Naturgenuss
Tettau lockt mit der Bärwurz
Mit der Bärwurz können auch kulinarische Schmankerl zubereitet werden.
Mit der Bärwurz können auch kulinarische Schmankerl zubereitet werden.
Foto: Veronika Schadeck
Kleintettau – Die Marktgemeinde will rund um die Heilpflanze Touren anbieten und sie auch kulinarisch in Szene setzen.

Die Marktgemeinde Tettau hat sich als Industrieort einen Namen gemacht, jetzt will Tettau auch als Bärwurzregion bekannt werden. Bärwurztouren – in Tettau werden diese entlang des Grünen Bandes, Rennsteig, Tettautal und Wildberg führen – sollen ab dem kommenden Jahr angeboten werden. Zudem will man als Genussort die Bärwurz stärker kulinarisch in Szene setzen.

Am Samstag wurde bei der „Finkenburg“ der aktuelle Stand des Projekts mit der Bärwurz im Frankenwald vorgestellt. Die Genussbotschafterin Kerstin Rentsch erklärte zudem, wie man die Bärwurz in der Küche verarbeiten kann und lieferte auch gleich Kostproben. Der Projektmitarbeiter Dietrich Förster von der Ökologischen Bildungsstätte ging zuvor auf die Heilwirkung der Bärwurz ein, die beispielsweise als gequetschtes Kraut für Umschläge gegen Hautkrankheiten eingesetzt werden kann.

Zudem, so erklärte er, helfe der Erhalt der Bärwurzwiesen und Weiden nicht nur der Artenvielfalt im Frankenwald, sondern wirke sich auch auf das Wohlbefinden aus. Bayernweit weise speziell der nördliche Frankenwald ein starkes Restvorkommen an Bärwurzwiesen aus.

Die Tettauer Bärwurzwanderroute soll auch die „Schleifenwiesen“ am Rennsteig durchqueren. Diese gilt als Schnittstelle der drei Naturparke Frankenwald, Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge. Mit im Bild: Dietrich Förster (Dritter von links) und Bürgermeister Peter Ebertsch (links).
Die Tettauer Bärwurzwanderroute soll auch die „Schleifenwiesen“ am Rennsteig durchqueren. Diese gilt als Schnittstelle der drei Naturparke Frankenwald, Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge. Mit im Bild: Dietrich Förster (Dritter von links) und Bürgermeister Peter Ebertsch (links).
Foto: Veronika Schadeck

Die Projektleiterin Christine Neubauer gab einen überblick über den aktuellen Projektstand. Detailliert ging sie dabei auf die Gewinnung von Saatgut aus der heimischen Bärwurz, Weideeinrichtung und Öffentlichkeitsarbeit ein. Bisher seien in der Spenderflächendatenbank der Regierung von Oberfranken im Frankenwald rund zehn Hektar Frankenwaldwiesen erfasst. Bei passendem Heuwetter könne bei der Hälfte der Fläche mit der ersten Ernte für die Gewinnung von Bärwurzsaat (Wiesendruschsaatgut) begonnen werden. Der Zeitpunkt mit der ausgereiften Bärwurz biete sich dabei an, denn da hat die Bärwurz ihren keimfähigen Samen entwickelt.

In Absprache mit der Naturschutzbehörde werden aktuell mögliche Weidegebiete nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten ausgewählt. Mit geeigneten landwirtschaftlichen Betrieben werden Extensivflächen für die Beweidung mit Rindern mit einer rund zehn Hektar großen Fläche vorbereitet.

Flyer mit Standorten und Routen

Mit Hilfe von Flyern sollen die Bärwurzstandorte und auch die ausgewiesenen Bärwurzwanderrouten im Frankenwald bekannter werden. Rund um Tettau, Rothenkirchen, Lauenstein und Windheim sollen künftig Bärwurztouren den Bürgern und Touristen den Naturschutz näherbringen. Dabei werde eng mit dem Frankenwaldverein zusammengearbeitet, der das Wanderwegenetz betreut.

Weiterhin, so Neubauer, werden Bärwurz- und Arnikavorkommen in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Naturschützern erfasst. Zudem werden auf rund 20 Hektar Extensivrinderweiden Daten zu Heuschrecken und Zikaden erfasst. Dadurch ergeben sich Hinweise für ein naturverträgliches Weidemanagement. Insgesamt soll bei dem Projekt neben dem Erhalt der Biodiversität, nachhaltigen Bewirtschaftungsweisen auch das Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung des extensiven Grünlandes geweckt werden.

So sieht die Bärwurzblüte aus.
So sieht die Bärwurzblüte aus.
Foto: Ökol. Bildungsstätte Oberfranken/Archiv

Bürgermeister Peter Ebertsch, der ebenso wie sein Pressiger Kollege Stefan Heinlein mit vor Ort war, hob die Bedeutung der Bärwurz für Tettau hervor. Für ihn gelte es, diese Pflanze an einem geschichtsträchtigen Ort zu erhalten. Stolz erzählte er, dass in seiner Gemeinde nicht nur die Bärwurz, sondern auch die Arnika vorhanden sei.

Kerstin Rentsch sprach abschließend davon, dass die Bärwurz sehr gesund und geschmacksintensiv sei. Sie riecht kräftig und würzig. Die Pflanze kann in der Küche vielseitig verarbeitet werden. Als Beispiele nannte sie Kuchen mit Bärwurzzucker, Kräuterbutter mit Bärwurz, Bärwurzhonig, Bärwurzliköre etc.