Kronacher Stadtrat
Am Solarpark scheiden sich die Geister
Bei Fischbach soll eine große Photovoltaikanlage entstehen.
Bei Fischbach soll eine große Photovoltaikanlage entstehen.
Foto: Patrick Pleul, dpa
Kronach – Der Stadtrat diskutierte kontrovers über den geplanten Solarpark Fischbach. Am Ende fand sich aber doch eine Mehrheit.

„Solarpark Fischbach“ – das klingt erstmal nach Zukunft, es klingt nachhaltig und nach etwas, das man dem Klimawandel entgegensetzen könnte. Doch das Bauvorhaben der Firma Münch ecoraise erntete bei der Sitzung des Kronacher Stadtrates auf der Festung Rosenberg nicht nur Applaus. Vor allem die betroffenen Anwohner meldeten sich kritisch zu Wort. Und die rechneten erst einmal ab mit Münch, bemängelten zahlreiche Punkte beim Bau des errichteten Umspannwerks.

Vor allem das Wegenetz sei nicht fachmännisch ausgebessert worden, gestand auch Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) ein. Mittlerweile sei eine andere Firma damit beschäftigt und es gehe zumindest etwas schneller voran. Hofmann: „Wir sind in regelmäßigem Austausch mit der Firma Münch.“ Werner Hugel fasste es so zusammen: „Die sollen doch erst einmal eine Baustelle fertig machen, bevor sei eine zweite anfangen.“

Die Photovoltaik (PV)-Anlage soll laut Planung rund zwölf Hektar eingezäunte Fläche umfassen. Umgerechnet sind das also rund 16 Fußballfelder. Dass man diese zusätzliche Energie braucht, davon war Alexander Wellach als Anwohner und auch als Jäger nicht überzeugt. „Es gibt einfach jetzt schon zu viele Windräder um Fischbach herum, die überhaupt nicht laufen. Sie werden ja scheinbar nicht benötigt. Sollte man deshalb nicht erst einmal diese nutzen, bevor man an eine Ausweitung des Energienetzes denkt? Ich finde, diese PV-Anlage ist eher kontraproduktiv, deshalb bitte ich das Gremium um Ablehnung.“ Deutliche Worte, die vor allem bei einigen der anwesenden Bürger auf fruchtbaren Boden fielen.

Allerdings hatte auch die Bürgermeisterin noch ein paar Pro-Asse im Ärmel. Dazu zählte unter anderem die „effiziente Doppelnutzung,“ denn es sei ein Beweidung der Fläche durch Schafe vorgesehen. „Und es ist eine Kombination aus Arten-, Klima- und Naturschutz. Es sollen für Pflanzen und Insekten geschützte Lebensräume entstehen, indem auf Pestizide und auf Düngung verzichtet wird.“

Investitionsmöglichkeit für Bürger

Finanzielle Anreize gebe es ebenfalls. Für die Stadt bedeute der Bau der Anlage jährlich etwa 30 000 Euro mehr in der Kasse, plus der zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen. Und auch den Bürgern winke eine Investitionsmöglichkeit in Form eines „Crowd Investings.“ Dahinter versteckt sich ein zeitlich begrenztes Vorzeichnungsrecht. Versprochen wird ein Zinssatz von vier Prozent jährlich und eine Laufzeit über fünf Jahre. „Die Beteiligungshöhe pro Bürger beträgt zwischen 100 und 10 000 Euro.“ Außerdem helfe die Anlage, die Klimaziele zu erreichen.

Ein weiteres Argument pro PV-Anlage war für Angela Hofmann die Bodenbeschaffenheit des betreffenden Areals. Hier seien keine allzu großen Erträge mehr zu erwarten. Und zur Bauleitplanung meinte sie: „Sie ist ein langer Prozess, in dem sich ja auch noch die Träger öffentlicher Belange zu Wort melden können. Wir werden dann alles im Stadtrat bewerten und einordnen. Aber der Startschuss hier und heute ist wichtig, denn nur so lernt man die Vor- und Nachteile dieses Projektes auch kennen.“

Die Mängel beim Bau des Umspannwerks fasste Harald Meußgeier (AfD) zusammen. Er vermutete, dass man nun auch die PV-Anlage nur „schönreden“ wolle. An ihn seien zahlreiche Anwohner herangetreten, um ihre Bedenken zu äußern. Sie hätten Angst ums Ökosystem und um das natürliche Gleichgewicht. Verwundert war er vor allem darüber, „dass die Grünen zwar wegen eines Frosches den Bau einer ganzen Straße verhindern, hier aber kein Veto eingelegt haben.“

Meußgeier bat vor allem auch darum, den Vorwürfen der Bürger nachzugehen, die zahlreiche Verstöße beim Bau des Umspannwerks bemerkt hätten. Er sprach vom „Verrücken kartierter Grenzsteine,“ von „verlegten Kabeln ohne Einverständnis der Eigentümer,“ von „nicht ausreichend verdichteten Wegen, falsch eingesetzten Durchlassrohren, verschmälerten Zufahrten“ und davon, „dass die Anlieger lange Zeit ihre Felder nicht bewirtschaften konnten.“

Diesen Hinweisen, sofern sie dokumentiert seien, werde man selbstverständlich nachgehen, versicherte die Bürgermeisterin, „denn der Gestattungsvertrag muss eingehalten werden.“ Allerdings habe der Bau des Umspannwerkes erst einmal nichts mit der geplanten PV-Anlage zu tun.

Die Energiewende

Ralf Völkl, Fraktionsvorsitzender der SPD zeigte zwar Verständnis für die Anwohner, sah aber keinen Weg, der an der Energiewende vorbeiführen würde. Vor allem könne man sich nicht hinter dem „St.-Florians-Prinzip verstecken,“ indem man Windräder oder PV-Anlagen nur dann gut finde, wenn sie irgendwo weit entfernt stünden. Völkl verwies vor allem auch auf einen wirtschaftlichen Aspekt: „Große Firmen wollen CO2-neutral werden und bleiben. Um das zu schaffen, können sie auch nur mit CO2-neutralen Firmen zusammenarbeiten.“ Hier könne man schnell ins Hintertreffen geraten.

Allerdings sei auch der Landschaftsschutz ein wichtiger Aspekt. Den Standort Fischbach fand er sehr gut geeignet, denn hier gehe keine wertvolle Fläche verloren. Es könnten sich aber Kleinstlebewesen entwickeln, die positive Beiträge zum Naturschutz leisten. Das Konzept der Firma Münch ecoraise solle man auf der kommenden Bürgerversammlung in Fischbach vorstellen, um es für alle transparent zu machen.

„So ein Scheiß mit der Firma Münch darf nicht mehr passieren.“ Markus Oesterlein, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion verschaffte sich erst einmal etwas Luft, bevor auch er feststellte: „Die Energiewende geht uns alle an. Es wäre zwar schöner, wenn PV-Anlagen auf den Dächern und nicht auf freier Fläche errichtet werden, aber das funktioniert eben nicht immer. Und am Standort Fischbach gibt es eh schon die Beeinträchtigung durch das Umspannwerk, deshalb macht der Bau des Solarparks an dieser Stelle Sinn.“ Allerdings räumte er auch ein, dass in seiner Fraktion die Meinungen darüber auseinandergingen. „Ich werde aber diesen Weg mitgehen.“

Weiträumig eingezäuntes Gelände

Ob man bei der Energiewende jeden Preis inkauf nehme, fragte Claudia Wellach (CSU). Man müsse schließlich vor allem auch die Belange der Menschen berücksichtigen, die dort vielleicht Biolandwirtschaft oder Jägerei betreiben. „Oder die sich hier einfach ein bisschen erholen wollen.“ Das Gebiet sei dann derart weiträumig eingezäunt, dass das Wild sich nicht mehr großflächig bewegen könne. „Viele Menschen im Fischbachtal sind gegen diese Anlage.“

Für den Bau sprachen sich Winfried Lebok (CSU) („vielleicht könnte es eine Pilotanlage werden) sowie Peter Witton von den Grünen aus. Der vermutete ebenfalls, dass die Anlage positiven Einfluss auf die Fläche haben würde.

Angela Hofmann sah nach der Beschlussfassung (15:4 Stimmen für die Einleitung des Bauleitverfahrens) zwar lange noch nicht alle Fragen als beantwortet, das aber werde sich ändern.

Eine Änderung gab es bei der Besetzung zum Abwasserverband Nord. Da das bisherige Ausschussmitglied Markus Wich zum stellvertretenden Verbandsvorsteher bestellt worden sei, müsse man hier eine Neubesetzung vornehmen. Als Verbandsrat wurde einstimmig Martin Bittruf gewählt, sein Vertreter ist Michael Müller.

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