Musikgeschichte
Tafel erinnert an großen Musiker
Bürgermeister Jörg Neubauer und Marianne Weiß (von links) enthüllten die Gedenktafel.
Bürgermeister Jörg Neubauer und Marianne Weiß (von links) enthüllten die Gedenktafel.
Foto: Heike Schülein
Hummendorf – Die Kirchengemeinden Hummendorf und Weißenbrunn feiern ihren berühmtesten Sohn Johann Georg Herzog.

Nicht nur für Marianne Weiß, Eigentümerin des Anwesens Zur Schiefermühle 2, ging ein Traum in Erfüllung. Eine Schiefertafel am Geburtshaus erinnert fortan sichtbar an den Kirchenmusiker und Komponisten Professor Johann Georg Herzog (5. August 1822 bis 3. Februar 1909). Weiß war es ein großes Anliegen, die Erinnerung an den großen Organisten und Hochschullehrer in dieser gebührenden Form aufrechtzuerhalten.

Kein Ruhmesblatt

„Es ist für unsere heutige kirchliche Kultur kein Ruhmesblatt, dass der Name Johann Georg Herzog in Kirchenmusikkreisen weitgehend vergessen ist“, bedauerte Konrad Klek in seiner Predigt in der Dr.-Martin-Luther-Kirche in Hummendorf. Umso mehr lobte der Professor für Kirchenmusik an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen das Engagement der Kirchengemeinden Hummendorf und Weißenbrunn, ihren berühmtesten Sohn aus Anlass seines 200. Geburtstags mit einem Fest-Wochenende zu würdigen.

„Johann Georg Herzog hat das Licht seiner musikalischen Begabung nicht unter den Scheffel gestellt“, stellte Klek heraus. Er habe Musik geschaffen, die zum Gottesdienst passe und die Menschen zum Mitsingen animiere. „Musik in der Kirche sollte allein Gott die Ehre geben.“

Zu den Eigentümlichkeiten seines Lebens gehöre, dass dieser zeitlebens gar nicht als Hummendorfer galt, sondern als Schmölzer, und dass er selber seinen Geburtstag nicht am 5. August, sondern am 6. September feierte. Herzog selbst habe erst mit 66 Jahren im Zuge einer Erbschaftsangelegenheit die richtigen persönlichen Daten erfahren.

Grandioses Orgelspiel

Zum Glück erkannten die Eltern die große musikalische Begabung ihres Sohns. Zudem gab es in Schmölz einen fähigen Lehrerkantor. Mit neun Jahren bekam Johann Georg eine Violine und wurde sukzessive an die Orgel herangeführt. Als 17-Jähriger kam er 1839 aufs Lehrerseminar in Altdorf und fand sich zwei Jahre später im Schuldienst wieder.

„Sein Orgelspiel muss so überdurchschnittlich grandios gewesen sein, dass es sich in der ganzen Landeskirche herumgesprochen hat“, verdeutlichte der Professor. Als in München der Organist in St. Matthäus erkrankte, ließ Johann Georg Herzog alles stehen und liegen. Mit 26 Jahren wurde er Kantor der Matthäus-Kirche und zum ersten Orgellehrer am kurz zuvor gegründeten königlichen Conservatorium der Musik berufen.

Freiraum zum Komponieren

1854 folgte der Kantor einem Ruf nach Erlangen an die Universität. Damit entschied er sich für den Dienst an der Sache der Kirche. Er wollte zukünftigen Pfarrern das Rüstzeug vermitteln. Die Semesterferien boten ihm Freiraum zum Komponieren und Edieren weiterer Notenausgaben. Am wirksamsten war die 1867 erstmals gedruckte Orgelschule.

Auch in seinen 20 Ruhestandsjahren in München organisierte er unablässig Musik für Gesangvereine oder Kirchenchöre. Seine letzten Lebensmonate waren von Krankheit gezeichnet. Seine Gattin starb vier Tage nach ihm. Beider Grab liegt im Münchner Südfriedhof.

Gemeinde dankt Marianne Weiß

Musikalisch ausgestaltet wurde der Gottesdienst vom Gesangverein Hummendorf sowie von Professor Klek an der Orgel, natürlich mit Musik aus der Feder Herzogs. Ein bewegender Moment war die Enthüllung der von Marianne Weiß initiierten und finanzierten Gedenktafel. Bürgermeister Jörg Neubauer würdigte das Engagement der Hummendorferin.

Matthias Maaß zeigte sich sehr stolz, Pfarrer im Geburtsort des großen Komponisten zu sein. Der Posaunenchor Hummendorf umrahmte den Festakt musikalisch. Seinen Auftakt hatte das Festwochenende mit einem Konzert in Weißenbrunn gefunden.

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