. Im gemeindlichen Bereich sei da etwas möglich gewesen, so am Häckselplatz, beim Bau von Nistkästen für Höhlenbrüter, bei der Umgestaltung der Schotterfläche vor dem Kindergarten oder bei Maßnahmen im ehemaligen Steinbruch, von denen auch die Gelbbauchunke profitierte. Der Bürgermeister äußerte die Hoffnung, dass Stein- und Schottergärten im Dorf verschwinden, "da wir die Biodiversität nicht nur in der Flur fest im Bewusstsein haben". Die Ernennung zum Modellgebiet sah er als Anerkennung der bisherigen Arbeit.

Matthias Mend, stellvertretender Leiter des Instituts für Weinbau und Oenologie der LWG, zeigte sich erfreut darüber, dass Wiesenbronn für ein Projekt zur Lebensraumverbesserung geeignet ist. Mit Blick auf vergangene Jahrzehnte erinnerte er daran, dass es früher vor allem um Produktivität ging, während es jetzt an der Zeit sei, neue Strukturen zu schaffen und die Artenvielfalt zu erhöhen. Dieses Ziel, das auch im Weinbau umgesetzt werden solle, unterstütze die LWG.

Maulbeerbaum als Symbol des Neubeginns

Elfi Raunecker von der AELF-Behördenleitung bezeichnete die Pflanzung des Maulbeerbaums als "Symbol des Neubeginns und des Starts für die Wiesenbronner Wildlebensraumberatung". Den Maulbeerbaum stellte sie als älteste Kulturpflanze und "idealen Baum für das Weinbauklima" vor, der auch mit trockenen und heißen Sommern zurecht komme, "er ist in der chinesischen Medizin sehr beliebt", so Raunecker.

Beate Wende, bei der LWG zuständig für die Wildlebensraumberatung im Weinbau, bedauerte, dass bei der Flur- und Weinbergsbereinigung viele Strukturen verloren gingen, "da Land- und Forstwirtschaft von der Bodenfruchtbarkeit aufgrund jahrhundertelanger Bewirtschaftung und Biodiversität leben". Die Wildlebensraumberatung, für die jedes AELF den Auftrag habe, habe deshalb die Aufgabe, die Symbiose und wertvolle Strukturen wieder herzustellen. Dafür müssen in Zusammenarbeit mit dem landwirtschaftlichen Betrieb geeignete Ecken gefunden und ein Maßnahmenpaket erstellt werden, dessen Umsetzung freiwillig sei. Dazu gebe es Hinweise auf Förderprogramme und für Dauerflächen Beratung und hohe Zuschüsse.

Theresa Bäuml (AELF) informierte zur Neustrukturierung des Kulturlandschaftsprogramms, die ab 2023 wirksam werde, wichtig für Artenvielfalt und –erhalt sei und die Landwirte unterstütze, "die mehr tun wollen". Dass da schon einiges in die Wege geleitet wurde, zeige die Tatsache, dass es im Landkreis Kitzingen inzwischen 500 Hektar Blühfläche gebe und rund 500 neue Streuobstbäume gepflanzt wurden, "solche Flächen sind wichtige Rückzugsräume für Tiere".

Schon kleine Bereiche können wertvollen Lebensraum bieten

Zum Programm gehört zum Beispiel auch das Mähen mit dem Messerbalken oder die Aussaat von Wildpflanzen für Biogasbetreiber, "es kommt auch noch eine Info-Veranstaltung zu den Förderprogrammen" erklärte Bäuml.

Bei einem kurzen Spaziergang in der Nähe des Parkplatzes zeigte Naturschutzbeauftragter Heiner Wilhelm, dass schon kleinere Bereiche mit Steinriegeln, Totholz, Büschen und Kräutern wertvollen Lebensraum bieten können. Ein Mulchstreifen neben dem Häckselplatz dient als Hirsch- und Nashornkäfer-Kinderstube. Als Endziel habe man sich das Vernetzen der Nischen gesetzt, "aber das dauert noch".