Aufruf
Gesucht: Gefährdete Eiben im Frankenwald
Diese Nahaufnahmen sollen dabei helfen die Eibe besser identifizieren zu können.
Diese Nahaufnahmen sollen dabei helfen die Eibe besser identifizieren zu können.
Foto: Bayerische Staatsforsten
Kronach – Die Eibe ist selten geworden im Frankenwald und gilt als bedroht. Deshalb ruft ein Projekt die Naturfreunde im Landkreis Kronach zur Mithilfe auf.

So manch einer kennt sie von Friedhöfen oder aus dem Garten – die Eibe. Auffallend sind vor allem ihre scharlachroten Samen, bekannt ist sie aber meist wegen ihrer Giftigkeit. Weniger geläufig ist jedoch, dass die Eibe eine seltene Baumart unserer Wälder ist. In Bayern ist sie in ihrem Bestand gefährdet und steht deshalb auf der Roten Liste.

Nun geht es darum, die Eibe wieder zu etablieren, um dem Wald eine fast verloren gegangen Facette wieder zurückzugeben. Zu diesem Zweck hat sich ein Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsforsten, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth geformt, das sich zum Ziel gemacht hat, die Eibe wieder zu einem Bestandteil des Frankenwalds zu machen. Dazu möchte man die wenigen, verbliebenen Vorkommen der Eibe im Frankenwald erfassen und untersuchen und darauf aufbauend Maßnahmen zu ihrem Schutz und zu ihrer Förderung ergreifen.

Die Bevölkerung soll helfen

Zur Bestandaufnahme ist die die Hilfe der Bevölkerung im Frankenwald nötig. Konkret bitten die Verantwortlichen des Projekts darum, dass die Bevölkerung Eiben meldet, die im Wald außerhalb von Parks und Gärten wachsen.

Dazu sollten Teilnehmer möglichst genaue Fundortangaben (idealerweise GPS-Koordinaten) und wenn möglich ein Foto von einem Zweig (siehe Bild) bis zum 30. Juni per E-Mail an Laura.Lachenicht@uni-bayreuth.de schicken.

Alternativ kann man auch „iNaturalist“ nutzen, eine App, mit der ein Bild mit Standort bequem vom Handy aus gesendet werden kann. Mehr Infos gibt es unter unter www.inaturalist.org/projects/gesucht-eiben-im-frankenwald.

Überlebenskünstler Eibe

Die Eibe ist eigentlich eine Überlebenskünstlerin, die es schon seit über 20 Millionen Jahren in Europa gibt. Zum Vergleich: Menschen gibt es seit etwa 315 000 Jahren. Durch ihre weite Verbreitung in Mitteleuropa kommt sie auf fast allen Bodentypen und im Klimabereich von kühl-feucht bis hin zu warm-trocken vor. Etliche Eiben sind an die tausend Jahre alt. Das bedeutet auch, dass diese Exemplare von der mittelalterlichen Wärmezeit über die Kleine Eiszeit (1350-1850) bis hin zur heutigen Klimaerwärmung viele Witterungsbedingungen durchgestanden haben. Das macht sie so zu einer interessanten Baumart im Klimawandel.

Seit 300 000 Jahren genutzt

Ihren Gefährdungsstatus verdankt sie besonders uns Menschen, da ihr Holz von besonderer Attraktivität bei der Herstellung von Waffen war. Grund hierfür ist, dass Eibenholz das dichteste Nadelholz besitzt und gleichzeitig extrem elastisch ist. Die älteste je gefundene Spitze eines Jagdspeers ist über 300 000 Jahre alt und steckte noch im fossilen Skelett eines urzeitlichen Waldelefanten, der von Neandertalern erlegt wurde. Die weltberühmte Gletschermumie „Ötzi“ hatte bereits einen Jagdbogen aus Eibenholz dabei. Bis in das 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hinein wurde Eibenholz für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten verwendet.

Ein Großteil der fränkischen Eiben wurde nach England exportiert, wo der Englische Langbogen hergestellt wurde. Der Bedarf für die Waffenproduktion war im Mittelalter so groß, dass die Eibe in den Wäldern sehr selten wurde. Zusätzlich hat ihre Giftigkeit Fuhrleute dazu verleitet, Eiben am Wegesrand zu beseitigen, damit ihre Tiere keinen Schaden davontragen.

Mittlerweile weiß man die Eibe wieder zu schätzen, sei es als Holz für Drechselarbeiten oder in der Medizin, die aus ihr Wirkstoffe zur Krebstherapie entwickelt.