Preisverdächtig
Naturschutz vor der Kronacher Schultür
Die Seminaristen bei der Kartierung der Spenderfläche am Kreuzberg
Die Seminaristen bei der Kartierung der Spenderfläche am Kreuzberg
Foto: FWG
Kronach – Eine Seminargruppe des Frankenwald-Gymnasiums möchte, dass auf den Außenanlagen ihrer Schule mehr Tiere und Pflanzen heimisch werden.

Naturschutz fängt vor der eigenen (Schul-)Haustür an und lässt sich im Spannungsfeld "Schulzentrum - Politik - Naturschutz" im Kleinen verwirklichen. Wie dies gelingen kann, zeigen auf eindrucksvolle Art und Weise zwölf Oberstufen-Schüler des Frankenwald-Gymnasiums in ihrem P-Seminar des Leitfachs Biologie. Unter dem Titel "Neubauprojekt - Wohnraum für Tiere" möchte die Seminar-Gruppe naturnahe und an unterschiedliche Bedürfnisse unserer heimischen Arten angepasste Lebensräume schaffen.

Das Schulgelände soll so zum Schutz- und Rückzugsort für gefährdete Spezies werden. Das Umweltprojekt fand die Bewertungsjury so überzeugend umgesetzt, dass die Seminaristen hierfür beim alljährlichen P-Seminar-Wettbewerb aller oberfränkischen Gymnasien mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden. Die Preisverleihung erfolgte per Video-Konferenz.

"Wir wollten ein Projekt, das vollständig umsetzbar, am Schulzentrum machbar und gleichzeitig nützlich sein sollte", erklärte Tom von Prince, der mit weiteren Kursmitgliedern Idee, Intention und Umsetzung des Projekts vorstellte. Bei der Entscheidung, dem Schulgelände mehr biologische Vielfalt zu verleihen, wie auch bei der Durchführung habe man zahlreiche Unterstützung erhalten.

Dank gebühre den Experten der Kronacher Kreisgruppen vom Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Forstamt Rothenkirchen, der Ökologischen Bildungsstätte Mitwitz, der Kreisfachberatung für Gartenkultur, dem Naturpark Frankenwald sowie den Verantwortlichen von Stadt und Landkreis Kronach.

Die Aufgaben wurden in vier Arbeitsgruppen aufgeteilt: die Fledermaus-, Insekten-, Blühwiesen- und Dokumentations-Gruppe. Die Blühwiesen-Gruppe legte auf einem ackerähnlichen Streifen neben der Gottfried-Neukam-Mittelschule eine artgerechte Blühwiese an. "Diese soll ein Ort der Artenvielfalt werden, um heimische Pflanzen am Schulgelände wieder anzusiedeln und vor allem Insekten und andere Gliedertiere Nahrung und Lebensraum zu bieten", erklärte Victoria Schirmer. Zum Einsatz kam eine Mähgut-Übertragung - sprich das Ausbringen von frischem Schnittgut.

Unterstützung vom Kreisobmann

Die neue Wiese am Schulzentrum war vorher von den Schülern hinsichtlich ihrer Artenvielfalt an Pflanzen untersucht worden. Bereits zuvor hatte die Gruppe eine Partner-Blühwiese mit Unterstützung von Florian Wagner, Biologe der Ökologischen Bildungsstätte, kartiert. Eigentümer der artenreichen, vom FWG etwa 800 Meter entfernten Spenderfläche ist der Kreisobmann des Bauernverbandes Kronach,

Erwin Schwarz. Er gestattete die Untersuchung seiner Wiese und mähte diese für die kurz vor den Sommerferien stattfindende Mähgut-Übertragung auf die Empfängerwiese. Zuvor war die Fläche gegrubbert worden. Das von Schwarz kostenlos überlassene Schnittgut wurde mit Hilfe eines Nebenerwerb-Landwirts auf die Wiese ausgebracht und verteilt.

Der ökologisch wertvolle Lebensraum wurde durch das Aufstellen von Fledermaus-Nistkästchen und Insektenhotels ergänzt. Hanna Schmidt von der Insektengruppe berichtete vom Bau und Anbringen der Nisthilfen, damit dort potenzielle neue Bewohner - insbesondere auch Wildbienen - ideale Bedingungen vorfinden. Im November errichtete man Häufen aus totem Holz, Reisig und Laub - als Winterquartiere bzw. dauerhafte Plätze für Igel.

Mit Hilfe vom Naturparkranger Jan van der Sant vom Naturpark Frankenwald und Christina Höpflinger von der ökologischen Bildungsstätte Mitwitz brachte man - so Xenia Makeev von der Fledermausgruppe - Fledermauskästen in vier Metern Höhe auf dem Gelände am Schulzentrum an. Diese hatte man vorher aus vorbereiteten Bausätzen zusammengezimmert. "Fledermäuse sind eine tolle Spezis, die leider stark bedroht ist. Am Ende waren wir geschafft, aber hochglücklich, etwas für sie getan zu haben", freute sie sich.

Die Dokumentationsgruppe gestaltete - wie Franziska Lang erläuterte - Schautafeln, die an den neu geschaffenen "Lebensräumen" aufgestellt wurden. Auf den Tafeln finden sich Kurz-Infos zum jeweiligen "Lebensraum" sowie allgemein zum P-Seminar. Ausführlichere Informationen sind per Smartphone mittels eines auf der Tafel abgebildeten QR-Codes abrufbar, wofür das P-Seminar eine entsprechende App entwickelte. Zudem hatte die Gruppe verschiedene Zeitungsartikel zum Projekt geschrieben.

Künftig mit offenen Augen

Einig waren sich die Abiturienten, dass sie aufgrund des neuerworbenen Wissens und ihrer im Seminar gesammelten positiven Erfahrungen künftig mit offenen Augen durch die heimische Natur gehen werden. Ein abschließender Dank galt ihrer Kursleiterin, Studienrätin Stefanie Springer, und der Informatik-Lehrerin Doreen Scheler-Eckstein, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätten. Dem selbst ausgewählten Projekt vorausgegangen war die Berufs- und Studienorientierungsphase, in der die Seminaristen verschiedene Berufsfelder kennenlernten.

Laut Harald Vorleuter, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Oberfranken, dienten P-Seminare nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Persönlichkeitsentwicklung. Die Zusammenarbeit in der Gruppe, die gemeinsame Problemlösung und das Erreichen des Ziels - diese Art von Bildung sei heute, neben dem reinen Wissen und Können, wichtiger denn je.

Schon mehrfach Preisträger

Die Auszeichnung am FWG habe ja, schmunzelte er, schon fast Tradition; zählte doch die Schule schon mehrmals zu den Preisträgern, zuletzt im Vorjahr mit dem Bildband "einblicke - Kronach in Bildern".

Patrick Püttner, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bezirksgruppe Oberfranken, verdeutlichte die Bedeutung von P-Seminaren für die heimische Wirtschaft. Als wichtiger Bestandteil der gymnasialen Oberstufe sollen sie Schüler bei ihrer Studien- und Berufswahl unterstützen. "Leider haben viele junge Leute Probleme beim Übergang von Schule zur Ausbildung und Berufswelt", bedauerte er. Über 10 Prozent brechen ihre Ausbildung; rund ein Viertel aller Studierenden ihr Erststudium ab.

In Stellvertretung überreichte Schulleiter Harald Weichert die mit einem Preisgeld verbundene Auszeichnung an die Kursleiterin Stefanie Springer. Die erneute Auszeichnung seiner Schule erfüllte ihn mit großem Stolz. Beeindruckt habe ihm beim Projekt vor allem die Kombination aus "Hand und Hirn", wobei auch tüchtig Schweiß geflossen sei. "Ihr habt das gewuppt - und das in Corona-Zeiten", lobte er.

Seminaristen waren: Nick Beyer, Simon Burger, Franziska Lang, Annika Löffler, Xenia Makeev, Anne Schelhorn, Victoria Schirmer, Hanna Schmidt, Lea Schmidt, Julius Stöhr, Tom von Prince, Annika Zipfel; Seminarleiterin: Stefanie Springer.