Kerwa-Tradition
Hähne krähen in Schmölz um die Wette
Alles bereit zum Wettkrähen.
Alles bereit zum Wettkrähen.
Foto: Symbolbild: Marijan Murat, dpa
Schmölz – Der Kleintierzuchtverein Schmölz und Umgebung lässt die Tradition der Hühner-Kerwa wieder aufleben.

Hühner sind voll im Trend. Immer mehr Menschen halten Federvieh im eigenen Garten und freuen sich über Eier von glücklichen Hennen. „Sportlich“ für deren männliche Pendants wird es am Samstag beim Hähne-Wettkrähen des Kleintierzuchtvereins Schmölz und Umgebung. Damit greift der Verein die Tradition der Hühner-Kerwa wieder auf – 40 Jahre nach der Premiere 1982 und 95 Jahre nach der Vereinsgründung 1927.

Streicheleinheiten für ein Zwerghuhn der Rasse Deutsches Reichshuhn von Matthias Bauer. Mit der Zweiten Vorsitzenden Anita Barnikol freut sich der Züchter auf die Neuauflage der Schmölzer Hühner-Kerwa am Samstag.
Streicheleinheiten für ein Zwerghuhn der Rasse Deutsches Reichshuhn von Matthias Bauer. Mit der Zweiten Vorsitzenden Anita Barnikol freut sich der Züchter auf die Neuauflage der Schmölzer Hühner-Kerwa am Samstag.
Foto: Heike Schülein

„Die Hühner-Kerwa begann einst im ganz kleinen Rahmen an einem Tisch im Garten von Rudi Meyer. Für die Besucher gab es damals eine große Pfanne mit Rühreiern“, erzählt Zweite Vorsitzende Anita Barnikol. Mit der Zeit sei das Fest immer größer geworden und habe sich schließlich sogar über drei Tage erstreckt. Doch nach rund 30 Jahren sei die Tradition zum Erliegen gekommen. „Da sich keine neuer Vorstand mehr fand, lag der Verein brach. Es gab keine Veranstaltungen mehr, auch Ausstellungen fanden nicht mehr statt“, erinnert sie sich.

Eier-Produktion statt Zucht

Um das Jahr 2000 herum seien die Aktivitäten dann wieder mehr geworden. „Der Verein lebte wieder auf und organisierte auch wieder Ausstellungen“, so die Zweite Vorsitzende. „Corona hat uns einen großen Zulauf beschert“, freut sie sich. Die Tendenz gehe dabei aber weg vom Züchten von Rassegeflügel hin zur Eier-Produktion. Oft lebe das scharrende Geflügel im Garten der Familie, dann bekämen auch Kinder einen Zugang zu den Tieren. Durch den Boom steigerte sich die Mitgliederzahl von zuletzt deutlich unter 20 auf nunmehr 26 Personen. Erfreulicherweise fand sich auch eine neue verjüngte Vorstandsmannschaft mit viel Schwung und guten Ideen. „Unser neuer Vorsitzender Heiko Fugmann regte auch an, die Hühner-Kerwa wieder aufleben zu lassen“, so Barnikol.

Der Vorstand des KZV Schmölz und Umgebung im  Jahr 1962. Das Bild entstand in der  Gastwirtschaft Bauer  und  zeigt (vorne, von links) Max Lindner, Richard Bauer, Konrad Bauer, Heinrich Kalb, Michael Lindner, Heinrich Marr sowie (hinten, von links...
Der Vorstand des KZV Schmölz und Umgebung im Jahr 1962. Das Bild entstand in der Gastwirtschaft Bauer und zeigt (vorne, von links) Max Lindner, Richard Bauer, Konrad Bauer, Heinrich Kalb, Michael Lindner, Heinrich Marr sowie (hinten, von links) Max Bauernsachs, Andreas Kretz und Hermann Göppner.
Foto: Repro: Heike Schülein

Am Samstag ist es soweit. Stattfinden wird die Neuauflage auf dem Sportgelände des Turnvereins Schmölz. Die Vorfreude ist groß, auch bei Mitglied Matthias Bauer. „Der Verein wurde 1927 gegründet“, verweist er auf das 95-jährige Bestehen. Zugleich jähre sich die 1982 erstmals veranstaltete Hühner-Kerwa zum 40. Mal. Bauer, selbst stolzer Besitzer von 35 Hennen und einem Gockel, ist es ein großes Anliegen, Brauchtum und Tradition zu erhalten und an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Beim Hähne-Wettkrähen wird eine halbe Stunde lang mitgezählt, welcher Hahn wie häufig kräht. Mitmachen dürfen alle geimpften Hähne. „Es gibt da schon so etwas wie sportliche Konkurrenz. Da will einer lauter sein als der andere“, kündigt Bauer an. Wie viele Durchgänge es geben werde, hänge von der Anzahl der teilnehmenden Hähne ab. Am Schluss würden die größten Schreihälse mit Futter-Preisen für ihre stimmlichen Darbietungen belohnt.

Nachwuchs Mangelware

Neben der Gaudi für die ganze Familie möchte der KZV wieder das Interesse der Bevölkerung an der Zucht des schönen Federviehs wecken. Denn die Anzahl der Aussteller ist laut Barnikol sehr rückläufig, es gebe kaum Nachwuchs. „Das ist sehr schade, da es sich dabei um ein wirklich sehr interessantes Hobby handelt.“ Neueinsteigern stehe der Verein gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Für das leibliche Wohl der Gäste wird am Samstag bestens gesorgt sein – traditionsgemäß mit leckeren Speisen rund ums Ei. Beginn der Hühner-Kerwa ist um 14 Uhr. Gestartet wird mit Kaffee und Kuchen, bevor es um circa 15 Uhr zum Hähne-Krähen übergeht.