Monument
Friesener Kriegerdenkmal ist umgezogen
Das Kriegerdenkmal von Friesen am neuen Dorfmittelpunkt.
Das Kriegerdenkmal von Friesen am neuen Dorfmittelpunkt.
Foto: Jürgen Jakob
Friesen – Wie das im Jahr 1926 errichtete Mahnmal für die Gefallenen, das nun in der Ortsmitte steht, den Zeitgeist widerspiegelt.

Seit dem 24. April 1926, also seit nunmehr 96 Jahren, stand das Denkmal in der Friesener Ortsmitte mit Blickrichtung auf die Straße am Plan. Das vom akademischen Bildhauer Carlo Müller aus Würzburg geschaffene Mahnmal, war am 16. Mai 1926 feierlich durch den damaligen Friesener Pfarrer Georg Gartloff in einem großen Festakt geweiht worden. Erinnert wurde an die gefallenen und vermissten Söhne Friesens aus dem Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. 176 Männer aus Friesen und Roßlach waren damals ins Feld gezogen. 31 von ihnen sollten ihre Heimat nie mehr wiedersehen.

Seit dem deutsch-französischen Krieg 1870 wurden unzählige Kriegerdenkmäler in Bayern errichtet. Die Konzeption der Monumente wirft oft ein Licht auf den Zeitgeist: Von Trauerarbeit über Verklärung und Heldenkult bis zur Vorbereitung der Revanche reicht die Bandbreite. In fast jedem Dorf steht irgendwo ein solches Denkmal, wie ein Relikt aus ferner Zeit.

Trauer und Opferbereitschaft

Während der Napoleonischen Befreiungskriege vor rund 200 Jahren wurden die ersten Kriegerdenkmäler aufgestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg, wurden fast überall Denkmäler erbaut. Vom Kriegspathose blieb nach 1918 nichts mehr übrig – stattdessen politische Wirren und als ungerecht empfundene Reparationszahlungen. So spiegelt sich auch in der alten Urkunde des Friesener Denkmals, die in einer Kapsel die letzten 96 Jahre überdauert hat, der damalige Zeitgeist. In dieser Stimmung änderte sich der Charakter der Denkmäler: Der Krieg wurde zur Bewährungsprobe. Und neben der Trauer wurde die Opferbereitschaft der Soldaten in den Vordergrund gestellt. Ihr Tod soll nicht umsonst gewesen sein, heißt es oft.

Bereit für die Revanche

Plötzlich sollten die Denkmäler nicht nur die Erinnerung wachhalten, sondern Vorbereitung sein – in Stein gemeißelte Entschlossenheit. Die Revanche sollte kommen und dann sollte der Sieg auf deutscher Seite sein! Das war die Aussage vieler Kriegerdenkmäler. So sind auch auf dem Denkmal in Friesen zwei Spruchbänder zu finden. „Die Liebe höret nimmer auf“ lautet die Inschrift am Sockel und unter dem Relief mit dem sterbenden Soldaten und dem Eichenspross ist der Schriftzug: „Der Heimat treu bis in den Tod“ zu lesen.

Eine Art Grabersatz

Dieser Spruch sollte sich in der Zeit des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 mehr als bewahrheiten. In diesem sinnlosen, vom Naziregime, inszenierten Krieg sollten weit mehr Männer aus Friesen ihr Leben lassen. Ihre Namen wurden später auf dem Gesims unter dem Relief in Stein gemeißelt. Das Denkmal zierte an seinem alten Standort ein Vorgarten, der von den Kriegerwitwen und Waisen über viele Jahre liebevoll bepflanzt wurde. Die Gefallenen konnten meist nicht in der Heimat beigesetzt werden. Das Denkmal war für die Verbliebenen eine Art Grabersatz und somit ein Ort des stillen Gedenkens.

Neue Zeitkapsel eingemauert

Nun hat das Denkmal im Rahmen der Dorferneuerung einen neuen, weit besseren Standort gefunden. Frisch renoviert erstrahlt es nun am neuen Platz in sehr exponierter Lage am neuen Friesener Dorfmittelpunkt. Die in einer Zeitkapsel eingemauerte Urkunde wurde geborgen und durch Georg Schneider transkribiert. Georg Schneider war es auch, der eine neue Urkunde erstellt hat, die nun zusammen mit einigen zeitgenössischen Münzen und der aktuellen Tageszeitung aus Kronach in einer neuen Zeitkapsel im Denkmal eingemauert wurde.

In enger Zusammenarbeit zwischen Bernhard Geiger, Hans-Jürgen Geigerhilk, dessen Sohn Johannes und dem Vorstandsteam der Krieger- und Soldatenkameradschaft Friesen war es möglich diese neue Zeitkapsel herzustellen und wasserdicht zu verschließen. So kann sie die nächsten Jahrzehnte unbeschadet überstehen und nachfolgenden Generationen Zeugnis geben, was die Menschen in Friesen im Jahre 2022 bewegt hat.

Aktiv für den Frieden

Nach der Corona-Pandemie erschüttert wieder ein Krieg auf europäischem Boden die Menschen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist uns allen bewusst geworden, wie wichtig der Einsatz für den Frieden in der Welt ist. Frieden ist jedoch nur zu realisieren, wenn man sich mit der Geschichte bewusst auseinandersetzt und Lehren daraus zieht. Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Friesen setzt sich aktiv für den Frieden ein. Neben der breit angelegten Ausstellung in der Dorfscheune über den Deutsch-Französischen Krieg, die beiden Weltkriege, einem Vortrag von Dr. Erös über den Krieg in Afghanistan entstand ein Rundgang über das jüdische Leben in Friesen, der noch im Frühsommer feierlich eröffnet werden soll und bereits jetzt virtuell abgerufen werden kann. (https://jg.erinnerungskultur-soldatenkameradschaft-friesen.de/).

Einweihung für September geplant

Die Einweihung des renovierten Denkmals ist für den September geplant und soll musikalisch mit dem großen Zapfenstreich begleitet werden.