Aktionstag
In Kronach gerät die Kunst unter Druck
Handpressendrucker Peter M. Bannert gab eine Einführung in das kunsthandwerkliche Drucken mit der „Handnudel“. Mit im Bild sind (von rechts) Ingo Cesaro, Tobias Bocklet und Martin Haseney.
Handpressendrucker Peter M. Bannert gab eine Einführung in das kunsthandwerkliche Drucken mit der „Handnudel“. Mit im Bild sind (von rechts) Ingo Cesaro, Tobias Bocklet und Martin Haseney.
Foto: Heike Schülein
Tradition trifft Innovation: Ingo Cesaro zieht den Hochdruck „LCC FabLab“ ab. Durch den Hochdruck wird die sonst verborgene Füllstruktur sichtbar.
Tradition trifft Innovation: Ingo Cesaro zieht den Hochdruck „LCC FabLab“ ab. Durch den Hochdruck wird die sonst verborgene Füllstruktur sichtbar.
Foto: Heike Schülein
Selbst gestaltete Ostergrüße „frisch“ aus der Handpresse
Selbst gestaltete Ostergrüße „frisch“ aus der Handpresse
Foto: Heike Schülein
Lucas Cranach in 1700 Schichten
Lucas Cranach in 1700 Schichten
Foto: Heike Schülein
Kleine und große Kunstwerke Seite an Seite.
Kleine und große Kunstwerke Seite an Seite.
Foto: Heike Schülein
Kleine und große Kunstwerke Seite an Seite.
Kleine und große Kunstwerke Seite an Seite.
Foto: Heike Schülein
Viele kleine und große Künstler erprobten sich im Linol- und Holzschnitt bzw. im Textdruck.
Viele kleine und große Künstler erprobten sich im Linol- und Holzschnitt bzw. im Textdruck.
Foto: Heike Schülein
Auch die Hauskatze wurde verewigt.
Auch die Hauskatze wurde verewigt.
Foto: Heike Schülein
Andrea Lieb hängt einen ihrer Drucke zum Trocknen an die Leine.
Andrea Lieb hängt einen ihrer Drucke zum Trocknen an die Leine.
Foto: Heike Schülein
Kronach – Der Verein Regionale Kunstförderung beteiligte sich am „Tag der Druckkunst“. Die Teilnehmer probierten verschiedene Techniken aus.

Gekonnt walzt Peter M. Bannert reichlich Druckerschwärze auf den Linolschnitt, bevor er mit reichlich Schmackes mit der „Handnudel“ das Druckmotiv zu Papier bringt. Das kleine Kunstwerk kommt an die Leine zum Trocknen – Seite an Seite mit vielen weiteren bereits im traditionellen Hochdruck angefertigten Unikaten, die an diesem Sonntagnachmittag geradezu um die Wette baumeln. Eine keck dreinschauende schwarze Katze ist ebenso dabei wie ein roter Osterhase, der schon bald lieben Menschen als Ostergruß ins Haus flattern wird. Aber auch Beiträge zum diesjährigen internationalen Mail-Art-Projekt finden sich darunter wie auch der geheimnisvolle Schriftzug „LCC FabLab“ - und das aus gutem Grund…

Linol- und Holzschnitte

Am Samstag und Sonntag veranstaltete der Verein „Regionale Kunstförderung Kronach“ im Seminarraum der Hochschule Coburg den bundesweiten „Tag der Druckkunst“. „Bei der Initiative geht es darum, künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischtechniken in den Mittelpunkt zu setzen und zu zeigen, wie lebendig dieses Unesco-Kulturerbe ist“, erklärt Ingo Cesaro. Beim offenen Kronacher Kunstprojekt konnten Linolschnitte und Holzschnitte hergestellt und im Hochdruck in einer kleinen Auflage gedruckt werden. Erstmals wurde auch Textdruck mit Handsatz und Buchdruck angeboten. Aufgrund der fachlichen Unterstützung konnten selbst Anfänger teilnehmen – und so machten sich dann auch einige ganz junge Künstler begeistert an die Arbeit. Da der Kulturvermittler wieder ein internationales Mail-art-Projekt zu den Themen 550. Geburtstag von Lucas Cranach d.Ä. und 500 Jahre September-Testament ausgeschrieben hat, bestand zudem die Möglichkeit, hierfür Beiträge im Postkartenformat zu schneiden und zu drucken.

Es war bereits das vierte Mal, dass der BBK (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) zum Druckkunst-Tag aufgerufen hatte. Anlass war die Aufnahme der traditionellen Drucktechniken in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes am 15. März 2018. Rund um dieses Datum öffnen seitdem Künstler und Drucker ihre Werkstätten und Ateliers, zeigen Ausstellungen, bieten Workshops und Diskussionsforen an.

Als einziger im Landkreis und weit darüber hinaus beteiligte sich auch in diesem Jahr die Regionale Kunstförderung Kronach am bundesweiten Programm. Bereits 2019 hatte dessen Vorsitzender Ingo Cesaro in diesem Zusammenhang seine Offizin geöffnet – sowie einige Zeit später zu einer Gastveranstaltung in das Kunsthaus nach Nordhalben eingeladen, wo er gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Peter M. Bannert eine Einführung in das kunsthandwerkliche Drucken gab. Nach der coronabedingten Zwangspause konnte die schöne Aktion heuer nunmehr endlich ihre Fortsetzung finden, erstmals in den neuen Räumen der Hochschule Coburg im ehemaligen Link-Gebäude in der Güterstraße.

Keine Scheu vor moderner Technik

Wenngleich der Schriftsteller, Herausgeber und Galerist als einziger im deutschsprachigen Raum eine mobile Handpresse betreibt und damit Projekte an unzähligen Orten initiiert, zeigt er keinerlei Scheu vor den neuen heutigen technischen Möglichkeiten der Druckkunst. Zweifelsohne zu den innovativsten zählt der 3-D-Druck im Siebdruckverfahren – eine Methode, bei der die Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf das Material gedruckt wird.

Lucas Cranach in 1700 Schichten

Was der 3-D-Scanner möglich macht, zeigte beispielsweise der Druck eines Lucas-Cranach-Portraits mit sage und schreibe 1700 Schichten, woran der Drucker rund 1,5 Tage gearbeitet hatte. Auch ein Holzstock kann per 3-D-Drucker hergestellt werden. „Hierfür muss er lediglich entsprechend programmiert werden“, erläutert Labor-Ingenieur Martin Haseney. Das Erhabene des Holzstocks kann im Anschluss im Hochdruckverfahren – in diesem Fall mittels „Handnudel“ – zu Papier gebracht werden, sozusagen als Begegnung des im 15. Jahrhundert lebenden „Vater des Buchdrucks“ Guttenberg mit der Technologie von morgen. Besonders bei dieser außergewöhnlichen Kombination von Tradition und Fortschritt ist, dass durch den Hochdruck auch die sonst im Verborgenen befindliche Füllstruktur sichtbar wird – einfach faszinierend!

Kreativwerkstatt steht allen Bürgern offen

Das finden auch Haseney und der stellvertretende Stiftungsvorstand Tobias Bocklet. Beide freuen sich sehr, dass Cesaro das Angebot der offenen Werkstatt des Lucas-Cranach-Campus – das FabLab (von englisch fabrication laboratory, als Fabrikationslabor) – angenommen hat, möchten diese doch die Öffentlichkeit in den Campus bringen. „In der Kreativwerkstatt stehen allen Bürgern des Landkreises Werkzeuge und Materialien zur Verfügung. Man kann mit Metall, Holz, Textilien oder Kunststoff arbeiten, Ideen mitbringen und sich austauschen“, lädt Bocklet, Professor für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI) an der Technischen Hochschule Nürnberg, zum Mitmachen, Mitdenken und Mitgestalten ein. „Je mehr in dem Räumen experimentiert werde, umso besser.“ Das nötige Equipment – Räume mit entsprechender technischer Ausstattung – stellt die Stiftung kostenlos zur Verfügung; zwei Labor-Assistenten unterstützen bei der Handhabung.

Inge Cesaro hoffte, mit dem Druck-Workshop einen Beitrag zu leisten, dass das FabLab noch mehr in den Köpfen der Bevölkerung ankommt und rege genutzt wird. Tradition und Innovation müssten sich nicht ausschließen, sondern könnten sich kreativ ergänzen – und weil dem so ist, sind bereits weitere gemeinsame Projekte geplant.

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