Aktion von Pflegeschülern
Das Seelenleben in Worte gefasst
In Form von Haiku-Gedichten bringen Schüler ihre Gedanken zum Ausdruck. Die Haiku sind zurzeit im Eingangsbereich der Helios-Frankenwaldklinik zu finden.
In Form von Haiku-Gedichten bringen Schüler ihre Gedanken zum Ausdruck. Die Haiku sind zurzeit im Eingangsbereich der Helios-Frankenwaldklinik zu finden.
Foto: Helios-Frankenwaldklinik, Stefan Studtrucker
Kronach – Angehende Pflegekräfte lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Sie schreiben Haiku-Gedichte auf Blätter und hängen diese an einen Baum.

Am Wochenende war es wieder soweit! Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege an der Helios-Frankenwaldklinik schenkten einem Baum neue Blätter. Jedes „Blatt“ ist mit einem Haiku beschriftet. Das traditionell japanische Gedicht beinhaltet in der ersten Zeile fünf Silben, in der zweiten Zeile sieben und in der dritten Zeile wiederum fünf Silben.

Unterschiedliche Gedanken kommen dabei zum Ausdruck, wie beispielsweise: „Das Leben schätzen, immer Hoffnung wahren, Besserungen kommen“, „Die Sonne ist da, spüre die Wärme und lass dich tragen“, oder „Menschen zu helfen, ist mein größtes Glück der Welt, darum lerne ich fleißig“.

In der japanischen Gesellschaft, die kaum öffentlichen Raum für Emotionen lässt, funktionieren die Haiku seit jeher als künstlerisches Ventil, um den eigenen Seelenstand in Worte zu schreiben, ohne dabei die Gefühle selbst beim Wort zu nennen.

Umgang mit Schicksalen

Für die angehenden Pflegekräfte der Berufsfachschule für Krankenpflege gehört der Umgang mit Patientenschicksalen und ihren eigenen Erlebnissen künftig fest zu ihrem Berufsbild. Diese können sowohl belastend als auch schön und bereichernd für das Leben sein. Deshalb, so die stellvertretende Leiterin der Krankenpflegeschule Birgitta Krieger, legt nun schon seit mehreren Jahren die Schulleitung Wert darauf, dass im Rahmen des Unterrichts neben den medizinischen und pflegerischen Lehrinhalten auch Wege zur Verarbeitung alltäglicher Erlebnisse vermittelt werden. Haikus seien eine Form der Sprache, um diesen Gefühlen Raum zu geben.

In Zusammenarbeit mit dem Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro werden bereits seit dem Jahre 1998 etwas andere Deutschstunden organisiert, in denen die Schüler in die Kunst der Haiku eingeführt werden. Denn, so sagt Cesaro, gerade in den Pflegeberufen benötige man ein Ventil, um die Erlebnisse und Geschehnisse des Alltags zu verarbeiten. Und das sei die Sprache. Und in Haiku-Gedichten werde Sprache konzentriert zum Ausdruck gebracht. Nun geben die selbst verfassten Haiku-Gedichte der Schüler und Schülerinnen einem toten Baum ein gleichermaßen neues Leben. Haiku sind Kurzgedichte, sie entstammen der japanischen Kultur. Gegenwärtigkeit, Wahrnehmung und Kürze sind die Wesensmerkmale von Haiku. Insgesamt, so sind sich Ingo Cesaro und Brigitta Krieger einig, ist Haiku eine gute Sache für angehende Pflegekräfte.